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Politik

Nato baut Truppenpräsenz im Kosovo ab

Zehn Jahre nach ihrem Aufmarsch beginnt die Nato mit dem Rückzug aus dem Kosovo. Als Konsequenz einer verbesserten Sicherheitslage werde die KFOR schrittweise reduziert, beschlossen die Verteidigungsminister.

Bundeswehrsoldat auf einem Kirchengelände (Foto: AP)

Deutscher Soldat auf Wache vor einer zerstörten Kirche in Prizren

Das westliche Bündnis plant einen drastischen Abbau seiner Präsenz im Kosovo. Konkret vereinbarten die Verteidigungminister der Mitgliedstaaten in Brüssel, die Stärke der Kosovo-Truppe KFOR von derzeit knapp 14.000 Mann auf rund 10.000 zum Jahresende zu verringern. Innerhalb von zwei Jahren sollen dann nur noch 2200 Soldaten eingesetzt werden.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sprach von einer "schrittweisen Anpassung" der Kontingente. Man sei in der gesamten Region "auf dem richtigen Weg". Künftig solle es nur noch eine "abschreckende Präsenz" geben, hieß es in Brüssel.

Die USA haben immer wieder durchblicken lassen, dass sie von ihren Verbündeten in der Nato damit gleichzeitig freiwerdene Kapazitäten für Afghanistan erwarten.

Bundeswehrsoldat vor Schützenpanzer überprüft Albaner (Foto: AP)

KFOR-Soldaten der Bundeswehr kontrollieren an einem Checkpoint einen Kosovo-Albaner

Deutsche Soldaten kehren zurück

Auch ein Teil der rund 2200 deutschen Soldaten werde heimkehren, versprach Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung. Die Bundesregierung werde nach dem Nato-Beschluss "selbstverständlich adäquat deutsche Soldaten reduzieren". Genaue Zahlen könne er noch nicht nennen. Zumindest einige Bundeswehrsoldaten können auf eine Rückkehr vom Balkan zu Weihnachten hoffen.

Italiens Verteidigungsminister Ignazio La Russa kündigte unmittelbar nach dem Beschluss an, Rom werde schon innerhalb der kommenden sechs Monate die Hälfte seiner derzeit knapp 2000 Soldaten heimrufen.

Italiens Verteidigungsminister La Russa (Foto: AP)

Italiens Verteidigungsminister La Russa: Hälfte der Truppe kommt sofort zurück

Von anderer Seite, insbesondere von US-Verteidigungsminister Robert Gates, wurde versichert, das Rückzugstempo werde sich an der weiteren Entwicklung der Sicherheitslage orientieren.

Zwischen den Fronten von Serben und Albanern

Die Nato hatte 1999 zunächst 50.000 Soldaten ins zu Serbien gehörende Kosovo geschickt. Im selben Jahr hatte sie Serbien bombardiert, um Übergriffe auf die albanische Bevölkerung zu verhindern. 2008 erklärte die albanische Führung in Pristina das Kosovo gegen den Willen Belgrads und Moskaus für unabhängig. Im von Serben dominierten Norden kam es daraufhin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, so dass die KFOR einschreiten musste.

Die Europäische Union unterstützt mit 2000 Polizisten, Richtern und Zollbeamten die Sicherheitsorgane des jüngsten Balkanstaates.

Durch Briten und Spanier unter Zugzwang

Brüsseler Diplomaten räumten ein, dass auch die Sorge vor weiteren einseitigen Rückzugsdrohungen von Mitgliedsregierungen eine Rolle bei dem Beschluss zum Nato-Teilabzug gespielt habe. Großbritannien und vor allem Spanien hatten im Frühjahr mitgeteilt, sie wollten ihre Soldaten auf jeden Fall zurückholen. Weitere derartige Ankündigungen seien befürchtet worden. (SC/gri/afp/dpa/rtr/ap)

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