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Politik

NATO verstärkt Truppen in Afghanistan

Die Nato will die Zahl ihrer Soldaten in Afghanistan erhöhen. Zudem plant sie, im kommenden Jahr ihr Einsatz-Gebiet auf den Süden auszuweiten. Dort sind Taliban- und El-Kaida-Gruppen aktiv.

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ISAF-Soldaten in Kabul

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer Afghanistan-Einsatz

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer

Die Zahl der Nato-Soldaten in Afghanistan solle auf "deutlich über 10.000" steigen, erklärte der Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer am Donnerstag (6.10.2005) in Kabul. Bei seinem dreitägigen Besuch begleiteten ihn Vertreter aller 26 Nato-Mitglieder. Die genaue Zahl der Soldaten sei noch nicht bekannt, sagte de Hoop Scheffer. Es sei aber möglich, dass sie auf 14.000 bis 15.000 steigen werde. Zuvor hatten Meldungen für Verwirrung gesorgt, die Nato wolle die Zahl ihrer Truppen verdoppeln. Derzeit sind rund 9000 Nato-Soldaten für die internationale Schutztruppe Isaf im Land stationiert, darunter etwa 2250 Bundeswehr-Angehörige. Sie sind bislang im Norden und Westen des Landes. Der Bundestag hatte die Obergrenze für den deutschen Anteil erst Ende September auf 3000 erhöht und das Einsatz-Gebiet ausgeweitet.

"Eine weniger freundliche Umgebung"

Struck besucht Bundeswehr in Kundus p178

Der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck (2.v.r.) Ende August mit afghanischen und deutschen Soldaten in Kundus

Im Norden und Westen des Landes ist die Nato-geführte Schutztruppe ISAF bereits mit rund einem Dutzend Stützpunkten präsent. Im kommenden Jahr will das Bündnis nun massiv in den Süden Afghanistans vorrücken. Dort sind Taliban und El-Kaida-Gruppen aktiv, die Sicherheitslage in mehreren Provinzen gilt als sehr instabil. "Die Nato expandiert in den Süden des Landes, eine weniger freundliche Umgebung als der Norden und Westen", sagte Jaap de Hoop Scheffer. "Die ISAF-Operation kommt der 'Operation Enduring Freedom' der Anti-Terror-Koalition näher. Es ist kristallklar, dass wir mehr Synergien zwischen beiden brauchen."

Bisher jagt ausschließlich die US-geführte Anti-Terror-Koalition die Rebellen und versucht mit ihren Militär-Basen im Süden- und Osten für mehr Sicherheit zu sorgen. Dabei sind die Verluste der Amerikaner in diesem Jahr sprunghaft angestiegen. Die US-Regierung will die Zahl ihrer Soldaten am Hindukusch bald reduzieren.

Robusteres Mandat

Afghanistan ISAF Jalalabad Straße Kabul Bombenexplosion

Deutsche Soldaten in Kabul (Mai 2004)

Jüngst kamen bereits kanadische Einheiten in Kandahar dazu, etwa 6000 zusätzliche Nato-Truppen sollen folgen, so dass die Gesamt-Stärke dann laut de Hoop Scheffer bei bis zu 15.000 läge. Doch im neuen Einsatz-Gebiet bräuchten die Nato-Einheiten dann ein robusteres Mandat, so der Nato-Generalsekretär: "Diese ISAF-Wiederaufbau-Teams brauchen Einsatz-Regeln für verschiedene Szenarien. Sie werden der Aufgabe der Anti-Terror-Koalition näher kommen. Und leider ist Terror-Bekämpfung hier noch nötig."

Mehrere Nato-Mitglieder, darunter Deutschland, sind jedoch gegen eine Verschmelzung beider Missionen, und gegen einen Kampf-Auftrag für die Schutztruppe ISAF. Sie wollen ihre Einheiten nicht in blutige Gefechte verwickelt sehen.

Nato-Generalsekretär de Hoop Scheffer hält das verstärkte Engagement des Bündnisses jedoch für nötig: "Dieses Land entwickelt sich noch und wird für Jahre internationale Hilfe brauchen. Afghanistan ist in einer entscheidenden Phase, und genauso die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft." Die Ausweitung nach Süden werde wohl nicht der letzte Schritt sein. "Letztendlich wird es auch eine vierte Phase der ISAF-Ausweitung geben. Und das wird in den Südosten sein, wo die USA jetzt die Führung haben", sagte de Hoop Scheffer. Und damit gäbe es dann irgendwann nur noch eine Afghanistan-Truppe unter Nato-Kommando, so der Nato-Generalsekretär.

Weitere Ausweitung möglich

Taliban in Afghanistan

Ein Taliban-Kämpfer nahe der pakistanischen Grenze (2001)

Der afghanische Präsident Hamid Karsai mischte sich in diese Diskussion nicht ein. "Einmal mehr danken wir im Namen des afghanischen Volkes dem Nato-Generalsekretär und der ganzen Nato für ihren sehr wichtigen Beitrag für Frieden und Stabilität in Afghanistan", sagte Karsai diplomatisch. "Und wir hoffen, dass die Nato bei uns bleiben wird, so stark und effizient wie wir sie heute hier erleben."

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