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Europas Kulturhauptstädte

Nationaltheater in Pécs einsturzgefährdet

Das Nationaltheater in der europäischen Kulturhauptstadt Pécs ist einsturzgefährdet. Die Stadtverwaltung kennt das Problem schon länger. Stehen nun geplante Veranstaltungen auf der Kippe?

Logo Kulturhauptstadt Pecs 2010

Ein Kulturhauptstadtjahr voller Hindernisse

Ausgerechnet im Kulturhauptstadtjahr gibt es schlechte Nachrichten: Das Nationaltheater im ungarischen Pécs soll schwer einsturzgefährdet sein. Das berichtet die ungarische Lokalzeitung "Uj Dunantuli Naplo." Sie beruft sich auf ein Statik-Gutachten, das die Stadtverwaltung bereits 2009 erhalten haben soll. Pécs teilt sich den Titel der diesjährigen Kulturhauptstadt mit Istanbul und Essen.

Dem von der Zeitung zitierten Gutachten zufolge sei in dem über 100 Jahre alten Theater eine "Massenkatastrophe" möglich. Eine Mauer des Neorenaissance-Gebäudes sei einsturzgefährdet, weil sie wegen fehlerhafter Dachrinnen vom Regenwasser durchnässt werde. Außerdem sei das Gewölbe über dem Orchestergraben instabil. Dieser Teil der Decke sei nicht renoviert worden, als das Gebäude von 1986 bis 1991 einer Generalsanierung unterzogen wurde.

Der Zeitung zufolge erklärte der stellvertretende Bürgermeister Csaba Nagy, dass die Stadtverwaltung das Problem zwar gekannt, aber "auf die lange Bank geschoben" habe. Das offizielle Kulturhauptstadt-Programm sieht eine Aufführung des Theaterstücks "Ghetto" von Josua Sobol in dem Theater im Oktober 2010 vor. Im Laufe des Februar 2010 finden noch tägliche Vorführungen der sieben Inszenierungen des Winterprogramms statt, aber ab März listet die Webseite des Theaters keine weiteren Vorführungen mehr auf.

Kompetenzgerangel und Streit um Programm

Feuerwerk in der Innenstadt von Pecs, anläßlich der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres am 10.01.2010 (Foto: AP)

Nicht nur Feuerwerk, auch Pannen überstrahlen die Kulturhauptstadt

Das Nationaltheater war im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres wegen seines Programmangebots in die Kritik geraten. Am Mittwoch (03.02.2010) wurde Ballettdirektor Balázs Vince entlassen. Das Ballett gehört zum Nationaltheater. Theaterdirektor Tamás Baliko sagte, man habe sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt, weil die Zuschauerzahl der Ballett-Aufführungen im vergangenen Jahr auf die Hälfte gesunken sei.

Die lokale Kulturausschuss-Vorsitzende Maria Revesz kritisierte diese Entscheidung. Sie hob hervor, dass das Pécser Ballett, in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Es sei ein "Botschafter" des Kulturhauptstadtjahrs. Neuer Leiter des Pécser Balletts soll Tibor Kovats, bislang Leiter der staatlichen ungarischen Ballettschule, werden.

Die Vorbereitungen für das Kulturhauptstadtjahr in Pécs waren von zahlreichen Kompetenzstreitigkeiten begleitet. Drei Programmdirektoren wurden dabei verschlissen. Keines der Bauprojekte wurde rechtzeitig fertig.

Der verblichene Stolz des Pécser Bürgertums

Das Haus des Elefanten, ein traditionelles Gasthaus und Veranstaltungsort. Hier fanden Theateraufführungen statt, bevor die Bürgerschaft ein Theater baute (Foto: J.Sorges)

Im "Haus des Elefanten" spielte bis 1895 das Theater.

Das Nationaltheater war ein Prestigeprojekt des aufstrebenden Bürgertums von Pécs. Adolf Lang und Antal Steiner, Vertreter des "historisierenden Baustils" der Gründerzeit, gewannen den Architekturwettbewerb. 1895 nahm das Theater den Betrieb auf.

Schon im späten 18. Jahrhundert ist in der multi-ethnischen Stadt Pécs ein reiches Kultur- und Theaterleben entstanden. Schauspielgruppen traten vor dem Bau des Theaters in Tanzhallen, vornehmen Häusern sowie Restaurants und Cafés auf. Im Nationaltheater fanden Vorführungen auf Ungarisch und Deutsch statt.

Fabian Schmidt (dpa)
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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