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Politik

Nationalgarde wirbt für Einsätze im Irak

Die Kritik in den USA an der Irakpolitik wächst. Die Republikaner fürchten bei den anstehenden Kongresswahlen um ihre Stimmen. Doch der Zulauf bei der Nationalgarde für Einsätze im Irak scheint ungebrochen.

Soldaten der Nationalgarde bei einem Einsatz in New Orleans

Soldaten der Nationalgarde bei einem Einsatz in New Orleans

Nationalgardisten sind Milizsoldaten, die ihren Dienst freiwillig leisten. Eigentlich sind sie für den Einsatz im Innern vorgesehen. Doch seit die USA in den Krieg gegen den Terror gezogen sind, befindet sich ein Großteil der Nationalgarde im Irak. Fünf junge Männer in Batik-T-Shirts machen Liegestütze bei einer Werbeveranstaltung der Nationalgarde auf einem Volksfest in Minnesota. Ein Mann in grüner Uniform beugt sich über sie. Er ist der befehlende Unteroffizier der Nationalgarde. Noch gehören die fünf jungen Männer nicht dazu, noch wollen sie nur beim Liegestützenwettbewerb ein neues T-Shirt gewinnen.

Es ist ein Versuch, Leute für die Nationalgarde zu gewinnen. Werbeoffizier Gary Rocco ist optimistisch. Bei seinen Werbegesprächen spricht er den Irakkrieg offen an. "Ich sage ihnen, dass sie eventuell dorthin geschickt werden könnten. Klar, wir haben dort auch Leute stationiert. Die Menschen sind informiert, sie schauen Nachrichten und wissen, was in der Welt gerade los ist. Aber das scheint die Zahl unserer Neuanwerbungen nicht zu beeinflussen."

Bush verliert Unterstützung in den eigenen Reihen

Dabei wächst im ganzen Land die Kritik am Irakkrieg. Umfragen zufolge sind etwa 60 Prozent der Bürger unzufrieden mit der Bush-Regierung, gerade wegen des Krieges. Die meisten Demokraten fordern einen sofortigen Abzug der Truppen. Die Senatskandidatin Amy Klobuchar aus Minnesota ist zwar etwas vorsichtiger, doch auch sie will einen neuen Weg gehen: "Ich war von Anfang an nicht damit einverstanden. Aber jetzt sind wir da und müssen einen Weg finden, unsere Truppen verantwortungsvoll nach Hause zu bringen." Präsident Bush aber hält an seinem Kurs im Irak fest, und seine Generäle möchten sogar noch mehr Truppen in den Krieg schicken.

Zur gleichen Zeit kämpfen republikanische Kandidaten dagegen, dass ihnen ihre eigene Wählerschaft wegen des Irakkrieges die Stimme verweigert. Wie schon vor zwei Jahren versuchen viele, das Thema mit der Frage nach der inneren Sicherheit zu verbinden, sagt der Politikwissenschaftler Larry Jacobs. "Die Demokraten und - um ehrlich zu sein - auch eine immer größer werdende Anzahl von Amerikanern betrachten 'Irak' und 'innere Sicherheit' als zwei getrennte Themen. Und beim Thema 'Irak' stellen wir fest, dass die Unterstützung für die Politik des Präsidenten bei den Republikanern langsam wegbröckelt."

Wahloffensive in Minnesota

Mark Kennedy vor der amerikanischen Flagge bei einer Wahlkampagne in Minnesota am 25. Oktober 2006

Mark Kennedy bei einer Wahlkampagne in Minnesota am 25. Oktober 2006

Viele Republikaner würden das Thema gerne unter den Tisch kehren. Andere wie der republikanische Abgeordnete Mark Kennedy aus Minnesota, der den Einsatz im Irak mit beschlossen hat, gehen das Thema Irak im Wahlkampf offensiv an. Kennedy, der bei den Umfragen im Kampf um den Senatsposten hinter der Demokratin Amy Klobuchar liegt, warnt in seinem neuen Fernsehspot vor einem Rückzug der Truppen. Zwar spricht er von Fehlern im Irak, aber: "wir stehen einem Feind gegenüber, den wir besiegen müssen. Wenn wir den Irak jetzt verlassen, wird er zu einer Brutstätte für neue Angriffe auf die USA. Das ist die harte Realität. Ich sage Ihnen das, obwohl ich weiß, dass sie das vielleicht lieber nicht hören wollen."

Minnesota war der erste Bundesstaat, der Soldaten aus der Nationalgarde in den Irak geschickt hat. Der Liegestützen-Wettbewerb bei der Werbeveranstaltung der Nationalgarde ist inzwischen vorbei. Der Gewinner liegt erschöpft am Boden. Zusätzlich zum T-Shirt bekommt er auch Broschüren über die Nationalgarde geschenkt. Von einem möglichen Einsatz im Irak wisse er allerdings nichts. Er gehe davon aus, dass er an die mexikanische Grenze geschickt werde, sagt er. Die Zahlen scheint er nicht zu kennen: Gerade einmal 29 Nationalgardisten sind an der mexikanischen Grenze stationiert, mehr als 3000 dagegen im Irak.

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