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Welt

NATO-Oberbefehlshaber Curtis Scaparrotti: Ein Amerikaner aus Korea

Im Nato-Hauptquartier bei Mons in Belgien tritt heute der neue Oberbefehlshaber des Militärbündnisses sein Amt an. US-General Scaparrotti gilt als äußerst umsichtiger Soldat - doch das sollte Moskau nicht missverstehen.

In Südkorea hat er wahrscheinlich die best mögliche Vorbereitung für seinen neuen Job bekommen. Schließlich war

Curtis Scaparrotti

als Chef des US-Militärs in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf der koreanischen Halbinsel damit befasst, Washingtons Interessen in der Region mit denen seines Gastlands Südkorea, aber auch mit den oft gegensätzlichen Interessen von Regionalmächten wie China und Japan auszutarieren.

Dazu gehörte auch der Umgang mit einem Diktator, der wiederholt damit droht, den roten Knopf zu drücken und seine Nachbarn mit Atomwaffen anzugreifen. Scaparrotti hatte immer ein Auge auf das zunehmend unberechenbare Regime in Nordkorea gerichtet.

Verständnis für Europa

"Mit den Koreanern, den Chinesen, den Japanern und anderen in der Region klar zu kommen, ist äußerst komplex", sagt Guy Swan, ein pensionierter US-Generalleutnant, der mit Scapparrotti an der amerikanischen Elite-Militärakademie West Point studiert hat. "Und deswegen wird er die Komplexität der europäischen Situation, speziell auch was die Russen angeht, sehr schnell verstehen."

Genau so wichtig für seine neue Rolle ist jedoch Scaparrottis Erfahrung in Afghanistan. Dort führte er von 2011 bis 2012 das Joint Command der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF). "Er ist deshalb auch kein Neuling in Bezug auf die NATO," sagte Swan.

NATO Luftpatrouille Baltikum F-22 Raptor (Bild: REUTERS/Wolfgang Rattay)

Die NATO hat ihre Patrollflüge über den baltischen Staaten verstärkt.

Abschreckung neu definieren

Scaparrottis Erfahrung in Korea und Afghanistan sind denn auch eine gute Voraussetzung zur Bewältigung der zwei wichtigsten Zukunftsaufgaben des transatlantischen Militärbündnisses, betont Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr in München: "Wie organisiere ich Abschreckung mit Blick auf das russische Verhalten? Und wie organisiere ich die NATO-Streitkräfte so, dass sie auch weiterhin in der Lage sind, Operationen außerhalb des Bündnisgebietes durchzuführen?"

Die wieder stärkere Ausrichtung der NATO auf Russland auszutarieren mit der weiterhin notwendigen Fähigkeit auf Ereignisse außerhalb des Bündnisgebiets wie etwa terroristische Bedrohungen oder die Flüchtlingskrise zu reagieren, sieht Masala als größte Herausforderung für Scaparrotti. Diese beiden Ziele gleichzeitig zu verfolgen, ist einem aus 28 Ländern bestehenden Bündnis immer schwierig.

Noch schwieriger wird die Aufgabe jedoch durch den "Riss", der sich laut Masala mit Blick auf Russland durch die NATO zieht. Während Staaten, die näher bei Russland liegen, nur noch auf militärische Abschreckung setzten, wollten andere einen Mix aus Abschreckung und Verhandlungsangeboten aufrecht erhalten. "Das wird eine extrem heikle militärpolitische Aufgabe für Scaparratti, da die Einheit des Bündnisses zu garantieren", sagte Masala.

NATO Osterweiterung (Bild: picture-alliance/ dpa/ CTK/epa/L. Zavora)

Die NATO-Staaten sind beim Umgang mit Russland gespalten.

Konsensorientiert, aber nicht ängstlich

Doch wenn es jemanden gibt, der geeignet ist, die gegensätzlichen Perspektiven zum Umgang mit Russland zu managen, dann ist es Scaparratti, sagt sein ehemaliger Kamerad Swan. "Er ist eine sehr umsichtige Person", betont er. "Die Leute in der NATO-Gemeinschaft werden ihn als eine integrierende Führungspersönlichkeit zu schätzen wissen, der allen Seiten zuhört und an der Meinung von allen Parteien interessiert ist, bevor er eine Entscheidung trifft."

Scaparrotti's konsensorientierter Stil sollte jedoch keinesfalls mit Ängstlichkeit verwechselt werden, speziell im Hinblick auf die ständigen Versuche des Kremls, Keile in die NATO zu treiben, sagt Swan. "Sie werden schnell merken, dass General Scaparrotti dabei nicht mitmacht. Sie werden herausfinden, dass er ein Oberbefehlshaber ist, der sich für ein einiges Bündnis einsetzt, und deswegen sollten sie ihn nicht unterschätzen."

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