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Wirtschaft

Nachrichtendienste spionieren deutsche Unternehmen aus

Deutschland ist das Land der Ideen und Innovationen. Und nicht nur die unternehmerische Konkurrenz schielt auf deutsches Know-how, auch ausländische Nachrichtendienste haben die Wirtschaft im Visier.

Das gestellte Foto zeigt einen jungen Mann, der mit einem Foto-Handy durch eine Büro-Gardine fotografiert. Quelle: dpa

Technik macht's möglich: Wirtschaftsspionage nimmt zu

Ob Forschungsergebnisse, Entwicklungsstrategien, Produktinformationen, Kundendaten oder Budgetpläne – Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse erfolgreicher Unternehmen wecken immer häufiger das Interesse eifriger Spione. Und die, so sagt der Vizepräsident des Verfassungsschutzes, Elmar Remberg, kommen beispielsweise aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, vor allem aber aus China. "China sammelt weltweit und intensiv politische, militärische, firmenstrategische und wissenschaftliche Informationen, um ihre Technologielücken möglichst schnell zu schließen", erklärt er. "Dafür hat es verschiedene Forschungs- und Entwicklungsprogramme aufgelegt: Ein spezielles Programm unterstützt etwa die Rückkehr von Fachleuten, die im Ausland ausgebildet worden sind."

Mechaniker von McLaren Mercedes stehen vor der geschlossenen Box am 12.09.2007 in Spa-Francorchamps, Quelle: dpa

Jüngstes Spionage-Opger: Mc Laren Mercedes

Laut aktueller Studien sind rund 40 Prozent aller deutschen Unternehmen von Wirtschaftsspionage betroffen, jährlich soll Know-how im Wert von bis zu 50 Milliarden Euro gefährdet sein. Im Fokus stehen alle zukunftsorientierten Branchen wie die Nano- und Rüstungstechnologie oder auch die Bereiche Verkehr, Umwelt und Energie.

Kleine und mittelständische Betriebe im Visier

Besonders anfällig, so erklärt Andreas Blume, der bei EVONIK-Degussa für den Schutz neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zuständig ist, seien kleine und mittlere Unternehmen, die in ihren Nischen technologisch führend sind: Oft gebe es Versuche, Kontakt bei Kongressen, Workshops und Tagungen aufzunehmen: "Immer dann, wenn mich jemand einlädt und Flug, Unterbringung oder andere Vergnügungen zahlt, müsste ich hellhörig werden und bestimmte Interessen vermuten", sagt er. "Aber viele Mittelständler lassen sich davon blenden und nachher sind die Informationen weg.“

Blume nennt das blauäugig und er kennt die Tricks der Nachrichtendienste. Auf dem diesjährigen Sicherheitsforum der AWS, der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft in Berlin, berichtete er von Aktenvernichtern, die mit Scannern und UMTS-Sendeeinheiten präpariert sind, von Beamern, die Präsentationen unbemerkt aufzeichnen und von USB-Sticks, die mit sogenannten Trojanern, also Ausspähprogrammen gespickt sind. Nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes arbeiten chinesische Führungsoffiziere als Journalisten und Diplomaten getarnt in Deutschland oder besuchen mit Delegationen Messen und Firmen.

Ist der Praktikant ein Spion?

Diskettenstapel, Quelle: AP

Kopien sind schnell gemacht

Unternehmen müssten viel wachsamer sein, fordert August Hanning, Staatssekretär im Bundesinnenministerium. "Wenn sie internationale Praktikanten oder Auszubildende haben, müssen sie sich darüber im Klaren sein, dass dies auch Bestandteil einer Strategie sein kann, um bei ihnen ganz gezielt Know-how auszuspionieren."

Das sind dann Angriffe durch Insider - und auch die werden immer häufiger. Hansjörg Fromm, Leiter des europäischen Zentrums für Geschäftsoptimierung bei IBM Deutschland, liegen Untersuchungen vor, wonach im Jahr 2005 bereits mehr als ein Drittel aller Sicherheitsattacken auf das Konto interner Mitarbeiter ging, 28 Prozent kamen von ehemaligen Mitarbeitern und Partnern. "Missbrauch findet schnell neue Wege. Und je zuverlässiger unsere Firewalls, unser Virenschutz, unsere Passwörter und unsere biometrischen Zugänge, desto cleverer überlegen sich die Spione andere Wege", sagt Fromm.

Immer mehr emails sind getarnte Spione

Zuwachs haben jedoch auch die Internet-basierten Angriffe von außen: Erst jüngst haben Berichte von chinesischen Angriffen auf Regierungscomputer die Runde gemacht. Verfassungsschutz-Vize Remberg bestätigt das: "Wir stellen seit 2005 auf breiter Ebene solche E-Mail-basierten elektronischen Angriffe gegen deutsche Behörden und Wirtschaftsunternehmen fest. Diese werden mit erstaunlicher Intensität durchgeführt, aktuell werden alle ein bis zwei Tage neue Angriffe detektiert.“

Taiwaniesische Hacker, Quelle: AP

Spezialgebiet: Handyüberwachung

In den Anhängen der emails lauern Spähprogramme, die sich automatisch installieren, ohne dass es der Nutzer merkt. Die gesammelten Informationen werden dann über das Internet zurückgeschickt. Oft sind die Datenklau-Programme so geschickt entworfen, dass sie selbst von Spezialisten nicht enttarnt werden können. Und es gibt noch weitere Schwachstellen, erklärt Michael Hange, Vizepräsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik: "W-Lan und Mobilkommunikation sind weitere beliebte Angriffsziele." So biete etwa eine Firma in Thailand die Überwachung von Handykommunikation an: "Man muss nur das Handy seines Partners in die Hand bekommen und dort ein paar Befehle eingeben und schon kann man die Handykommunikation komplett abhören."

Einen hundertprozentigen Schutz vor Wirtschafts- und Konkurrenzspionage gibt es nicht, da sind sich die Experten einig. Sie empfehlen neben einem guten IT-Sicherheitskonzept vor allem ein größeres Problembewusstsein bei den Unternehmensleitern, aber auch eine intensive Schulung aller Mitarbeiter, um die Sensibilität und Wachsamkeit zu steigern. Viele Unternehmen schwanken mit Blick auf ihre Mitarbeiter zwar zwischen Sicherheit, Überwachung und Freiheit. Doch die Experten bleiben hart. Vertrauen, so heißt es, sei gut, Kontrolle aber besser.

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