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Kultur

Nahost in Cannes

Der Konflikt zwischen Palästina und Israel ist traurige Realität. In Cannes begegnen sich die Völker im Film. Politik statt Glamour auf den internationalen Filmfestspielen.

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Sie zeigen Palästina im Film: Regisseur Elias Suleiman und Schauspielerin Manal Khader

Persönliche Geschichten über Gewalt und Vertreibung zu erzählen, war von je her eine wichtige Aufgabe des Kinos. Wenngleich Filmregisseure und Festivalmacher auch keine Politiker sind. Doch mit den Film-Beiträgen eines Israelis und eines Palästinensers kommen auch politische Brisanz und unterschiedlichen Sichtweisen auf den Nahost-Konflikt mit in die Filmfestspiele in Cannes.

Göttliche Eingriffe und surreale Fantasien

Geradezu lustvoll lässt der in Nazareth geborene Palästinenser Elias Suleiman in seinem Film "Divine Intervention" ("Göttlicher Eingriff") einen israelischen Panzer explodieren. Doch das Feuerwerk ist nicht im Kampf entstanden, sondern weil der von Suleiman selbst gespielte Hauptdarsteller einen kleinen Aprikosen-Kern achtlos aus dem Auto auf das Militärfahrzeug geworfen hat. Das ist eine von vielen surrealen Fantasien, mit denen der Regisseur Suleiman seine regungslos agierenden Figuren aus der Lähmung holt, die durch die Besatzung der Israelis erzwungen ist.

Suleiman bedient in seinem Film keine Klischees: In "Divine Intervention" sind die Palästinenser keine wütenden Demonstranten und militanten Kämpfer. "Die Palästinenser in Jerusalem sind schüchtern und todesstill, anders als unsere Brüder und Schwestern in der West Bank oder im Gaza-Streifen", erklärte Suleiman in Cannes.

Liebe zwischen Absperrungen

Ein Liebespaar kann sich wegen der Absperrungen zwischen Jerusalem und Ramallah nur auf einem Parkplatz am israelischen Militärposten treffen. Einmal holt der Mann einen roten Luftballon mit einem Arafat-Bild aus der Tasche. Der aufgeblasene Arafat fliegt frei über Jerusalem und bleibt auf der goldenen Spitze des Felsendoms hängen. Der Film endet mit einem pfeifenden Dampfkochtopf, der nicht vom Herd genommen wird: Symbol für die brodelnde Wut des Volkes, die sich in der Realität auch viel gewaltsamere Wege sucht.

Ewiges Leid

In dem Film "Kedma" des Israelis Amos Gitai erreicht eine Gruppe von Juden im Jahr 1948, eine Woche vor Gründung des Staates Israel, per Schiff die Küste Palästinas. Sofort finden sich die gewaltsam Vertriebenen und Traumatisierten in einem neuen Albtraum wieder: Sie werden zu bewaffneten Vertreibern der Araber und müssen erneut um ihr Leben kämpfen. Gitai thematisiert das Grunddilemma des Krieges in Nahost, aber ohne analytische Originalität. Es bleibt bei einer Klage über das ewige Leid seines Volkes und die Sehnsucht nach Frieden ohne Ungerechtigkeit und Gewalt. (dpa/pt)

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