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Aktuell Welt

Narren nehmen Putin auf die Schippe

In den rheinischen Karnevalshochburgen haben die Rosenmontagszüge auch wieder das politische Geschehen aufs Korn genommen. Besonders frech waren - wie meist - die Motivwagen der Düsseldorfer Narren.

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Narrensause an Rhein und Ruhr

In der deutschen Karnevalsszene stehen die Motto-Wagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs im Ruf, sich besonders spöttisch mit aktuellen politischen Themen auseinanderzusetzen. Kein Wunder, dass sich die Narren aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt am Montag die Edathy-Affäre nicht entgehen ließen. Im Zug fuhr ein Motto-Wagen mit einem roten Krokodil mit, das die Aufschrift trug "GroKo mit Verdauungsproblem" - eine Anspielung auf Reibungsverluste in der großen Koalition in Berlin. Im Maul des Reptils steckte der Kopf des SPD-Politikers Sebastian Edathy, gegen den Ermittlungen wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornographie laufen.

Auch Kanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Putin, Papst Franziskus und US-Präsident Obama wurden in diesem Jahr auf die Schippe genommen. So wurde die Kanzlerin in einem schwarz-rot-goldenen Bikini als fette deutsche Wirtschaft dargestellt - mit einem mageren französischen Präsidenten François Hollande an der Seite. Die brisante Lage auf der Krim spiegelte sich in einem Wagen, der Putin als Muskelprotz zeigt - mit Bombe im dicken Oberarm.

Der größte deutsche Karnevalszug rollte allerdings nicht in Düsseldorf, sondern in Köln. Am Vormittag setzten sich 150 Wagen in Bewegung. Fast 13.000 Jecken liefen mit, dazu kommen 100 Kapellen und mehr als 500 Pferde. Die Leitung des 7,5 Kilometer langen Zuges lag in Händen des Bestattungsunternehmers Christoph Kuckelkorn. Das Motto lautete diesmal "Zokunf - mer spingkse wat kütt" (Zukunft - wir schauen, was kommt). Auf den Persiflage-Wagen griffen die Kölner diesmal unter anderem den NSA-Überwachungsskandal auf. Zu den traditionellen Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf, Mainz und anderswo kamen mehrere hunderttausend Menschen.

Brasilien im Samba-Rausch

Der Karneval erreichte am Montag allerdings nicht nur am Rhein, sondern auch in Brasilien seinen Höhepunkt, dort allerdings mit den Paraden der Sambaschulen. In Rio de Janeiro zogen die ersten sechs der berühmtesten Schulen mit prächtig geschmückten Festwagen und tanzenden Schönheiten durch die Straßen. Etwa 80.000 Zuschauer feuerten im legendären Sambódromo des Stararchitekten Oscar Niemeyer bei sommerlichen Temperaturen von 30 Grad ihre Favoriten mit fast demselben Elan an, mit dem die Tänzer die Samba-Rhythmen in heiße Bewegungen umsetzten.

Ein Tänzer der Sambaschule von Imperio da Tijuca in vollem Einsatz (Foto: Reuters)

Ein Tänzer der Sambaschule von Imperio da Tijuca in vollem Einsatz

Den Auftakt für das traditionelle Defilee der besten Sambaschulen machte der Club Império da Tijuca, der in seinem Auftritt mit Farbenpracht und heißen Samba-Rhythmen die Einflüsse afrikanischer Kultur und Religion auf Brasilien thematisierte. Dazu bot Império da Tijuca sieben riesige Motivwagen und 3500 fantasievoll kostümierte Narren auf, die in über 30 unterschiedlichen Abteilungen aufgeteilt zu einem eigens komponierten Samba-Lied tanzten. Einige defilierten als Feuerflammen verkleidet, andere als afrikanische Krieger über den rund 750 Meter langen Karnevalsboulevard.

Karnevalisten ehren Fußballer

Andere Schulen thematisierten unter anderem den Alltag in den Favelas und Brasiliens Feiern. Die Schule Imperatríz Leopoldinense in Rio erwies der brasilianischen Fußball-Legende Zico die Ehre. Jede der zwölf Samba-Schulen steht bis zu 82 Minuten im Rampenlicht, deshalb dauern die Defilées zwei Tage. Ihre Entscheidungen will die 40-köpfige Jury am Mittwoch bekanntgeben.

Beim Karneval in São Paulo setzte eine Sambaschule dem zweifachen Fußballweltmeister Ronaldo "Fenômeno" ein Denkmal der besonderen Art. Unter dem Motto "R9 - Der echte Flug von Fenômeno" ließ die Sambaschule Gaviões da Fiel im Sambódromo der Millionenstadt die vielen Stationen des Ex-Stürmers Ronaldo Luís Nazário de Lima aufleben. Der mehrfache Weltfußballer selbst fuhr auf dem letzten der riesigen Motivwagen mit. "Das war einfach nur bewegend", sagte der sichtlich gerührte 37-Jährige nach dem Umzug. Die Sambaschule bot für ihr Defilee fünf Motivwagen sowie rund 4000 Tänzer, Tänzerinnen und Trommler auf.

kle/uh (dpa, afp)

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