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Welt

Nachhaltiger Dialog und lebhafte Debatten

Das Aspen Institute in Berlin feiert sein 40-jähriges Bestehen. Grund genug für eine persönliche Danksagung von Michael Knigge.

Viele Organisationen mit unterschiedlichen Programmen widmen sich in Europa, den USA und anderswo dem internationalen Dialog und Austausch. Das verläuft häufig so: Die Teilnehmer treffen sich für einen Tag oder ein Wochenende in einem Hotel oder Konferenzzentrum. Tagsüber diskutieren sie über die drängendsten globalen Probleme, abends geht es beim gemeinsamen Dinner oder an der Bar weiter mit Networking und dem gegenseitigen Kennenlernen.

Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden, denn miteinander diskutieren und sich kennenlernen kann nie schaden. Aber wie nachhaltig diese kurzen Treffen wirklich sind, ist fraglich. Erstens, weil sie ein bisschen wie Speed-Dating sind. Denn innerhalb eines eng begrenzten Zeitraums, über höfliches Geplänkel hinaus, tragbare Verbindungen mit einem großen, internationalen Personenkreis zu knüpfen, ist mitunter schwierig. Und zweitens, funktionieren diese Kurztreffen oft wie der Urknall - eine einzige große Veranstaltung und danach Stille.

Keine Eintagsfliege

Deutsche Welle Michael Knigge

DW-Redakteur Michael Knigge

Ganz anders beim "German-American Young Professional Programm" des Aspen Institute in Berlin, an dem ich 2005 und 2006 teilnehmen durfte. (Richtig, die Titel dieser Veranstaltungen sollte man generell nicht ganz so ernst nehmen.) Was das Aspen-Programm auszeichnete, war die Tatsache, dass es sich nicht um ein einmaliges Treffen handelte, sondern es sich über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren erstreckte.

In dieser Zeit traf sich unsere Gruppe (Mitglieder der US-Administration, Mitarbeiter von Bundestagsabgeordneten, Stiftungen und Denkfabriken, Banker sowie ein Firmengründer und zwei Journalisten aus Deutschland und den USA) viermal für jeweils ein Wochenende. Treffpunkt war zweimal Berlin, je einmal Brüssel und Washington.

Zu wissen, dass wir den Versuch die Probleme der Welt zu lösen – wie bei Konferenzen dieser Art üblich – nicht an einem einzigen Wochenende wagen mussten, hatte eine befreiende Wirkung.

Lebhafte Debatte

Natürlich erarbeiteten und verfassten auch wir emsig mögliche Lösungen für internationale Konflikte. So behandelten wir unter anderem die Themen Energiesicherheit, den Nahen Osten und die Zukunft des transatlantischen Verhältnisses. Da wir jedoch für die Themen mehr Zeit – und die Unterstützung lokaler Experten – hatten, erschienen mir unsere Diskussionen weniger atemlos und grundlegender als das oft der Fall ist.

In diesem Zusammenhang ist ein Verweis auf den damaligen Aspen Institute-Direktor Jeff Gedmin angebracht. Gedmin, der allgemein, wahrscheinlich nicht zu Unrecht, als inoffizieller Botschafter George W. Bushs in Deutschland und Neokonservativer galt, war eine umstrittene Person. Aber was ihn von manch offiziellem Botschafter unterschied, waren sein hervorragendes Deutsch und seine Leidenschaft für politische Debatten. Seine Sachkenntnis über Deutschland gepaart mit einem Interesse an lebhafter Diskussion prägten das Programm und machten es anders als vergleichbare Veranstaltungen.

Bleibender Eindruck

Um die Köpfe nach oft kontrovers geführten Diskussionen wieder frei zu bekommen, gingen wir zum Public Viewing der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 (und sahen Deutschlands 4:2 Auftaktsieg gegen Costa Rica), kochten unter professioneller Anleitung unser eigenes Abendessen oder unternahmen Spaziergänge durch Berlin, Brüssel und Washington.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass unsere vier transatlantischen Treffen bei mir einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen haben als andere ähnliche Veranstaltungen. Bis heute stehe ich immer noch in regelmäßigem Kontakt mit Teilnehmern unserer Gruppe von beiden Seiten des Atlantiks.

Der 40. Geburtstag des Aspen Institute Deutschlands ist eine gute Gelegenheit, sich dafür zu bedanken und die Hoffnung auszudrücken, dass breitangelegte, aber nachhaltige Programme wie diese auch in Zukunft möglich sind.