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Afrika

Namibia: Ein Alumnus erinnert sich

Vor 20 Jahren nahm Phil Schmaman an einer Audio-Fortbildung in Köln teil - beim damaligen Deutsche Welle Fortbildungszentrum. Der namibische Tontechniker profitiert noch immer von der Erfahrung.

Phil Schmaman DW Akademie

Besuch bei Phil Schmaman: Der Alumnus brachte alte Fotos mit zum Interview

Alles rund um Audiotechnik, damit kennt sich Phil Schmaman aus. Der 54-jährige arbeitet derzeit bei Take Note Music in der namibischen Hauptstadt Windhuk. Dort kümmert er sich um die Reparatur, Wartung und Installation von Audiogeräten - von einfachen CD-Spielern hin zu aufwändigen Live-Systemen sowie dem Einrichten von Hörfunkstudios.

Im Jahr 1995 waren Sie Teilnehmer einer Fortbildung am Deutsche Welle Fortbildungszentrum (DWFZ), Vorgängerorganisation der heutigen DW Akademie. Als was arbeiteten Sie damals?
Phil Schmaman: Ich war bei der Namibian Broadcasting Corporation (NBC) beschäftigt. Ich leitete technische Workshops und war für die Planung und Installation der Radiostudios zuständig.

Was waren Ihre Erwartungen an das Training in Köln?
Mein Ziel war es, meine Kenntnisse der digitalen Technik auszubauen. Digitalradio, digitales Audio, das war damals gerade im Kommen. Ich kannte zwar die Grundlagen, aber es gab viele Bereiche, in denen ich mir unsicher war. Zum Beispiel was die Synchronisation oder die Steuerung von digitalen Geräten betraf. Der Kurs war extrem hilfreich.

Haben die Inhalte Sie in ihrer beruflichen Laufbahn weitergebracht?

Fortbildung für Audio- und Hörfunktechniker Deutsche Welle

Teilnehmer aus aller Welt lernten sich in Köln kennen

Ich habe mir viele Kenntnisse aneignen können. Wichtiger Teil des Kurses war auch der Besuch bei anderen deutschen Rundfunkanstalten, wo ich sehr viel aus den Diskussionen mitgenommen und über die verschiedenen Methoden gelernt habe. Ich profitiere nach wie vor davon, da Audio und Hörfunk heute nahezu komplett digital sind.

Sie sagten, der Austausch von Ideen war wichtig...
Genau. Im Kurs waren andere Techniker und es war interessant zu erfahren, wie anderswo die Dinge gemacht - oder nicht gemacht - wurden. Die Gruppendiskussionen haben auch viel gebracht.

Können Sie uns mehr über die anderen Teilnehmer erzählen?
Wenn ich mich richtig erinnere, waren wir 13 Teilnehmer. Wir waren bunt gemischt - zwei kamen aus China, andere aus Sri Lanka, der Mongolei, Uganda, Papa Neuguinea, Palästina, Simbabwe, Nigeria, und ich kam aus Namibia. Sicher habe ich jetzt einen oder zwei vergessen - wir kamen wirklich von überall her! Karl Lippe war der Projektmanager und Trainer der Fortbildung. Er war bereits Experte im digitalen Bereich und baute zur Veranschaulichung der technischen Abläufe verschiedene Apparaturen nach. Er hatte sehr viel Humor - er brachte uns immer wieder zum Lachen und alle folgten ihm mit großer Aufmerksamkeit. Er war super.

Stehen Sie noch in Kontakt mit ihm?

Fortbildung für Audio- und Hörfunktechniker Deutsche Welle

Projektmanager und Trainer Karl Lippe (2. v.r.), 1990

Ich hatte kurzen Email-Kontakt mit Karl Lippe bevor er in Rente ging. Ihm fiel es zunächst schwer, mich einzuordnen, da bereits 20 Jahre vergangen waren und er in dieser Zeit so viele Teilnehmer unterrichtet hat. Gerne würde ich den Kontakt zu anderen Teilnehmern wiederherstellen. Damals war Email aber noch unüblich, es gab weder Facebook noch andere Social Media Kanäle. Ich habe versucht, andere Teilnehmer ausfindig zu machen, hatte bisher aber noch keinen Erfolg.

Was hat Sie an Deutschland am meisten überrascht?
Ich war kurz vor der Fortbildung in Europa gewesen, von daher wusste ich ungefähr, was ich zu erwarten hatte. Das Wetter hat mich jedoch überrascht. Erst war es kalt, dann wurde es sehr heiß. Ich kann mich erinnern, dass Karl einmal beim Reinkommen sagte: "Ja, in Deutschland wird es auch heiß!"

Wie entwickelt sich die Medienlandschaft in Namibia?
Es hat sich viel getan. Als ich nach Namibia kam, gab es lediglich die Namibian Broadcasting Corporation und keine privaten Anbieter. Die entstanden erst nach der Unabhängigkeit 1990. Aber man muss auch bedenken, dass Namibia mit etwa zweieinhalb Millionen Menschen eine kleine Bevölkerung hat. Das macht es nicht leicht für die Privatsender. Viele möchten eine eigene Sendeanstalt aufbauen, doch fehlt es ihnen an finanziellen Mitteln.

Fortbildung für Audio- und Hörfunktechniker Deutsche Welle

Ausflug ins Fußballstadion

Die DW Akademie arbeitet sehr intensiv mit Community Radios zusammen. Solche Radios haben in kleinen Gemeinden und Kommunen großes Potential. Die großen Medienanbieter sind in Windhuk angesiedelt, und deren Berichterstattung begrenzt sich auf die Hauptstadt und die Menschen dort. Bewohner der anderen Regionen fühlen sich oft ausgeschlossen. NBC hat zwar ein paar Radiostationen im ganzen Land, doch diese senden nur vorgefertigte Beiträge aus Windhuk. Das Problem ist nicht auf Namibia beschränkt, andere Länder haben das gleiche Problem.

Was müsste sich in Namibia ändern – in Bezug auf die Medien?
Kommunikation ist der Dreh- und Angelpunkt. Bewohner in kleinen Orten und Dörfern müssen wissen, was in ihren Regionen und auch landesweit passiert. Idealerweise würden die Menschen die nationalen Programme anhören und auch Programme von lokalen Sendern. Das wäre leicht machbar, wenn beispielsweise die kleinen Sender für zwei Stunden am Tag ihr eigenes Programm machten. Die dafür nötige Technik wäre zwar sehr kostenintensiv. Aber das Programm würde von den Bürgern gemacht: von Menschen, die freiwillig Nachrichten und Geschichten aus der Region produzieren. Ich denke, das könnte für die Regionen sehr hilfreich sein.


2015 ist ein besonderes Jahr für die deutsch-namibischen Beziehungen. Gefeiert wird das 25-jährige Jubiläum der namibischen Unabhängigkeit und die gleichzeitige Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Auch die DW Akademie ist seit Anfang der neunziger Jahre in Namibia und arbeitet seitdem intensiv mit namibischen Medienmachern zusammen.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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