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Filme

Nachlass-Streit in Fassbinders Filmfamilie

Vor 25 Jahren starb einer der wichtigsten deutschen Regisseure: Rainer Werner Fassbinder. Über 40 Filme hat der rastlose Filmemacher hinterlassen. Der Streit über sein Filmerbe gleicht einem seiner Drehbücher.

Filmemacher Rainer Werner Fassbinder in einer Szene seines Filmes Kamikaze

Fassbinder kurz vor seinem Tod

Die Fassbinder-Frauen - selbst 25 Jahre nach seinem Tod liegen sie sich in den Haaren. Ein Streit, in dem jede für sich behauptet, die wahren Absichten des manischen Regisseurs zu kennen. Im Mittelpunkt des Streits steht die Fassbinder Foundation, die von der Cutterin und Lebenspartnerin Juliane Lorenz, die die Nachlassrechte verwaltet, seine Filme restauriert, Ausstellungen und Retrospektiven organisiert, ins Leben gerufen wurde. Schauspielerin Ingrid Caven, die von 1970 bis 1972 mit Fassbinder verheiratet war, wirft nun Lorenz vor, dass sie mit der Art und Weise, wie sie das bedeutende Fassbinder-Erbe verwalte, den Geist seiner Filme zerstöre.

Juliane Lorenz, die Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation

Juliane Lorenz

Für Juliane Lorenz, die Fassbinder 1982 tot aufgefunden hatte, gibt es indes gar keinen Streit. Für sie steht fest: Nach dem Tod von Mutter Liselotte Eder sei sie "Alleinerbin und alleinige Rechtsnachfolgerin". Doch für Ingrid Caven geht es um mehr als um eine rein juristische Angelegenheit. Sie sieht Fassbinders Nachlass in Gefahr, halte Lorenz für "moralisch ungeeignet" und fordere sie - gemeinsam mit einer Gruppe von insgesamt 25 ehemaligen Weggefährten des Regisseurs - auf, als Geschäftsführerin der Fassbinder Foundation zurückzutreten.

Missliebige Familienmitglieder werden ausgeblendet

Kritik übt Caven vor allem daran, dass Lorenz "ihr missliebige engste Mitarbeiter Fassbinders systematisch von allen Aktivitäten ausgeschlossen" habe. So wurden Ausrichtern von Filmfestivals und Retrospektiven gedroht, dass Filme nicht gezeigt werden könnten, wenn der ein oder andere Weggefährte Fassbinders wie beispielsweise Peter Berling eingeladen sei. Auch wurden von Peer Raben komponierte Werke dem "Komponisten" Fassbinder zugeschrieben, der in seinem ganzen Leben keine einzige Note gezeichnet hatte. Somit radiere Lorenz die Bedeutung von Freunden und engen Mitarbeitern im Leben und Werk von Rainer Werner Fassbinder aus - auf der Strecke blieben vor allem Caven selbst oder Peer Raben, einem dem wichtigsten langjährigen Mitarbeiter.

Der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder steht hinter einer Kamera

Fassbinder: Rastloser Regisseur

Gestritten wird auch um die DVD-Neuauflage von "Berlin Alexanderplatz". Lorenz habe den Film "aus Gründen der besseren Verkäuflichkeit mehr als deutlich aufgehellt". Diese Verfälschung zeuge von "selbstherrlichem Banausentum". Dass Fassbinders Kameramann Xaver Schwarzenberger, der ebenfalls Rechte an dem Film hat, für die nachträgliche Lichtbestimmung maßgeblich bestimmend gewesen war, erwähnt Caven jedoch nicht.

Der Streit schlägt hohe Wellen

In einem Leserbrief an die ZEIT schlägt sich auch Literaturpreisträgerin Elfriede Jelinek auf die Seite von Ingrid Caven. So seien auch ihrer Ansicht nach unter der Leitung von Lorenz "sämtliche Wegbegleiter dieses bedeutendsten Filmemachers (…) aus der Rezeptionsgeschichte seines Werks verdrängt und eliminiert" worden. "Aber wer die Geschichte eines Werks ausradiert", so Jelinek weiter, "beschädigt das Werk selber, da nützen die besten Film-Restaurierungen nichts."

Der Kameramann Michael Ballhaus sitzt in einem leeren Kinosaal

Star-Kameramann Michael Ballhaus

Michael Ballhaus hingegen, der bei einigen wichtigen Filmen Fassbinders Kameraman war, kann nicht verstehen, dass die Filmfamilie rund um Ingrid Caven ernsthaft verlangt, dass Lorenz ihr Lebenswerk aufgebe. Zwar sagt auch er, dass sie "Fehler gemacht" habe. Doch "niemand hat sich so wie Juliane Lorenz in die Aufgabe reingehängt, Fassbinders Erbe der Nachwelt zugänglich zu machen. Sie war es, die nach seinem Tod die ganze Arbeit gemacht hat."

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