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Politik

NATO-Chef auf Versöhnungsmission

Bei einem Besuch in der Türkei hat NATO-Generalsekretär Rasmussen demonstrativ seinen Respekt vor dem Islam bekundet. Ziel: Schadensbegrenzung im Streit um die in der islamischen Welt verhassten Mohammed-Karikaturen.

Anders Fogh Rasmussen in Ankara (Foto: AP)

Visite in Ankara: Rasmussen

Der wegen seiner Haltung im Karikaturenstreit in der islamischen Welt heftig kritisierte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nahm am Donnerstagabend (27.08.2009) in Ankara gemeinsam mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan an einem sogenannten Iftar-Mahl teil, dem traditionellen Abendessen im muslimischen Fastenmonat Ramadan.

Eine "klare Manifestation"

"Bitte betrachten Sie meine Anwesenheit hier heute Abend als eine klare Manifestation meines Respekts für den Islam als eine der größten Weltreligionen", sagte Rasmussen. Die Werte des Fastens im Ramadan wie Geduld, Bescheidenheit und Selbstbeschränkung seien universale menschliche Werte. Der NATO-Generalsekretär - erst seit Anfang August im Amt - lobte zudem die Türkei als Brückenland zwischen Europa, der arabischen Welt und Zentralasien.

Rasmussen begrüßt Emine Erdogan (Foto: AP)

Rasmussen begrüßt Emine Erdogan, die Ehefrau des türkischen Premiers (li.) vor dem Iftar-Mahl

Erdogan betonte, die Teilnahme von Rasmussen am Iftar sei eine Botschaft an die Türken und die islamische Welt insgesamt. Zugleich rief er den Westen auf, den Islam nicht mit Terrorakten in Verbindung zu bringen. Anhänger einer Religion aufgrund von Aktionen Einzelner pauschal als potenzielle Terroristen abzustempeln, sei "gelinde gesagt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Keine Entschuldigung

Demonstranten verbrennen dänische Flagge (Archivfoto: AP)

Die Karikaturen sorgten in der muslimischen Welt - wie hier in Indonesien - für große Wut

Die Türkei hatte sich wegen der Mohammed-Karikaturen, die 2005 erstmals in einer dänischen Zeitung veröffentlicht worden waren, lange gegen Rasmussen als neuen NATO-Generalsekretär gesträubt. Der damalige dänische Regierungschef hatte sich zwar von den Zeichnungen distanziert, es unter Berufung auf die Meinungsfreiheit in seinem Land aber abgelehnt, sich für die Karikaturen zu entschuldigen.

Erst auf Vermittlung von US-Präsident Barack Obama hatte die Türkei schließlich ihren Widerstand gegen den Wunschkandidaten der Europäer aufgegeben. Die Türkei ist das einzige NATO-Mitgliedsland mit einer vorwiegend muslimischen Bevölkerung.

Appell an Athen und Ankara

Rasmussen und Karamanlis (Foto: AP)

Griechenlands Premier Karamanlis (r.) empfing Rasmussen in Athen

Vor seiner Reise in die Türkei hatte Rasmussen am Donnerstag auch in Griechenland Station gemacht, wo er für die Beilegung der griechisch-türkischen Spannungen warb. Griechenland und die Türkei liegen seit Jahrzehnten wegen der geteilten Mittelmeerinsel Zypern und der Grenzziehung in der Ägäis im Streit.

Die Streitigkeiten zwischen Athen und Ankara erschwerten auch die Zusammenarbeit zwischen NATO und Europäischer Union in Afghanistan, sagte Rasmussen nach einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis. "Wir müssen die Verantwortung für die Sicherheit Afghanistans stufenweise an die Afghanen übertragen." Um dies zu erreichen, sei die Kooperation zwischen der NATO und der EU absolut notwendig, meinte Rasmussen in Athen.

Jahrzehntelanger Konflikt

Karte von Zypern (AP/DW)

Seit 1974 geteilt: Zypern

Seit 1974, als sich der Nordteil Zyperns vom griechischen Süden abspaltete, standen die beiden NATO-Staaten Griechenland und Türkei drei Mal am Rand eines Kriegs. Der Zypern-Konflikt belastet auch die Gespräche über einen EU-Beitritt der Türkei, weil Ankara sich weigert, die Regierung des griechisch-zyprischen Teils der Insel anzuerkennen. Die sogenannte Türkische Republik Nordzypern wird ihrerseits nur von der Türkei anerkannt. (wa/la/afp/ap/dpa)

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