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Amerika

Nachhaltigkeit im mexikanischen Urwald

In den vergangenen fünf Jahren wurde in Mexiko durchschnittlich 155.000 Hektar Wald vernichtet. Dass es auch anders und nachhaltig geht zeigt die Kollektivgemeinschaft Noh Bec.

Menschengruppe vor Riesenbaum, Noh Bec, Quintana Roo, Mexiko (Foto DW- Helle Jeppesen)

Das Kollektiv Ejido Noh Bec vor ihrer "Königin", einem uralten Mahagoni

Noh Bec lebt vom Wald. 150 feste und 100 saisonbedingte Jobs gibt der mexikanische Dschungel im Bundesstaat Quintana Roo her. Doch statt ihn abzuholzen, um schnelles Geld mit kostbaren Tropenhölzern zu machen, sorgt die "Ejido", das Besitzerkollektiv, dafür, dass auch kommende Generationen von und mit dem Wald leben können. 24.000 Hektar Land gehören der Ejido Noh Bec – ein Maya-Wort, das "Der breite Weg" bedeutet. 29 Jahre lang wurde der Wald vom mexikanischen Staat, doch seit 1983 werden die Flächen wieder von der Gemeinde selbst verwaltet.

Gummizapfer in Noh Bec, Quintana Roo, Mexiko (Foto: DW - Helle Jeppesen)

Ein Gummizapfer bei der Arbeit

Und die entschloss sich, nur noch vier Bäume pro Hektar und Jahr für den Verkauf zu fällen. Und die werden sorgsam ausgesucht. "Wir schauen wie groß sie sind und wie viele Kubikmeter Holz wir daraus bekommen. So stellen wir auch sicher, dass kein Baum gefällt wird, den wir nicht brauchen. Und ein Baum muss mindestens 55 Zentimeter Durchmesser haben, bevor er gefällt werden darf", erzählt Forstingenieur Barnabe del Angel. Was sich wenig anhört, lohnt sich trotzdem. Auf die Gesamtfläche gerechnet kommen da pro Jahr knapp 100.000 Bäume zusammen und das ergibt fast ein Drittel der mexikanischen Tropenholzproduktion.

Nachhaltigkeit statt Menge.

Das Kollektiv hat es mit nachhaltiger Forstwirtschaft weit gebracht. Der jährliche Umsatz liegt bei einer Million Dollar. Wenn alle Gehälter und Kosten für die Forstwirtschaft bezahlt sind, bleibt immer noch jeder der 216 Mitgliedsfamilien ein Extraeinkommen von 30.000 Pesos, ungefähr 2.000 Euro im Jahr. Darüber hinaus wird auch eine gemeinsame Wasserversorgung subventioniert. Es gibt eine gute Gesundheitsvorsorge für alle und eine kleine Rente für die Älteren.

Urwald in Noh Bec, Mexiko (Foto: DW - Helle Jeppesen)

Das grüne Dach über Noh Bec

Das Management in Noh Bec gilt mittlerweile als vorbildhaft. Einen Teil des Waldes lässt die Gemeinde ganz in Ruhe. "El Huasteco" nennen sie das Gebiet mit dem von Menschen unberührten Urwald, in dem Jaguare, Ozelots und Tapire leben. Die Gemeinde bewacht das Gebiet gegen Wilderer und illegale Holzfäller. Besonders stolz ist Noh Bec auf "La Reina", einen uralten Mahagoni-Baum. Die "Königin" ragt hoch über die anderen Bäume hinaus, ihr Stamm ist unten so breit, dass eine ganze Schulklasse sich darunter stellen könnte. Als der Baum ganz jung war lebten hier noch die Mayas: La Reina ist zwischen 700 und 800 Jahre alt, erzählt Barnabe del Angel. Er liebt diese Bäume, hat sogar seine Tochter auf den Namen Mahagoni getauft, doch mit dem Klimawandel fürchtet er neue Gefahren.

Größere Hurrikan-Gefahr durch Klimawandel

Baumwurzel, Mahagoni-Baum „La Nina“ in Noh Bec, (Foto: DW - Helle Jeppesen)

Mahagoni-Bäume können mehrere hundert Jahre alt werden.

Mit steigenden globalen Temperaturen werde auch die Zahl und die Intensität der Hurrikans in der Karibik zunehmen, warnt die Welt-Meteorologie-Organisation, WMO. Bereits 2007 wurde die Ejido Noh Bec vom Hurrikan Dean heimgesucht – ein Drittel des Waldes wurde dabei so stark beschädigt, dass das Holz vorübergehend nicht mehr vom Forest Stewardship Council, FSC, als nachhaltig zertifiziert wurde. "Es waren so extreme Windstärken, dass die Bäume fast ihre gesamten Blätter verloren haben. Wenn sie auf den Boden fallen, wächst auch die Gefahr für Waldbrände", erzählt Forstingenieur del Angel.

Viele Bäume sind während des Hurrikans umgekippt. Zwar kann man das Holz dann noch nutzen, doch es ist von schlechter Qualität und erzielt keine guten Preise. Auch haben die Gummi produzierenden Bäume stark gelitten. Ihre Adern sind beschädigt worden und es wird zehn Jahre dauern, bevor Noh Bec wieder auf die Produktion kommt, die sie vor dem Hurrikan hatte.

Autorin: Helle Jeppsen

Redaktion: Friederike Schulz/ Anne Herrberg