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Wirtschaft

Nasdaq bei 5000: Boom oder Blase?

Der US-Technologie-Index Nasdaq hat Anfang März zum zweiten Mal in seiner Geschichte die 5000er-Marke geknackt. Beim ersten Mal vor 15 Jahren platzte zwei Handelstage später die Dotcom-Blase. Ist das ein Grund zur Panik?

Wer vor 15 Jahren in ein New Yorker Taxi einstieg, kam selten um die Aktien-Empfehlungen des Fahrers herum. Wayne Kaufmann, Chef-Investor bei Phoenix Financial Services, erinnert sich, wie er im Jahr 2000 auf Parties ging und die Gäste auf ihn als eigentlichen Marktexperten zukamen, um ihm Aktien-Tipps zu geben. "Das war skurril", sagt Kaufmann, heute. "Totaler Wahnsinn! Jeder war investiert."

Nasdaq Display

Im August 2011 stand der Index bei 2511 Punkten.

Unternehmen wie Worldcom, Pets.com und AOL versprachen kleinen Anlegern großartige Gewinne mit dem neu aufgekommenen Internet. Und so investierte jeder in Technik-Aktien - vom Taxifahrer bis zum Investmentbanker. Am 9. März 2000 überstieg der Nasdaq zum ersten Mal in seiner Geschichte die Marke von 5000 Punkten. Zwei Tage später platzte die Blase. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland verloren Tausende Anleger ihr Vermögen.

Anfang März, fast auf den Tag genau 15 Jahre danach, hat der Nasdaq zum zweiten Mal die 5000er-Marke überschritten. Die Sorge, die Geschichte könnte sich widerholen, dämpft den Jubel an den Börsen in New York.

"Heute sind die Firmen immerhin profitabel"

USA New York NASDAQ Rekordhoch

Am 2. März 2015 ging es mal wieder über 5000 Zähler

Amerikanische Finanzanalysten jedoch beschwören, dass sich der Markt gewandelt hat. Als die Dotcom-Blase platzte, verkaufte Apple noch keine iPhones, die größte Suchmaschine hieß AOL und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ging noch zur Schule. "Weit weniger als die Hälfte der 100 heute größten Firmen waren damals schon im Nasdaq", sagt Kaufmann.

Heute ist Apple mit einer Marktkapitalisierung von rund 750 Milliarden US-Dollar der Löwenwert im Nasdaq - und maßgeblich verantwortlich für den Sprung über die 5000er-Marke. Seit die Firma das iPhone 6 im September vorgestellt hat, ist ihre Marktkapitalisierung um 166 Milliarden US-Dollar gestiegen. Von den hohen Erwartungen an Apple profitieren auch die Zulieferfirmen, deren Anteile in den vergangenen 12 Monaten um bis zu 140 Prozent gewachsen sind. Mitte März rückt Apple dann in den Dow-Jones-Index auf und verdrängt dort den Telekom-Konzern AT&T.

Was macht den Unterschied?

15 Jahre hat es gedauert, bis sich der Index wieder bis zur 5000er-Marke vorgekämpft hat. Aus mehr als 4700 Unternehmen sind etwa 2600 geworden. Der Anteil der Technologiebranche ist gesunken, stattdessen haben sich Dienstleister und Pharmafirmen im Index breit gemacht.

Der entscheidende Unterschied liegt laut Daniel Ernst, Analyst bei Hudson Square Research in New York, in den Bilanzen der Unternehmen. Er macht das an dem rund 30 Milliarden US-Dollar schweren Kurznachrichtendienst Twitter fest: "Twitter ist wahrscheinlich überbewertet, aber es ist immerhin profitabel." Das gelte nicht nur für Top-Firmen, sondern für fast den gesamten Index. Tatsächlich verzeichneten im Jahr 2000 nur 68 der 100 größten Nasdaq-Titel Gewinne, heute sind es 90.

USA Wirtschaft Börse Nasdaq will Facebook Anleger entschädigen

Beim Facebook-Börsengang waren die Nasdaq-Rechner überlastet - ein Desaster.

Es spricht noch mehr gegen eine Wiederholung des Wahnsinns der Jahrtausendwende: In den fünf Jahren vor dem Platzen der Dotcom-Blase haben Anleger mehr als eine Billion US-Dollar in Investmentfonds gesteckt. Seitdem sind lediglich 394 Milliarden Dollar in den Index geflossen. "Ich sehe nicht diesen Irrsinn, den ich bei der Dotcom-Blase beobachtet habe", sagte auch Richard Sylla, Finanzhistoriker an New York University's School of Business, dem Wall Street Journal. "Investoren sind wesentlich umsichtiger und fragen sich: Zahlt sich das wirklich aus?"

Die Skepsis bleibt

Nicht nur Investoren fragen sich zunehmend, ob Uber, eine Taxi-App für das Smartphone, wirklich 17 Milliarden US-Dollar wert ist. Ist die Video-App Snapchat gar 20 Milliarden Dollar wert? Damit wäre sie teurer als die Commerzbank und etwa zehnmal so hoch bewertet wie die New York Times.

Die Zahl der Start Ups, die mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet wurden, ist von 2013 auf 2014 von 40 auf 73 angestiegen, wie das Wall Street Journal berichtet. Risikokapitalgeber haben ihre Investments in Technologie-Start-Ups im vergangenen Jahr auf rund 52 Milliarden US-Dollar gesteigert - so viel wie zuletzt im Jahr 2000.

Die meisten dieser hoch bewerteten Investments seien jedoch nicht an der Börse gelistet. "Hier wird das Geld institutioneller Anleger investiert und nicht die Rente einer alten Dame", beruhigt Wayne Kaufmann. "Das sind erfahrene Anleger, die wissen was sie tun und damit rechnen, dass sich nicht jedes Investment auszahlt."

David Kotok, Chef-Investor bei Cumberland Advisors, erwartet dennoch Bewegung im Nasdaq. "Wir hatten sechs Jahre lang einen Bullen-Markt", schreibt Kotok in einer Analyse. "Korrekturen sind unausweichlich - auch im Nasdaq."