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Deutschland

Nationalmuseum erstrahlt in neuem Glanz

Sechs Jahre hat sie gedauert und fünfeinhalb Millionen Euro gekostet - die "Renovierung" des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Jetzt heisst es "Vorhang auf" für 1000 Kunstwerke in 33 neu gestalteten Räumen.

Außenaufnahme Germanisches Nationalmuseum (Foto: GNM)

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg

Im französischen "Allemagne" oder im englischen "Germany" für "Deutschland" stecken sie noch drin, unsere helmtragenden und schwertschwingenden Vorfahren - die Alemannen und Germanen. Hierzulande und heutzutage klingt der Begriff "Germanisch" im Zusammenhang mit "Nationalmuseum" ziemlich merkwürdig, vor über 150 Jahren war das natürlich noch eine ganz andere Sache.

Gegründet worden ist das Germanische Nationalmuseum (GNM) nämlich 1852 von einem fränkischen Adeligen namens Hans von Aufseß, erklärt Dr. Andrea Langer, die Referatsleiterin für Wissenschaftsmanagement und Marketing. "Sein Ziel war damals, den deutschsprachigen Raum - deshalb 'Germanisch' - kultur- und kunstgeschichtlich zu dokumentieren." Ein Konzept, das natürlich lange Zeit ganz und gar nicht frei von politischen Hintergedanken war.

Schätze im Verborgenen

Die älteste erhaltene Darstellung der Erde in Kugelgestalt: Der Behaim-Globus von 1492/94 (Foto: GNM)

Die älteste erhaltene Darstellung der Erde in Kugelgestalt: Der Behaim-Globus von 1492/94

Die Hintergedanken sind heute passé, das Sammlungskonzept "Kultur des deutschen Sprachraums" aber wurde beibehalten: Gut 1,3 Millionen Objekte hat das Museum mittlerweile in seinem Bestand, von der Vor- und Frühgeschichte bis hin zur Jetztzeit.

Zeigen kann es davon aus Platzgründen immer nur einen Bruchteil, bedauert Andrea Langer: Etwa 25.000 Objekte, der Rest liegt im Depot. Aber die "Highlights" der Sammlung haben natürlich ihren Stammplatz. Wäre da nicht der Zahn der Zeit, der heftig an vielen Kunstwerken und an vielen Ausstellungsräumen genagt hatte. Eine gründliche Renovierung war fällig.

Schwierige Farb-Entscheidungen

Dürer-Saal mit den beiden Kaiserbildern von Albrecht Dürer (Foto: GNM)

Blick in den neugestalteten Dürer-Saal mit den beiden Kaiserbildern von Albrecht Dürer

Bei der Suche nach der richtigen Wandfarbe kann man schon in der eigenen Wohnung richtig ins Grübeln kommen. Wenn es um 33 neu zu gestaltende Museumsräume geht, wird die Sache noch ein wenig komplizierter.

Das Konzept der Architekten sei gewesen, dass sich die Farbe möglichst zurücknimmt, berichtet Dr. Dagmar Hirschfelder, zuständig für die Projektkoordination. Und da sei man nach langem Ausprobieren auf die jetzt verwendeten "entsättigten" Blautöne gekommen - Grün hätte sich dagegen zum Beispiel mit vielen Gemälden "gebissen", und auch Holzskulpturen kämen vor Grüntönen nicht recht zur Geltung. "Es ist im Grunde ein Kompromiss, dieses Blau ist ein Ton, der sich mit sehr vielen Objekten sehr gut verträgt."

Spitzen-Forschung hinter den Kulissen

Finanziert wird das Germanische Nationalmuseum überwiegend aus Bundes- und Landesmitteln. Und während der Anteil des Freistaats Bayern dazu diene, das Museum für Besucher und Besucherinnen attraktiv zu gestalten, werde der etwa 65%-Anteil des Bundes am Gesamtbudget für wissenschaftliche Projekte verwendet. Das GNM, betont Andrea Langer, sei in erster Linie ein Forschungsmuseum. Es beschäftige etwa 40 festangestellte Wissenschaftler, hinzu kämen noch etliche freie Mitarbeiter. "Das geht durch alle Disziplinen. Wir haben Volkskundler, Waffenkundler, Historiker, Kunsthistoriker und Textilkundler."

Rückgaben und Zukäufe

Büste 'Satirikus' von Franz Xaver Messerschmidt, nach 1770 (Foto: GNM)

"Satirikus" von Franz Xaver Messerschmidt, aus der Reihe der "Charakterköpfe" (nach 1770)

Die Spezialisten beschäftigen sich etwa unter anderem mit den Objekten in der Sammlung - für die Wiedereröffnung des renovierten Gebäudetraktes wurden die 1000 dort ausgestellten Exponate wissenschaftlich untersucht und aufwendig restauriert. Und es gibt internationale Kooperationen; mit den Universitäten Harvard und Yale zusammen wird für 2012 die Ausstellung "Der frühe Dürer" vorbereitet. Bei einem anderen Projekt, der "Provenienzforschung", geht es um die heikle Frage, woher Bestände stammen, die in Zeiten des Nationalsozialismus ins Haus gekommen sind.

Das hält Andrea Langer für absolut notwendig, auch wenn die Konsequenz einer "erfolgreichen Recherche" dann die Rückgabe eines Objektes an die rechtmäßigen Besitzer bzw. deren Erben sei.

In einem geht es dem Germanischen Nationalmuseum natürlich wie allen öffentlich finanzierten Einrichtungen: Große Sprünge sind nicht drin in Zeiten knapper Kassen. "Was auf dem Kunstmarkt angeboten wird, ist oft sehr teuer. Da ist dann die Frage, ob man einen Sponsor findet, der die Anschaffung unterstützt."

Autor: Michael Gessat
Redaktion: Frank Wörner

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