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Globale Zusammenarbeit

Nachhaltiger Tourismus in Jamaika

Meeresschutz und einheimisches Essen statt Pauschaltourismus - eine Stadt in Jamaika setzt auf nachhaltige Reiseangebote. Die Erträge sollen den Menschen vor Ort helfen.

Bluefields ist als Heimat des Reggae-Musikers Peter Tosh bekannt. In den vergangenen Jahren hat sich die jamaikanische Stadt auch als Urlaubsparadies mit makellosen Sandstränden etabliert - ein verträumter Ort, an dem keine Straßenverkäufer Muschelketten feilbieten oder Touristen überreden wollen, sich gegen Bezahlung Rastazöpfe flechten zu lassen.

Die Einwohner von Bluefields betrachten ihr nachhaltiges Tourismusmodell als mögliche Inspiration für das ganze Land. Das Ziel: Ein größerer Teil der Erträge, die durch den Tourismus erzielt werden, soll in die jamaikanische Wirtschaft fließen.

Eine solche Veränderung ist bitter nötig: Denn obwohl der Tourismus in Jamaika die wichtigste Quelle an ausländischen Devisen für das Land ist, bleibt nicht genug davon auf der Insel. Die meisten Touristen sind Pauschalreisende: Das bedeutet, dass etwa 80 Prozent des Geldes, das die ausländischen Besucher für ihren Urlaub in Jamaika ausgeben, nie im jamaikanischen Wirtschaftskreislauf ankommt. Das zeigt eine Studie der Weltbank aus dem Jahr 2011. Selbst das Essen für die Touristen kommt oft nicht aus Jamaika: Laut einer Studie der US-amerikanischen Universität Florida haben jamaikanische Hotelbesitzer im Jahr 2009 um die 63 Millionen Dollar für importierte Lebensmittel ausgegeben.

Einnahmen sollen in lokaler Gemeinschaft bleiben

Marmaladegläster, die in Bluefields hergestellt wurden (Foto: DW)

Beliebt bei Touristen: Hausgemachte Marmelade

Das wollen die Menschen in Bluefields ändern. Ihr Vorzeigeprojekt sind die Bluefields Bay Villas, ein Komplex von sechs Luxusgebäuden, die vor 30 Jahren errichtet wurden, um Wohnraum an Touristen zu vermieten. Zu jeder Villa gehört ein eigener Koch, eine Haushälterin und ein Butler. Zu den Mahlzeiten gibt es Leckerbissen aus der Region. Lokale Bauern liefern Gemüse und Obst, Fischer bringen ihren frischen Fang direkt in die Küchen. Die ausländischen Gäste kaufen oft auch die hausgemachten exotischen Marmeladesorten und scharfen Soßen, die zu den Mahlzeiten angeboten werden. "Sie mögen sie so sehr, dass sie auch gerne etwas davon kaufen, um es mit nach Hause zu nehmen, also profitieren alle von diesen Produkten", sagt Carmen Hibbert, Managerin der Touristen-Villen in Bluefields. "Die Bauern bringen ihre eigenen Produkte mit. Auch die Leute, die Seife oder Marmelade herstellen, sind hier in der Nähe, also verdienen sie alle Geld. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt."

Etwa 2,7 Millionen Menschen leben in Jamaika - und jeder neunte Einwohner arbeitet in der Tourismusbranche. Wenn sich das Tourismusmodell von Bluefields etabliert, könnte es sich auch langfristig positiv auf die Bewohner der Insel auswirken.

Schnorcheln statt Fischen

Neben dem Verkauf von einheimischen Produkten an Touristen kümmern sich die Menschen in Bluefields auch um den Schutz der Naturressourcen. In der Vergangenheit war die Küstenregion überfischt, aber die Betreiber der Touristen-Villas haben zusammen mit der lokalen Gemeinschaft von Bluefields ein Meeresschutzreservat eingerichtet, wo das Fischen verboten ist. Das Schutzgebiet ist mittlerweile das größte im Umkreis der Insel. Dort gibt es Riffs, die ideal zum Schnorcheln und Tauchen sind. Fischer haben sich freiwillig gemeldet, um das etwa 3.000 Hektar große Areal rund um die Uhr zu überwachen - zum Beispiel Owen und Howard. Sie erzählen, dass sie während ihres ehrenamtlichen Einsatzes einen etwa 700 Pfund schweren Fisch gesehen hätten - das sei wegen der Überfischung noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen.

Porträt von Wolde Kristos, Manager des Vereins Bluefield People’s Community Association (Foto: DW)

Aktivist Wolde Kristos setzt sich für nachhaltigen Tourismus ein

Die Gemeinschaft von Bluefields will sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. Doch die Regierung tue nicht genug, um das neue Tourismusmodell der etwa 25.000 Einwohner zählenden Stadt zu fördern. "Unsere Regierung wirbt nicht auf ausgewogene Weise für Jamaika als Standort", kritisiert Wolde Kristos, Manager des Vereins Bluefields' People Community Association. "Sie erlaubt den Anbietern von Pauschalreisen, den Markt zu dominieren." Das würde die lokale Gemeinschaft stark benachteiligen.

Doch der jamaikanische Tourismusminister Wykeham McNeill erklärt, die Regierung habe die Absicht, das Tourismusmodell von Bluefields im ganzen Land zu verbreiten. "Wenn die Gäste die Einheimischen wirklich kennen lernen, kann uns das helfen, den Tourismus weiterzuentwickeln", sagt der Minister im Gespräch mit der DW. "Ich bin stolz auf das, was in Bluefields geschieht."