1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Naftogaz gegen Fusion mit Gazprom

Die ukrainische Regierung hat den russischen Vorschlag einer Fusion der beiden staatlichen Gaskonzerne abgelehnt. Kiew schlägt Moskau stattdessen vor, Gasfelder im Schwarzen Meer gemeinsam zu erschließen.

Logos der Gaskonzerne Gazprom und Naftogaz (Grafik: DW)

Gazprom und Naftogaz

Die Regierung in Kiew schließt einen Zusammenschluss des ukrainischen Öl- und Gaskonzerns Naftogaz mit dem russischen Gasmonopolisten Gazprom kategorisch aus. "Es wird keine wie auch immer geartete Fusion geben", erklärte der ukrainische Premier Mykola Asarow am Sonntag (20.06.2010).

Karte mit den Verlauf der South-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer (Grafik:GNU)

Moskau besteht auf dem Bau der South-Stream-Pipeline

Die russischen Pläne für einen Zusammenschluss der beiden staatlichen Konzerne seien "absolut nachteilig und gefährlich" für die Souveränität der Ukraine, erklärte der ehemalige ukrainische Präsidentenberater für internationale Energiesicherheit, Bohdan Sokolowskyj. Er zeigte sich erstaunt darüber, dass Gazprom-Chef Aleksej Miller einerseits das ukrainische Gasleitungsnetz in ein künftiges Gemeinschaftsunternehmen einbeziehen will, andererseits auf dem Bau der Nord Stream und South Stream Pipelines besteht, die jedoch die Ukraine umgehen sollen.

Sokolowskyj verweist darauf, dass es im Winter, wenn der Bedarf an russischem Gas in Europa seinen Höhepunkt erreicht, schwierig ist, ohne die ukrainischen unterirdischen Gasspeicher auszukommen. Die ukrainische Route sei deshalb nach wie vor sowohl für Russland, als auch für die Empfängerstaaten einzigartig und wirtschaftlich attraktiv.

Kiew strebt gemeinsame Projekte an

Trotzdem sei eine Zusammenarbeit zwischen Naftogaz und Gazprom denkbar, sagt der Energieexperte des ukrainischen Brennstoffministeriums, Kostjantyn Borodin. Sogar die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens sei möglich. Allerdings müsse das ukrainische Pipelinenetzes, über das die russischen Gasexporte in den Westen strömen, außen vor bleiben.

Gasherd mit Flamme (Foto: dpa)

Neue Gasvorkommen sollen erschlossen werden

So könnte die Erschließung von Gasvorkommen im Meer zu den Hauptaufgaben eines solchen Unternehmens werden. "Das wäre ein Projekt zur Gasförderung im Schelf des Schwarzen Meeres. Es gibt Felder, die sich gleichzeitig über ukrainische und russische Hoheitsgewässer erstrecken", erläuterte Borodin am Montag (21.06.2010) vor Journalisten.

Er betonte, gemäß internationaler Konventionen dürfe keine der Seiten jene Vorkommen alleine erschließen. Der Vertreter des Brennstoffministeriums in Kiew hofft nun auf eine positive Antwort aus Moskau.

Nach dem Machtwechsel im Februar hatte die neue Regierung der Ukraine eine Fusion der Gaskonzerne zunächst nicht ausgeschlossen. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin unterbreitete einen entsprechenden Vorschlag im April. Gazprom-Chef Aleksej Miller bezeichnete Naftogaz zuletzt in einem Interview als derzeit einziges Einkaufsziel auf der Liste seines Konzerns.

Russland und die Ukraine haben wiederholt Konflikte um den Gaspreis ausgetragen. Im Januar 2009 kam es deswegen auch zu Unterbrechungen bei den Lieferungen nach Europa.

Autoren: Alexander Sawizki, Markian Ostaptschuk (rtr)
Redaktion: Fabian Schmidt

Die Redaktion empfiehlt