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Aktuell Europa

NATO fordert Aufklärung in Mazedonien

22 Tote hat es bei einer Polizeiaktion im mazedonischen Kumanovo gegeben. Der Vorfall hat die politische Krise weiter angeheizt. Die NATO fürchtet eine Destabilisierung des Landes und mahnt zur Ruhe.

"Ich fordere jeden auf, sich zurückzuhalten und eine weitere Eskalation im Interesse des Landes und der gesamten Region zu vermeiden", sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit Blick auf die heftigen Feuergefechte im Norden Mazedoniens. Er verlangte eine transparente Untersuchung der Kämpfe und betonte, dass er die Entwicklungen mit großer Sorge verfolge.

In Kumanovo, der drittgrößten Stadt Mazedoniens, fand am Wochenende eine großangelegte Razzia gegen bewaffnete Albaner statt. Bei dem zweitägigen Einsatz der Sicherheitskräfte seien acht Polizisten getötet und 37 Beamte zum Teil schwer verletzt worden, teilte Regierungschef Nikola Gruevski in Skopje mit. Auf Seiten der "Terroristen" habe es mindestens 14 Tote gegeben. 30 Männer seien verhaftet worden.

Befürchtete Terroranschläge

Der Polizeieinsatz fand laut Innenministerium in einem Gebiet statt, in dem überwiegend ethnische Albaner leben. Ziel sei eine Gruppe von Ausländern gewesen, die illegal nach Mazedonien eingereist war und einen "Terroranschlag auf staatliche Institutionen" geplant hätte. Die Anführer stammten der Regierung zufolge aus dem benachbarten Kosovo.

Zunächst seien am Samstagmorgen die Zufahrtsstraßen nach Kumanovo mit gepanzerten Fahrzeugen blockiert und die Stadt mit Hubschraubern und Drohnen überwacht worden. Die Polizei habe daraufhin Teile der Bevölkerung in Sicherheit gebracht und in dem abgesperrten Gebiet sämtliche Häuser durchsucht. Dabei seien die Sicherheitskräfte von Scharfschützen angegriffen und mit Granaten sowie automatischen Waffen attackiert worden.

Gruevski: Kein ethnischer Konflikt

Unter den "Terroristen" seien Kämpfer gewesen, die Kriegserfahrungen im Nahen und Mittleren Osten gesammelt hätten, erläuterte Gruevski. Sie seien auch für den Überfall auf eine mazedonische Grenzstation vor zwei Wochen verantwortlich. Die Kämpfe in Kumanovo seien aber keinesfalls ein Konflikt zwischen der slawischen Mehrheitsbevölkerung des Landes und der albanischen Minderheit. Rund ein Viertel der zwei Millionen Menschen in Mazedonien sind Albaner; die Mehrheit der Mazedonier sind orthodoxe Slawen.

Bereits 2001 gab es in Kumanovo, das sich in der Nähe der Grenze zum Kosovo und zu Serbien befindet, bürgerkriegsähnliche Kämpfe zwischen Regierungstruppen und ethnischen Albanern, die mehr Rechte forderten. Damals hatte die NATO ein Abkommen zwischen den Konfliktparteien vermittelt und die Gefechte damit beendet. Die im Land lebenden Albaner hatten der Regierung dennoch wiederholt vorgeworfen, die Absprachen nicht einzuhalten. Die Beziehung zwischen den beiden Volksgruppen ist nach wie vor angespannt.

Sorge vor Instabilität

Die mazedonische Opposition beschuldigte die Regierung, den Konflikt gezielt angeheizt zu haben. Auch im Ausland fürchten viele, dass die ehemalige jugoslawische Republik weiter destabilisiert wird. Derzeit hält eine schwere politische Krise das Land in Atem. Die ganze Woche haben in Skopje Tausende für den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Gruevski demonstriert. Sie werfen ihr Amtsmissbrauch und unrechtmäßige Abhör-Maßnahmen vor.

Nach den Kämpfen in Kumanovo sind tausende Menschen ins benachbarte Serbien geflohen. Die dortige Regierung hatte bereits Spezialpolizei an die Grenze zu Mazedonien entsandt.

nin/sc (dpa, rtr, APE)