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Nass

Sommer, Sonne, Schweiß – an heißen Tagen sehnen sich viele Menschen nach erfrischendem Wasser. Doch wenn es dann in Strömen regnet, vergisst man schnell, wie wertvoll das kühle Nass eigentlich ist.‎

Es sind die Tage, an denen die Hitze flimmernd über dem Land liegt. Die Erde ist ausgetrocknet, alle Farben scheinen verblasst, unbarmherzig brennt die Sonne vom Himmel. Keine einzige Wolke ist zu sehen. Aus allen Poren rinnt der Schweiß. Hochsommer. Hundstage.

Kostbares Nass

In dieser Zeit haben die Getränkehändler Hochkonjunktur; wer kann, geht ins Schwimmbad oder fährt zum nächsten Baggersee. Hauptsache Abkühlung – von innen wie von außen. Wasser. Kaltes, frisches Wasser. Und abends ein Gewitter und Regen. Danach auf dem Balkon sitzen, das Glas ist beschlagen, die Temperatur genau richtig. Genießen, wie das kühle Nass durch die Kehle rinnt.

Stichwort "Nass". Angesichts der zunehmenden Wasserknappheit – nicht nur in den so genannten armen Ländern – wird immer häufiger von "kostbarem Nass" gesprochen als Synonym für Wasser. "Nass", eigentlich ein Adjektiv, erscheint in diesem Beispiel als Substantiv.

Der Ursprung der Nässe

"Das kostbare Nass". Die "Nässe", ebenfalls Substantiv, ist jedoch etwas anderes als "das Nass". Aber alle drei –"nass", das "Nass" und die "Nässe" – stammen von dem uralten Verbum "natjan" ab, von dem man sich allein vom Klang her gut vorstellen kann, dass aus ihm "nass" entstanden ist.

Aber "natjan" hieß "netzen" beziehungsweise be-netzen; in der Bedeutung "mit Wasser begießen". Bis heute hat sich in einigen Landschaften, zum Beispiel in der Südwestpfalz, der Ausdruck "netzen" statt gießen gehalten. Ob gießen oder netzen: Beides bedeutet "nass machen".

Nass und kalt

Und jetzt nehmen wir eine strenge Definition zu Hilfe, damit uns "nass" nicht zu sehr verwässert. "Nass", heißt es im Wörterbuch, "von Feuchtigkeit, besonders Wasser, durchtränkt oder von außen, an der Oberfläche damit benetzt, bedeckt". Wir wissen, was nasse Füße, nasse Schuhe und nasse Haare sind; und dass wir einen Sommer, während dem es zu viel geregnet hat, einen "nassen Sommer" nennen. Müßig zu erwähnen, dass solche Sommer nicht besonders warm sind.

Übrigens wurde schon im 14. Jahrhundert bedeutungsgemäß "nass" in die Nähe von "kalt" gerückt und am Beginn des 19. Jahrhunderts finden sich erste Belege für das Wort "nasskalt". Aber darüber lassen wir uns nicht länger aus, das hat Zeit bis zu eben dieser nasskalten Jahreszeit mit den Nebelnässen, dem Nieselregen. Unangenehm.

Redewendungen und Eigenschaften

Übrigens findet sich dieser negative Aspekt von "Nass" und "Nässe" in etlichen Redewendungen, wobei "nass" in übertragener Bedeutung erscheint. "Jemanden nass machen" heißt, ihn oder sie "fertig machen", "erledigen". Das ist oft nicht ganz so schlimm gemeint wie es klingt. "Mach ihn nass!" ist der Zuruf und die Aufforderung beim Fußball, den Gegenspieler auszutricksen, ihn stehen zu lassen.

"Wasch mich, aber mach mich nicht nass": Diese Redensart gilt für Leute, die gerne die Vorteile einer Sache in Anspruch nehmen, selbst aber nicht bereit sind, etwas dafür zu tun. Diese Bedeutung von "nass", die so etwas wie Schnorrermentalität umschreibt, ist alt. Schon im 16. Jahrhundert findet sich "nass" als Eigenschaftswort für "liederlich", "verschlagen", "ohne Geld". Bis heute sagt man zum Beispiel in der Gegend von Plauen, "der fährt nass" und meint damit einen "Schwarzfahrer".

Schmarotzende Nassauer

Für "schnorren und schmarotzen", für das "Nehmen ohne je etwas zu geben" gibt es im Deutschen das seltsame Wort "nassauern". Zur Erklärung dieses Begriffs wird gern die Geschichte von den Freitischen für nassauische Studenten in Göttingen bemüht.

Als Anreiz zur Aufnahme des Studiums gewährte der Herzog damals seinen Studenten Stipendien in Form eines "Freitisches", das heißt, die konnten bei einem Wirt, mit dem die herzogliche Regierung einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hatte, umsonst essen. Blieb ein Nassauer Student dem Freitisch fern, fand sich schnell ein fremder, unbefugter, der sich als Nassauer ausgab und das Mahl einnahm.

Wer "nassauerte", schlug sich also als ungebetener Gast auf Kosten und anstelle anderer – der Nassauer – den Bauch voll. So. Jetzt ab ins Freibad. Ins kühle Nass. Aber bitte nicht mit vollem Bauch.

Fragen zum Text

Für das Substantiv das Nass kann man auch sagen: …

1. die Nuss.

2. die Nase.

3. die Nässe.

Die Redensart jemanden nass machen bedeutet, …

1. jemanden fertig machen.

2. jemanden baden.

3. jemandem ein Glas Wasser zum Trinken geben.

Wenn jemand nassauert, dann …

1. teilt er etwas mit anderen.

2. nimmt er etwas, ohne selbst etwas zu geben.

3. lehnt er etwas ab.

Arbeitsauftrag

Einige Menschen verbringen ihren Urlaub am liebsten in heißen und sonnigen Ländern, andere fahren lieber in kühle Länder. Was bevorzugen Sie? Schreiben Sie einen kurzen Text über Ihr liebstes Reiseziel.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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