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Wirtschaft

Nachsitzen: Italien überraschend herabgestuft

Die Ratingagentur Standard & Poor's bewertet die Bonität Italiens nur noch mit der Note "A". Als Grund nennen die S&P-Experten die schwachen Wachstumsaussichten des Euro-Landes. Der Euro reagierte mit Kursverlusten.

Zange mit Euromünze (Foto: Fotolia)

Wie stabil ist Italiens Wirtschaft?

Es ist ein Tiefschlag gegen Italien zum ungünstigen Zeitpunkt. Denn mitten in der Schuldenkrise hat die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit des Landes von "A+" auf "A" herabgestuft. Und es könnte weiter runter gehen: Der Ausblick sei "negativ", teilte S&P am späten Montagabend (19.09.2011) in London mit.

Kredite werden wohl teurer

Das Bürogebäude der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) (Foto: dpa)

Große Skepsis bei den S&P-Experten

Aufgrund der Herabstufung drohen Italien nun höhere Zinsen bei der Aufnahme neuer Kredite. Denn je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto größer erscheint das Risiko, dass der Gläubiger sein Geld nicht wiedersieht. Dieses Risiko lässt sich der Geldgeber durch höhere Zinsen bezahlen.

Italien hat nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand in der Eurozone. Um dem entgegenzuwirken, hatte das Land zuletzt zwei Sparpakete im Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro verabschiedet. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi plant, bis 2013 wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.

Kein Vertrauen in die Sparpläne

Die S&P-Experten begründeten ihren Schritt mit den schwachen Wachstumsaussichten des Landes. Diese würden auch durch das Reformprogramm der italienischen Regierung nicht entscheidend verbessert. S&P verwies auf die fragile Regierungskoalition in Rom und die politischen Differenzen im Parlament.

Die Ratingagentur nannte bei ihrer Begründung für die Herabstufung eine niedrige Beschäftigungsquote, einen ineffizienten öffentlichen Sektor und geringe Investitionen aus dem Ausland. "Aus unserer Sicht scheut sich die Regierung davor, diese Fragen anzugehen", erklärte die Agentur mit Blick auf fehlende Strukturreformen.

Berlusconi kritisiert Rating-Agentur

Silvio Berlusconi im Porträt (Foto: AP)

Berlusconi wiederspricht

Ministerpräsident Silvio Berlusconi reagierte prompt auf die Herabstufung und lehnte sie grundweg ab. "Die Einschätzung von Standard & Poor's scheint mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein. Sie scheint auch von politischen Erwägungen negativ beeinflusst", erklärte Berlusconi in Rom. Die Regierung habe bereits Maßnahmen zur Haushaltssanierung eingeleitet. Schritte zur Förderung des Wirtschaftswachstums seien in Vorbereitung.

Im schlimmsten Szenario geht Standard & Poor's davon aus aus, dass Italien 2012 in eine Rezession gerät. Die Wirtschaftsleistung würde dabei um 0,6 Prozent sinken, gefolgt von einer "bescheidenen Erholung" in den Jahren 2013 und 2014.

Weitere Ratingagentur droht mit Herabstufung

Firmenlogo der Ratingagentur Moody's (Foto: AP)

Auch die Ratingagentur Moody's sieht die Zukunft Italiens nicht rosig

Auch die Ratingagentur Moodys's hat Italien bereits eine Herabstufung angedroht. Derzeit hat das Land dort für langfristige Darlehen noch ein "Aa2"-Rating - es liegt damit zwei Stufen unter der Bestnote "Aaa". Am Freitag hatte Moody's mitgeteilt, die Prüfung der Lage in Italien zu verlängern. Eine Entscheidung sei "im kommenden Monat" zu erwarten.

Der Euro ist am Dienstag nach der Abstufung Italiens deutlich abgerutscht. Zeitweise kostete er weniger als 1,36 Dollar. Zuletzt notierte die europäische Gemeinschaftswährung wieder etwas über dieser Marke.

Laut Commerzbank teilte S&P nichts "wirklich Neues" mit. Die Kursverluste des Euro seien auf die "Dynamik einer Staatsschuldenkrise" zurückzuführen. "Es reichen auch Randnotizen, um der Krise neue Dynamik zu verleihen", hieß es in einem Kommentar.

Autoren: Marion Linnenbrink, Annamaria Sigrist (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Frank Wörner, Julia Elvers-Guyot

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