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Kriminalität

Naki vermutet politischen Hintergrund

Nach dem Mordanschlag auf ihn befürchtet Fußballprofi Deniz Naki politische Hintergründe als Tatmotiv. Sein Anwalt betont gegenüber der DW jedoch, dass der Sportler nicht den türkischen Geheimdienst der Tat bezichtige.

Deniz Naki (picture alliance/dpa)

Deniz Naki im November 2016 nach einer Gerichtsverhandlung wegen angeblicher Terrorpropaganda

Nach den nächtlichen Schüssen auf den deutsch-türkischen Fußballprofi Deniz Naki steht der 28-Jährige nun unter Polizeischutz. Naki halte sich an einem geheimen Ort auf, sagte sein Anwalt Soran Haldi Mizrak. Am Dienstagabend gab Naki in einem Telefoninterview mit der DW an, sich bei seiner Familie aufzuhalten. In der Nacht zu Montag war Naki, der früher für den FC St. Pauli und den SC Paderborn aktiv war, nahe der Stadt Düren bei Aachen auf der Autobahn A4 aus einem fahrenden Wagen beschossen worden. Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt.

Der Fußballprofi mit kurdischen Wurzeln sieht sich als Opfer einer politisch motivierten Tat. Dass er aber gegenüber der Polizei den türkischen Geheimdienst bezichtigt habe, stimme jedoch nicht, berichtet Deutsche-Welle-Redakteurin Gezal Acer. Nach einem Gespräch mit Nakis Anwalt sagt die Türkei-Expertin: "Herr Mizrak hat uns gesagt, dass Deniz Naki gegenüber der Polizei keine Namen genannt habe. Er habe lediglich geäußert, dass in Deutschland ansässige ultra- nationalistische türkische Gruppierungen dahinter stecken könnten." Der Anwalt habe außerdem betont, es stimme nicht, dass - wie in einigen Medien zu lesen war - Naki gegenüber der Polizei behauptet habe, der türkische Geheimdienst sei mit im Spiel. 

Naki will wieder zurück in die Türkei

Der ehemalige Spieler der deutschen U21-Nationalmannschaft und Zweitliga-Profi gilt als Kritiker der türkischen Regierung. Ein türkisches Gericht verurteilte ihn 2017 wegen "Terrorpropaganda" für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu einer rund 18-monatigen Bewährungsstrafe.

Infografik Timeline Deniz Naki DEU

Hintergrund: Äußerungen auf Twitter und Facebook, in denen er das Vorgehen des türkischen Militärs im kurdisch geprägten Südosten anprangerte. Naki berichtete danach über Attacken gegen Mitglieder seines türkischen Vereins, die bei Auswärtsspielen teilweise verletzt worden seien. Er selbst habe auch Morddrohungen aus Deutschland erhalten. "Bis jetzt waren es Journalisten, Akademiker und Schriftsteller, die sich bedroht gefühlt haben. Über andere Sportler ist uns derzeit nichts bekannt", so DW-Redakteurin Acer.

Dem Anwalt zufolge will sich Naki nicht unterkriegen lassen. "Er hat entschieden, mit seiner Familie wieder in die Türkei zurückzukehren", sagt Mizrak. Naki steht dort beim Drittligisten Amed SK in der Kurdenmetropole Diyarbakir unter Vertrag. Als die Schüsse auf seinen Wagen fielen, war er privat im Raum Düren unterwegs. Naki ist , wo er geboren wurde und aufgewachsen ist.

sw/asz (Deutsche Welle, dpa, sid)

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