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Musik

Nachwuchsbands ins Netz!

Mit Musik reich werden – das ist heute nicht leichter oder schwerer als früher. Aber: Es gibt eine Menge kreativer Möglichkeiten, sich ins Gespräch zu bringen. Im Netz – sogar ganz ohne Plattenlabel.

Am 5. Juni 2015 startet in Cannes die "Midem", die weltweit größte Musikmesse. Um Erfolg zu haben, reicht es schon lange nicht mehr aus, einfach "nur" gute Musik zu machen. Man braucht vor allem ein hervorragendes Musikmarketing. Aber können junge Musiker auch ohne Plattendeal heute noch mit ihrer Lieblingsbeschäftigung Geld verdienen?

August 2014 auf dem Open-Air-Gelände des Kölner Tanzbrunnens: 12.000 Fans singen, springen, feiern. Auf der Bühne steht die Kölschrock-Band Kasalla und liefert ein fast dreistündiges Open Air-Konzert ab – mit Specials Guests, jeder Menge Show und noch mehr Emotionen. Das Konzert wird aufgezeichnet, mit einem gigantischen technischen Aufwand.

Drei Monate nach dem Konzert ist die DVD auf dem Markt – komplett finanziert von den Fans, den "Möglichmachern". Crowdfunding oder Schwarmfinanzierung - das klingt zunächst mal nach einer sehr bequemen Lösung. Doch so ganz leicht haben es sich die fünf Kölner Musiker nicht gemacht: Für jede finanzielle Zuwendung der "Pledger" gab es eine Gegenleistung von der Band. Kleine Gimmicks wie limitierte T-Shirts für 30 Euro oder handsignierte Plakate. Aber auch echte Sammlerstücke: etwa den ersten E-Bass des Bassisten (700 Euro) oder ein Ölgemälde bis hin zum exklusiven Wohnzimmerkonzert für 3800 Euro. Auf diese Weise sind über 20.000 Euro zusammen gekommen – das Projekt konnte verwirklicht werden. Andernfalls hätten alle Pledger, so nennt man die privaten Unterstützer, ihr Geld zurück bekommen und Kasalla hätten eine andere Geldquelle finden müssen.

Kölner Band Kasalla

Kasalla verdienen immer noch das meiste Geld mit Live-Auftritten

Spezialisiert für Musik-Crowdfunding ist die Plattform

pledgemusic.com

. Die Seite wirbt damit, dass Fans von Anfang an mit in die Projekte der Künstler einbezogen und durch ihre Unterstützung auch Teil davon werden. Das Stichwort "Direct-to-fan" ist im Musikbusiness schon zum geflügelten Wort geworden.

Die richtigen Leute finden

Julian Angel ist selbst Musiker und betreibt die Webseite

Musicbiz Madness

. Er schwört auf das Direct-to-Fan-Marketing: Der direkte Draht zum Fan – ohne Label und im Idealfall auch ohne die großen Downloadplattformen wie iTunes oder Amazon dazwischen. Am besten für die Musiker sei es, ihre Musik über die eigene Webseite zu vertreiben. "Wir müssen als Newcomer unbedingt einen engen Kontakt zu Fans aufbauen", sagt auch der Musiker Marc Winterberg auf seiner Homepage. Er gibt auf

musikvermarkten.de

Online-Kurse in Sachen Selbstvermarktung. "Früher war es das Ziel eines Musikers, entdeckt zu werden und einen Plattenvertrag zu bekommen. Heute ist die Vermarktung ganz anders möglich."

Nur: Wie findet man die zukünftigen Fans? "Man muss natürlich gucken, dass man die richtigen Leute erreicht", sagt Julian Angel. "Also gezielt nach Facebookgruppen oder Webseiten suchen, die sich mit deiner Musikrichtung decken. Und genau dort muss die Musik gestreut werden." Die sozialen Netzwerke, Youtube oder die Musikplattform Soundcloud sind der Anfang – doch Ziel muss es sein, die Leute auf die eigene Homepage zu locken. Denn dort sind alle wichtigen Infos gebündelt und auf den ersten Blick abrufbar. In den sozialen Netzwerken fällt vieles schnell durchs Raster. Von der eigenen Homepage aus können Bands dann ihre Fühler ausstrecken: Musikblogs und Redaktionen anschreiben, Rezensionsexemplare oder Links zu Sounddateien verschicken und dann hoffen, dass der eine oder andere Multiplikator anbeißt.

Sprungbrett Spotify

27.02.2014 DW popXport Milky Chance

Fast aus Versehen zu Stars geworden: Milky Chance

Alles ein mühsamer Weg ohne Plattenlabel, Management oder Booking-Agentur dazwischen – aber lohnenswert, wenn die Sache einschlägt. Denn wenn das Geld zu fließen beginnt, landet es ausschließlich in den Taschen der Musiker.

So ist eine Streaming-Plattform wie etwa Spotify manch einem berühmten Popstar vielleicht ein Dorn im Auge. Für Newcomer bietet es Chancen. Sie können dort – wenn auch zufällig – gefunden werden. Denn die Algorithmen der Spotify-Software machen sich in dem Angebot von gut 20 Millionen Songs auf die Suche nach ähnlichen Musikrichtungen. Wer gerne Metal hört, bekommt von Spotify Vorschläge – und darunter können auch ganz unbekannte Bands sein. Mag der User einen Song auf Spotify, teilt er es mit seiner Community mit – und dann kann ein Song schonmal ein Hit werden.

Die beiden deutschen Musiker Milky Chance sind durch Spotify berühmt geworden. Ihre ersten Titel hatten sie schon 2012 auf Youtube hochgeladen – da ist nicht viel passiert. Doch plötzlich teilte die richtige Person den Song mit den richtigen Leuten – und "Stolen Dance" wurde zum Welthit. Als die großen Labels anklopften, haben die beiden kurzerhand ihr eigenes Independent-Label gegründet.

Die Kunst des Bittens

Amanda Palmers neue Band heißt Grand Theft Orchestra

Amanda Palmers neue Band heißt Grand Theft Orchestra

Die US-Sängerin Amanda Palmer zählt mit ihrem frechen bis schlüpfrigesn Punk-Kabarett nicht gerade zum Mainstream. Als sie mit ihrer Band "Dresden Dolls" auf Tour war, hat sie einen noch direkteren Weg zu den Fans eingeschlagen. Sie ist über Twitter auf die Leute zugegangen, hat gezielt um Unterstützung gebeten – und war erschlagen vom Erfolg. In ihrem

Videovortrag "The Art of Asking"

erzählt sie von den brotlosen Anfängen ihrer Karriere, als es noch kein Geld gab. Egal wo sie gerade auf der Welt war, hat sie Twitterer gefunden, die ihr helfen konnten. So brauchte sie vor einem Konzert dringend ein Klavier zum Üben. Eine Stunde später hatte sie eins. Etwas zu essen oder ein Schlafplatz nach dem Gig? Kein Problem. Tourbus kaputt? Irgendein Autoschrauber war immer in der Nähe. Sie alle halfen, weil Amandas Musik ihnen gefallen hat. So hat Amanda Palmer Tausende von Fans bekommen. Wie wertvoll eine so große Fanbase ist, zeigt sich bei einem Crowdfunding-Projekt, mit dem Amanda Palmer ihre neue Platte finanzieren wollte. 100.000 Dollar waren anvisiert. 1,2 Millionen sind zusammengekommen.

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