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Kultur

Napster - Misere ohne Ende

Es waren einmal 60 Millionen User, die Napster zum Symbol der Internet-Revolution und zum Albtraum der etablierten Musikindustrie machten. Inzwischen ist die Tauschbörse knapp ein Jahr offline und praktisch bankrott.

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Wie sieht die Zukunft der legendären Musik-Börse aus?

Nur mehrere Millionen Dollar des deutschen Medienkonzerns
Bertelsmann haben das kalifornische Unternehmen jetzt vor dem sicheren Aus gerettet. Dafür gehört Napster nun ganz den Güterslohern, und sein Geschäftsführer ist wieder der alte Bertelsmann-Manager Konrad Hilbers.

Experten rechnen damit, dass Napster zunächst nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts einen Antrag auf Gläubigerschutz stellen wird, um sich zu reorganisieren. Einige Beobachter sehen die Schuld für die Misere nicht nur in den teuren Gerichtsprozessen, mit denen die Musikindustrie Napster seit 1999 zu stoppen versucht, sondern auch in Streitereien innerhalb des Managements.

Die neuen Chefs sind die alten

Napster, aktuelle Homepage

Napster

Schon einmal hatte das Napster-Management ein Kaufangebot Bertelsmanns in Höhe von 15 Millionen Dollar ausgeschlagen. Der Gütersloher Konzern hat insgesamt bereits 85 Millionen Dollar in das kleine Internet-Unternehmen gesteckt, das seit einem Gerichtsurteil vom Juli 2001 alle seine Dienste einstellen musste.

Mit dem neuen Deal zwischen Bertelsmann und Napster, der die Gütersloher nun weitere acht Millionen Dollar wert war, wurden die Rücktritte sowohl Hilbers' als auch von Napster-Gründer Shawn Fanning als Technik-Chef rückgängig gemacht.

Die Zukunft ist ungewiss

Wie es mit Napster weitergeht, ist völlig offen. Jordan Ritter,
der einst Cheftechniker der Tauschbörse war, das Unternehmen aber mit dem Einstieg Bertelsmanns verließ, ist pessimistisch. Ritters Meinung nach ist das Napster Management auch jetzt nicht in der Lage, die Firma profitabel zu machen. Seine Enttäuschung über Napster sei gewachsen, als der Onkel des Firmengründers Fanning, John Fanning, in das Management eingestiegen sei.

John Fanning hatte erst kürzlich versucht, zwei Mitglieder des
Napster-Verwaltungsrates zu zwingen, das Unternehmen zu verlassen. Ein entsprechender Antrag scheiterte jedoch vor Gericht - am gleichen Tag, an dem die Napster-Verantwortlichen gleich reihenweise ihr Ausscheiden verkündeten.

Steine im Weg

Nach Ansicht einiger Insider war daran die Haltung des ursprünglichen Napster-Geldgebers, der Risikokapitalgesellschaft Hummer Winblad, mit schuld. Hummer Winblad habe in den Verhandlungen mit Bertelsmann auf der Forderung beharrt, ihr Geld im Falle einer Niederlage Napsters im Streit mit der Musikindustrie zurückzuerhalten.

Andere Experten sehen die Klagen der fünf großen Musikkonzerne als Haupthindernis für eine neue Zukunft von Napster. Bezeichnend ist, dass nach wie vor die Bertelsmann Music Group (BMG) unter den fünf Klägerfirmen ist. Bis heute warten die Napster-Verantwortlichen vergeblich auf ein Abkommen, das den Vertrieb von lizensierter Musik über das Internet ermöglicht. "Hat die Ehe zwischen High Tech
und Business eine Zukunft?" fragt Ritter und gibt selbst die
Antwort: "Nein".

Mittlerweile florieren die kostenlosen Alternativen zu Napster, an das sich eine neue Generation von Musik-Surfern womöglich gar nicht mehr erinnert. Die kürzlich an das australische Unternehmen Sharman Networks verkaufte niederländische Firma KaZaA hatte im April nach Angaben der Marktforscher von Redshift Research durchschnittlich
1,4 Millionen User. AP/fro