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Deutschland

Nadja Drygalla wird Sportsoldatin

Die Ruderin Nadja Drygalla wird zum 1. November in die Bundeswehr aufgenommen: als Sportsoldatin. Im Sommer war die Olympia-Teilnehmerin wegen ihrer angeblichen Kontakte zur rechten Szene in die Kritik geraten.

Der Fall beherrschte im August tagelang die deutschen Schlagzeilen: Während der Olympischen Spiele in London war bekannt geworden, dass die deutsche Ruderin Nadja Drygalla mit einem früheren Funktionär der rechtsextremistischen NPD liiert war. Noch 2011 hatte ihr Lebenspartner Michael Fischer bei der Landtagswahl für die NPD kandidiert. Daraufhin begann eine intensive Debatte über die Frage, ob so jemand Deutschland bei den Olympischen Spielen vertreten dürfe.

Nadja Drygalla distanzierte sich damals öffentlich von rechtem Gedankengut. Auch ihr Freund, so Drygalla, sei im Frühsommer 2012 aus der NPD ausgetreten und habe mit der Neonazi-Szene gebrochen. Dennoch entschied sich die Athletin zur vorzeitigen Abreise aus dem Olympiacamp in London.

Sportverbände unterstützen Drygalla

DOSB Generaldirektor Michael Vesper (Foto: AP)

Der ehemalige Grünen-Politiker Michael Vesper ist Generaldirektor des DOSB

Den Antrag zur Aufnahme Drygallas in die Sportförderung der Bundeswehr hatte der Deutsche Ruderverband (DRV) bereits vor den Olympischen Sommerspielen gestellt. Durch die öffentliche Kritik an der Rostockerin wurde die Entscheidung darüber vertagt. Das Verteidigungsministerium bat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) um eine Stellungnahme. Dass der DOSB und der jeweilige Sportverband ihr Einverständnis geben, ist Voraussetzung für die Aufnahme in die Sportförderung der Bundeswehr.

Diese gibt es seit 1968. Die Idee dahinter: Nur in wenigen Sportarten können die Athleten von Preisgeldern und der Unterstützung durch Sponsoren leben. Die Bundeswehr bietet deshalb talentierten Spitzensportlern die Möglichkeit, auf Zeit in die Armee einzutreten, dort unter sehr guten Bedingungen zu trainieren - und Deutschland bei internationalen Sportereignissen zu vertreten. Nach einer zweimonatigen Grundausbildung wohnen sie nicht mehr in Kasernen, sondern trainieren an ihren Wohnorten oder an den Olympia-Stützpunkten. Heute werden insgesamt 744 Spitzensportler von der Bundeswehr gefördert. Die Kosten belaufen sich auf rund 32 Millionen Euro pro Jahr.

Intensive Prüfung

Rekruten der Flugabwehrbrigade 100 machen Dehnübungen (Foto: dpa)

Die Dehnübungen des Frühsports dürften der Sportsoldatin Drygalla leichtfallen

Der Generaldirektor des DOSB, Michael Vesper, hat bereits sein Einverständnis erklärt. "Nadja Drygalla gehört zur Leistungselite der deutschen Ruderfrauen. Es ist gut, dass so sichergestellt ist, dass sie weiter auf internationalem Niveau mitrudern kann", sagte Vesper im Interview der Deutschen Welle. Die politischen Ansichten ihres Lebenspartners könne man nicht Nadja Drygalla anlasten, meint der ehemalige Grünen-Politiker Vesper: "Für meine Einschätzung ihrer Person ist allein ausschlaggebend, was sie selber tut und sagt."

Die Streitkräftebasis der Bundeswehr bestätigte die Aufnahme Nadja Drygallas in die Sportförderung der Bundeswehr zum 1. November. Vor dem Hintergrund der politischen Brisanz und des öffentlichen Interesses sei die Bundeswehr ihrer Prüfungspflicht "sehr intensiv nachgekommen", versicherte der Leiter der Pressestelle, Oberstleutnant Ludger Terbrüggen, im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Nach den Gesprächen mit Frau Drygalla gibt es keinerlei Hinweise und Gründe für die Bundeswehr, den Antrag abzulehnen. Frau Drygalla hat sich klar von rechtsradikalem Gedankengut distanziert." 

Offene Fragen für den Sportausschuss

Portrait Nadja Drygalla. (Foto: INSIDE-PICTURE)

Nadja Drygalla kann wieder lachen: ihre Karriere geht weiter

Für Jens Petermann, Mitglied des Sportausschusses im Bundestag, sind noch nicht alle Fragen im Fall Drygalla beantwortet. Dennoch, meint der Abgeordnete der Linken im Gespräch mit der Deutschen Welle, solle man den Einzelfall nicht überbewerten. Wichtiger sei die Problematik von Rechtsextremen in Sportvereinen, wie etwa in der Kickboxerszene. Der Brandenburgische Verfassungsschutz warnt in seinem diesjährigen Bericht vor der Unterwanderung von Kampfsport-Vereinen durch Neonazis.  

Für Nadja Drygalla kommt die Aufnahme in die Sportförderung der Bundeswehr einer Rehabilitierung gleich. "Frau Drygalla ist froh und erleichtert", ließ die 23-jährige Athletin durch ihren Anwalt mitteilen.

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