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Aktuell Deutschland

Narren feiern unter Polizeischutz

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in Deutschland der Straßenkarneval begonnen. Trotz der Silvester-Übergriffe und einer abstrakten Terrorgefahr wollten sich viele das Feiern nicht vermiesen lassen.

Das närrische Treiben nahm wie gewohnt seinen Lauf: In Düsseldorf stürmten die Möhnen das Rathaus und kürzten Krawatten. In Köln zählte das Dreigestirn die letzten Sekunden bis 11.11 Uhr ab und eröffnete dann offiziell den Straßenkarneval. In Mainz versammelten sich die Narren rund um den Fastnachtsbrunnen. In Baden-Württemberg starteten die Narren in die heiße Phase der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

Allerdings waren zum Auftakt an Weiberfastnacht vielerorts deutlich weniger Narren auf den Straßen. Hauptgrund war nach Ansicht des Festkommitees des Kölner Karnevals vor allem der strömende Regen - und nicht die Furcht vor islamistischen Anschlägen oder sexuellen Übergriffen wie in der Silvesternacht in Köln. Vor allem in der Domstadt, aber auch in anderen Städten hatten die Behörden starke Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Polizei, Ordnungsämter und private Sicherheitsdienste waren vermehrt im Einsatz und zeigten Präsenz.

Weitgehend friedlicher Karnevals-Auftakt

So waren in Köln bis zu 2500 Polizisten im Einsatz, fast dreimal so viele wie im vergangenen Jahr - darunter auch Beamte aus Berlin und Niedersachsen. Hinzu kamen alle zur Verfügung stehenden Kräfte des Ordnungs- und Verkehrsdienstes, außerdem waren rund 240 Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes auf den Straßen unterwegs. Die Polizei setzt zudem auf umfangreiche Videoüberwachung.

Köln: Das Dreigestirn eröffnet an Weiberfastnacht den Straßenkarneval (Foto: picture-alliance/dpa/H.Galuschka)

In Köln eröffnet an Weiberfastnacht traditionell das Dreigestirn den Straßenkarneval

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht hatte die Stadt die tollen Tage zu einer Bewährungsprobe erklärt. Die Kölner Polizei zog eine positive Zwischenbilanz. Im Vergleich zu den vorigen Jahren habe es deutlich weniger Anzeigen gegeben. Sechs sexuelle Übergriffe wurden gemeldet, zudem gab es einige Anzeigen wegen Taschendiebstahls, Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung. Es gab 21 vorübergehende Festnahmen wegen verschiedener Delikte. "Aus unserer Sicht ist alles sehr friedlich verlaufen", urteilte Stadtdirektor Guido Kahlen. Weiberfastnacht ist in Köln seit jeher der Karnevalstag mit den meisten Straftaten.

Kölner Bahnhofsvorplatz besonders gesichert

Auch am Abend, als viele Feiernde wieder abreisten, blieb es in Köln nach Angaben der Polizei weitgehend ruhig. Der Platz vor dem Hauptbahnhof, wo es in der Silvesternacht die meisten Übergriffe auf Frauen gegeben hatte, war mit Scheinwerfern hell erleuchtet. Anders als zum Jahreswechsel herrschte dort kein Gedränge. Die Polizei hatte rund um den Bahnhof besonders viele Beamte eingesetzt.

Auch in Mainz verlief die Weiberfastnacht nach Angaben der Polizei friedlich. Auf dem Schillerplatz hätten 2.000 Besucher fröhlich gefeiert und es habe keine Vorkommnisse gegeben. In Leverkusen musste die Polizei dagegen bei einer Schlägerei mit etwa 40 Beteiligten eingreifen, drei Männer wurden in Gewahrsam genommen. Die Jecken in Düsseldorf wurden ebenfalls mit mehr Beamten als gewöhnlich gesichert. Auch hier ging es im Vergleich zu früheren Jahren zunächst eher ruhig zu. Erst mit zunehmendem Alkoholkonsum sei die Zahl der Aggressionsdelikte gestiegen, sagte ein Polizeisprecher. Größere Zwischenfälle habe es aber nicht gegeben.

Als Clowns verkleidete Narren in Düsseldorf (Foto: picture-alliance/dpa/F. Gambarini)

Bis Aschermittwoch übernehmen in den rheinischen Karnevalshochburgen die Narren und Jecken das Kommando

In Düsseldorf und Köln werden dunkle Orte, aber auch die Bahnhöfe und Altstädte bis zum Ende des karnevalistischen Treibens am Aschermittwoch besonders ausgeleuchtet. Zudem wurden in beiden Städten an verschiedenen Stellen sogenannte Security-Points installiert, an denen Frauen schnell Anzeige erstatten können, die Opfer von Gewalt werden. Die Bundespolizei ist verstärkt in den Zügen sowie an den größeren Bahnhöfen präsent. Die Verkehrsbetriebe in zahlreichen Städten haben ebenfalls ihr Sicherheitspersonal verstärkt.

Großteil der Deutschen feiert wie immer

Gut die Hälfte der Deutschen hat nach einer Umfrage des Bielefelder Emnid-Instituts keine Terrorangst und feiert den Karneval wie immer. Jeder Vierte hat zwar Angst, will aber trotzdem zum Karneval gehen und sich "etwas vorsichtiger verhalten". Dass Übergriffe wie in der Silvesternacht in Köln im Karneval erneut passieren, befürchten der Umfrage zufolge 27 Prozent der Deutschen, 46 Prozent glauben dagegen, die Übergriffe werden sich nicht wiederholen, weil die Polizei dazugelernt habe und nun besser vorbereitet sei.

Höhepunkte des Straßenkarnevals sind die traditionellen Rosenmontagszüge, bei denen auf bunten Mottowagen in humoristischer Weise auch zu politischen Themen Stellung genommen wird.

ww/haz (epd, dpa)

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