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Welt

Nahrung auf dem Prüfstand der G20-Agrarminister

Bis Donnerstag (23. Juni 2011) treffen sich die G20-Agrarminister in Paris, um über die globale Nahrungssicherheit zu beraten. Nötig wäre eine grundlegende Neustrukturierung des globalen Agrarmarktes.

Händlersaal der New York Mercantile Exchange NYMEX im Februar 2008 (AP)

New Yorker Rohstoffbörse - Spekulation als Preistreiber

Nahrungsmittel stehen bereits heute auf dem weltweiten Markt extrem unter Druck. Die Nachfrage einer wachsenden Weltbevölkerung und Ernteausfälle aufgrund des Klimawandels tragen zur Krisenanfälligkeit bei – und können neue Hungerkrisen auslösen. Auf den Mechanismen des freien Marktes mag keiner mehr vertrauen, wenn es um die Sicherung der Nahrungsmittel geht. Denn immer mehr Menschen müssen von den Ernten immer schlechterer Böden leben.

Symbolbild Biosprit - Kanister vor Rapsfeld (fotolia)

Mehr Biosprit - teurere Nahrung

Dazu kommen im Zuge des wachsenden Wohlstands in vielen Schwellenländern auch geänderte und ressourcen-intensivere Eßgewohnheiten, die auch noch in Konkurrenz mit dem rasant wachsenden Verbrauch so genannter Biokraftstoffe stehen.

Ein Gast im Steakhaus isst ein Steak (dpa)

Größerer Fleischkonsum - steigende Lebensmittelpreise

Hinzu kommen noch die Tücken der Börsen: Auch Agrarrohstoffe werden dort gehandelt, und die Spekulationen auf den weltweiten Börsen treiben nochmals die Preise nach oben. Das ist der Hintergrund für das G20-Agrarministertreffen, das jetzt in Paris stattfindet.

Globale Aufgabe

Lindiwe Majele Sibanda ist Hauptgeschäftsführerin (CEO) bei FANRPAN (Food, Agriculture and Natural Resources Policy Analysis Network), ein Netzwerk, das zur Förderung von Landwirtschaft und Nahrungssicherheit in Afrika arbeitet. FANRPAN vernetzt nicht nur Politik und Zivilgesellschaft, sondern auch Forschungsinstitutionen. Sie fordert von der G20 – den 20 größten Industrie- und Schwellenländern der Welt – neue und zusätzliche Investitionen in der globalen Landwirtschaft. "Lebensmittelsicherheit ist eine globale Aufgabe", stellt sie fest – und macht macht darauf aufmerksam, dass viele afrikanische Regierungen bereits in Vorleistung gegangen sind:

“Die afrikanischen Länder haben aus eigenem Antrieb versprochen, mindestens zehn Prozent ihrer Nationalhaushalte in die Landwirtschaft zu investieren. Zehn Prozent ist in diesem Zusammenhang ein Meilenstein, denn bisher haben viele Ländern nur ein Prozent des Nationalbudgets dafür vorgesehen.“

Warnungen von OECD und FAO

Auch die OECD – die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – hat bereits vor dem Treffen in Paris ihre Empfehlungen an die G20-Agrarminister veröffentlicht. In einem Bericht, der gemeinsam mit der FAO, der Agrar- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen, erstellt wurde, warnen beide Organisationen vor neuen Hunger-Unruhen in den ärmsten Ländern, falls es der G20 nicht gelingt, neue Marktmechanismen und neue Investitionen für die Landwirtschaft weltweit zu finden. Auch fordern OECD und FAO einen Kontrollmechanismus, der hoch-spekulative Börsengeschäfte mit Agrarprodukten zügeln soll.

Die Bundesministerin für Verbraucherschutz Ilse Aigner (CSU) am Mittwoch (25.05.2011) in Berlin . (dpa)

Ilse Aigner

Die deutsche Bundesagrarministerin, Ilse Aigner, will auf dem G20-Gipfel deshalb eine Initiative Frankreichs unterstützen und einen Aktionsplan zur Eingrenzung extremer Preisschwankungen initiieren. Auch soll die Frage nach bessere Lagerung der Ernten, insbesondere in Entwicklungsländern, erörtert werden. Dort geht fast die Hälfte der Ernten durch fehlende Lager- und Transportmöglichkeiten verloren.

Vernachlässigte Böden

Die wichtigste Voraussetzung für die globale Nahrungssicherheit jedoch ist bisher fast gänzlich vernachlässigt worden, warnt der Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn, Joachim von Braun. Ohne eine nachhaltige Landwirtschaft seien wir bereits heute an unseren Grenzen gestoßen:

"Wir sind mit dem großen Problem konfrontiert, dass der Boden der Welt ausgelaugt wird, vernachlässigt und krank ist. Der Boden ist meines Erachtens die vernachlässigte natürliche Ressource überhaupt“, sagt der Entwicklungsexperte aus Bonn. Er und viele Entwicklungsorganisationen fordern deshalb neue und zusätzliche Investitionen in eine nachhaltige Landwirtschaft – und ein nachhaltiges Umdenken auch auf der politischen Ebene.

Autorin: Helle Jeppesen
Redaktion: Jochen Vock