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Kultur

Nasa verschiebt "Discovery"-Flug

Mit Sorge und großer Spannung haben Weltraum-Fans auf den Start der Raumfähre "Discovery" gewartet - der erste seit der Katastrophe im Februar 2003. Sie warteten vergeblich, die NASA brach den Start vor dem Countdown ab.

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Die Astronauten saßen schon in der Fähre und mussten sie wieder verlassen

"Wir können heute nicht fliegen", sagte ein Nasa-Sprecher am Mittwoch (13.7.2005) auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Nicht das Wetter, wie zuvor befürchtet, sondern ein Alarm in der Treibstoffanzeige hielt die Discovery am Boden. Ein Sensor zeigte eine zu niedrige Wasserstoffmenge in dem Außentank an. Deshalb wurden die Startvorbereitungen zweieinhalb Stunden vor dem für 21.51 Uhr (MESZ) geplanten Start abgebrochen.

Der erste Shuttle-Start nach dem Absturz der Weltraumfähre "Columbia" vor zweieinhalb Jahren stand ohnehin unter keinem guten Stern. Am Abend vorher war eine Fensterverkleidung vom Cockpit des senkrecht auf der Startrampe montierten Shuttle 20 Meter in die Tiefe gefallen und hatte die Außenhaut am Heck beschädigt. Am frühen Mittwoch fiel zunächst ein Lüfter aus, mit dem der Außentank vor dem Betanken gereinigt wird. Schließlich meldete sich NASA-Chefmeteorologin Kathy Winter mit der Prognose, die Startchancen seien wegen eines nahenden Unwetters auf 40 Prozent gesunken.

Ungewissheit

Ein Moderator des NASA-eigenen Fernsehkanals schloss einen neuen Startversuch am Donnerstag nicht aus. Geprüft werden muss aber, ob der Anzeiger fehlerhaft reagierte oder ein Leck im Tank war. Im schlimmsten Fall kann das Problem nicht auf der Startrampe gelöst werden. Dann müsste die Fähre völlig abgebaut und in den Hangar zurückgebracht werden, was den Flug um Wochen verschieben könnte. Damit stünde auch der für September geplante Start des deutschen Astronauten Thomas Reiter zur Internationalen Raumstation ISS wieder in den Sternen.

Columbia verbrennt

Die Fähre Columbia verbrannte beim Eintritt in die Erdatmosphäre (1.2.2003)

Die Weltraumbehörde hatte nach dem "Columbia"-Unglück umgerechnet rund 910 Millionen Euro in die Verbesserung der Fähre und einen völlig neu konzipierten Außentank gesteckt. Von dem Tank der "Columbia" war vor zweieinhalb Jahren beim Start ein Stück Schaumstoff abgesprengt und hatte den Tragflügel beschädigt. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre traten durch den Riss heiße Gase ein, verglühten Kabel und Leitungen und ließen das Shuttle über Texas auseinander brechen. Die sieben Astronauten an Bord kamen dabei ums Leben.

Explosiv

Die "Discovery", das Shuttle mit den meisten Flügen, war erst am Mittwochmorgen mit rund zwei Millionen Litern flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff aufgetankt worden. Allerdings erwärmt sich beides und evaporiert als Gas, weshalb mehrfaches Nachfüllen ohnehin nötig ist, sagte der Sprecher von Lockheed Martin, Marion LaNasa. Die Firma hatte den neuen Treibstofftank gebaut. Mit ihrem Außentank wiegt die "Discovery" beim Start gut 2000 Tonnen, Dreiviertel davon ist Treibstoff, der in den ersten achteinhalb Minuten verbraucht wird.

Die sieben Astronauten waren bereits in den Raumtransporter eingestiegen und in ihren Sitzen festgeschnallt, als die Entscheidung zum Abbruch des Starts fiel. Sie kehrten in das Kontrollzentrum am Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) zurück.

Die "Discovery" soll unter anderem den lang erwarteten Nachschub sowie Ersatzteile zur ISS bringen. Auch die europäische Raumfahrtbehörde ESA setzt große Hoffnungen in die Mission. Bei EADS Space in Bremen lagert das längst fertig gebaute Forschungsmodul "Columbus" und wartet auf den Transport zur ISS. Nach den bisherigen Plänen soll es Ende 2006 ins All gebracht werden.

Arbeitspferd

Die Raumfähre "Discovery" ist das dritte Shuttle, das die NASA in den Dienst gestellt. Ihr Jungfernflug, geplant für den 26. Juni 1984, wurde vier Sekunden vor dem Start wegen eines fehlerhaften Ventils abgebrochen. Er fand schließlich ohne Zwischenfälle am 30. August 1984 statt.

Die "Discovery" ist das Arbeitspferd der NASA. Sie hat mit 30 Flügen mehr absolviert als jeder andere der ursprünglich fünf Raumtransporter. Zwei davon verunglückten: 1986 die "Challenger", 2003 die "Columbia". Beide Male wurde die "Discovery" für den ersten Neuflug nach dem Desaster ausgewählt. Sie brachte unter anderem 1990 das Weltraumteleskop Hubble ins Weltall.

Die Raumfähre ist nach einem der Schiffe des britischen Entdeckers James Cook benannt, der damit um 1770 die Inseln von Hawaii entdeckte. (mas)

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