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Sport

Nadine Jarosch träumt von Olympia

Mit 17 zu den Olympischen Spielen? Für Nadine Jarosch vom TV Detmold wird dieser Traum bald wahr. Die Turnerin gehört zu den jüngsten im deutschen Team.

Mit fünf Jahren hat die Karriere von Nadine Jarosch angefangen. Von klein auf galt sie als großes Talent und seitdem spielt sich ihr Leben vor allem in der Turnhalle ab, berichtet ihr Trainer Michael Gruhl. "Die normale Trainingswoche bedeutet für eine normale Schülerin der elften Klasse etwa 30 Stunden Unterricht. Wir haben sehr hohe Trainingsumfänge. Die liegen so bei 22 - 24 Trainingsstunden pro Woche." Insgesamt 50 bis 60 Stunden Schule und Training pro Woche erfordern viel Disziplin. Vor allem, wenn draußen die Sonne scheint und die Freundinnen Eis essen oder shoppen gehen. "Manchmal gibt es solche Tage, da hat man keinen Bock und da würde man lieber etwas anderes mache", gibt die junge Athletin zu. Das sei aber in jeder Sportart so und ganz normal.

Über Doha nach London

Nadines Alltag ist das Training. Viel Kopfarbeit und auch viele Reisen gehören dazu. Ein enormes Pensum für eine 17-Jährige, die in diesem Jahr schon etliche Wettkämpfe bestritten hat und unter anderem in Boston, in Doha und bei den Europameisterschaften in Berlin war. Dazu kamen die Olympiaqualifikation und zahlreiche Lehrgänge.

Das 1,58 Meter kleine Kraftpaket ist ehrgeizig und Trainer Gruhl hat früh erkannt: "Sie ist von der Konstitution her eine sehr kräftige, schnelle Sportlerin, hat die entsprechende Muskulatur dazu und kann sehr vielseitig koordinativ arbeiten. Gerade in unserer Sportart spielt die Koordination, die Bewegungsvielfalt, eine ganz große Rolle." Das sieht man schon, wenn man nur kurz beim Training zuschaut. Salto, Flickflack, Drehungen um alle Körperachsen gehören dazu, Spagat sogar zum Aufwärmen. Lachend erklärt sie, dass man das schon ziemlich am Anfang erlernt. "Muss man auch, sonst kann man es nicht mehr lernen."

Nadine Jarosch turnt auf dem Schwebebalken. (Foto: Marius Becker dpa/lnw)

Kunst auf dem Schwebebalken: Nadine Jarosch bei ihrer Kür

Boden, Stufenbarren, Sprung und Schwebebalken sind die vier Geräte beim Frauenturnen. Der Schwebebalken ist gerade einmal zehn Zentimeter schmal. Der Sprungtisch federt sogar, damit man noch spektakulärer springen kann. Alles eine Frage der Übung – und der Überwindung. "Bei manchen Teilen habe ich schon Angst", räumt die Schülerin ein. "Aber dann mache ich das einfach und dann denke ich – das ist ja gar nicht so schlimm und mache einfach weiter." Blaue Flecken gehören allerdings auch dazu, dann muss man es aber wieder versuchen und auch wieder auf den Balken aufsteigen.

Blaue Flecken gehören zum Alltag

Kraftvoll ist ihr Anlauf, der Sprung gewaltig und sehr komplex. Es ist ihr Olympiasprung, den sie wieder und wieder trainiert. Anlaufen, abspringen, drehen, landen und dann zum Trainer, der alles mit der Minikamera aufgezeichnet hat. Und noch etwas darf nicht fehlen: Ein hübsches Outfit. "Im Frauenturnen ist es wichtig, dass man ästhetisch rüberkommt und dass das einfach gut aussieht."

Zwei große internationale Turniere hat Nadine schon hinter sich: Die EM und ihre ersten Weltmeisterschaften in Tokio mit einem hervorragenden 10. Platz im Mehrkampf und dem sechsten Platz mit der Mannschaft. Ihre männlichen Turnkollegen hat sie dort auch schon kennengelernt. Alle nett, sagt sie. Aber die haben ja statt Schwebebalken und Stufenbarren Ringe, Parallelbarren, Reck und das Pauschenpferd. Könne man also nicht vergleichen. Respekt hat sie sich auf jeden Fall verdient. Denn spätestens seit der WM ist Nadine Jarosch in der Turn-Weltelite angekommen. 

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