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Deutsche Kolonialgeschichte

Namibische Volksgruppen fordern Entschädigung von Berlin

1904 und 1908 metzelten Kolonialtruppen in Deutsch-Südwestafrika Tausende Einheimische nieder. Bei den laufenden Aussöhnungsgesprächen wollen die damals betroffenen Volksgruppen mitreden.

Demonstration von Herero und Nama im Jahre 2011 in Windhuk (AFP/Getty Images/B. Weidlich)

Demonstration von Herero und Nama im Jahre 2011 in Windhuk

In der Debatte über die Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, haben Volksgruppen-Vertreter Mitsprache gefordert und Entschädigungszahlungen von der Bundesregierung verlangt.

Forderung nach Sanktionen

Weder die Herero noch die Nama würden eine Entschuldigung akzeptieren, die keine Reparationen vorsehe, sagte der Herero-Chef Vekuii Rukoro in Berlin. Alles andere wäre eine "gewaltige Beleidigung der Intelligenz der Namibier, der Nachfahren der Opfer sowie der Afrikaner im Allgemeinen". Ähnlich äußerte sich Nama-Chef Moses Kooper. 

Das Gebiet des heutigen Namibias war von 1884 bis 1918 deutsche Kolonie. 1904 und 1908 schlugen die deutschen Kolonialtruppen Aufstände der Herero und Nama blutig nieder. Zehntausende Menschen aus beiden Volksgruppen wurden getötet, bei den Herero waren es fast 80 Prozent der Bevölkerung. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

1904: Deutsche Soldaten rücken zum Kampf gegen die Herero aus (picture-alliance/dpa)

1904: Deutsche Soldaten rücken zum Kampf gegen die Herero aus

Die deutsche Regierung verhandelt derzeit mit der namibischen über eine Aussöhnung, die mutmaßlich die Anerkennung des Genozids sowie eine Entschuldigung und Aussprache der Parlamente vorsehen soll. Reparationen sind nicht Gegenstand der Verhandlungen. Individuelle Entschädigungen lehnt die Bundesregierung ab, denkt aber an einen Strukturfonds für die Nachfahren der Opfer.

Die Herero und Nama begründeten ihren Ruf nach Reparationen auch mit den langfristigen Folgen des Vernichtungskrieges. Sie hätten durch die Kämpfe nicht nur ihre Kultur, Tradition und Souveränität verloren, sondern auch ihre Lebensgrundlage. Ihre Völker seien nun eine Minderheit und würden von der Regierung entsprechend behandelt. Nama-Chef Kooper wies darauf hin, dass beide Bevölkerungsgruppen bis heute unter den Enteignungen von Land und Vieh litten.

Der Obmann der Linksfraktion im Entwicklungsausschuss des Bundestages, Niema Movassat, verlangte von der Bundesregierung auf die Forderungen der Opferverbände einzugehen. Rukoro und Kooper waren von der Linken nach Berlin eingeladen worden.

wl/mak (afp, epd, kna)