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Wirtschaft

Nachfolger Annans in der UNO gesucht

Ende des Jahres 2006 tritt Kofi Annan als UNO-Generalsekretär ab. Die Suche nach einem Nachfolger hat bereits begonnen. Besonders in Asien rechnen sich Kandidaten und Regierungen gute Chancen aus.

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Ban Ki Moon aus Südkorea – der nächste UNO-Chef?

Das Rennen um die Nachfolge Kofi Annans an der Spitze der UNO ist ein Dreivierteljahr vor dessen Abtritt in vollem Gange. Bei der Suche nach geeigneten Kandidaten richten sich die Blicke vor allem auf Asien. Denn dieser Kontinent wäre gemäß dem inoffiziellen Rotationsprinzip der Welt-Organisation an der Reihe, den UNO-Vorsitzenden zu stellen. Asien hat bislang mit dem Burmesen Sithu U Thant nur einmal den Generalsekretär (1961-71) gestellt.

"Asien ist wieder dran", meint auch der Asien-Wissenschaftler Hanns Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Zuvor waren es Afrikaner, beziehungsweise ein Lateinamerikaner. Und ein Kandidat aus einem Industrieland ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse nicht durchsetzbar."

Vier Kandidaten

Bisher werden unter Diplomaten und politischen Beobachtern vier Männer aus Asien als mögliche Annan-Nachfolger gehandelt: der südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon (61), der stellvertretende thailändische Ministerpräsident Surakiart Sathiratai (48), der Diplomat Jayantha Dhanapala (66) aus Sri Lanka sowie der Friedensnobelpreis-Träger Jose Ramos-Horta (56) aus Ost-Timor.

Ban Ki Moon signalisierte bereits im vergangenen Jahr sein Interesse an dem Posten. Offizielle Rückendeckung von seiner Regierung hat er jedoch erst seit diesem Februar. Nach Einschätzung Hilperts haben der Südkoreaner und sein Mitbewerber aus Thailand die besten Aussichten, eine absolute Mehrheit der 191 Staaten in der UNO-Vollversammlung hinter sich zu bringen. Dabei könnte Ban die Nase am Ende vorn haben. "Thailand war bei der Besetzung des WTO-Chefpostensan der Reihe", gibt der Asien-Experte zu bedenken. "Deshalb könnte man sagen, nun sollte hier einem Koreaner der Vortritt gelassen werden."

Thailands Taktieren

Surakiart Sathirathai

Surakiart Sathirathai (Archiv-Bilder)

Für den thailändischen Ministerpräsidenten spricht allerdings, dass Thailand die Unterstützung der ASEAN-Staaten und Chinas hat. Zudem bewege sich das Land auf dem internationalen diplomatischen Parkett sehr geschickt, sagt Hilpert. Es hat einen Bündnisvertrag mit den USA und versteht sich trotzdem gut mit den Chinesen; es hat beste Beziehungen zu Japan und zu den europäischen Ländern. "Es ist kein Land", meint Hilpert, "das große Bauchschmerzen bereiten würde."

Der Asien-Experte Marco Bünte vom Institut für Asienkunde in Hamburg teilt diese Charakterisierung der geschickten Diplomatie Thailands. Er meint aber, dass Surakiart Sathiratai im Sicherheitsrat keine Mehrheit finden würde. "Er hat zwar die Unterstützung Chinas und in der Region", sagt Bünte. "Aber er hat sich nach Thailands Menschenrechtsverletzungen im Süden mit der damaligen Flüchtlingskommissarin angelegt und gesagt, dass die Menschenrechte thailändische Angelegenheiten seien und dass sich da die internationale Gemeinschaft nicht einmischen sollte. Und das hat ihn letztendlich für einige Staaten im Westen diskreditiert." Zudem gebe es bereits eine Pressemitteilung von den USA, dass man diesen Kandidaten nicht unterstützen werde. "Er wird zwar noch lanciert, aber die Chancen stehen recht schlecht."

Verkörperung von Demokratie und Menschenrechten

Jayantha Dhanapala

Jayantha Dhanapala

Für wenig aussichtsreich halten die beiden Asienkenner die Kandidaturen von Jayantha Dhanapala und von Jose Ramos-Horta, wenngleich Hilpert eine Wahl des Friedensnobelpreisträgers Ramos-Horta als "genial" bezeichnen würde. "Er ist jemand, der dafür steht, dass Freiheit, Demokratie und Menschenrechte verwirklicht werden", sagt Hilpert. Ramos-Horta stehe mit seiner Politik aber im Gegensatz zu den Positionen anderer Regierungen in dieser Region. Grade die Chinesen würden seine Kandidatur nicht befürworten - und das Land verfügt im Sicherheitsrat über ein Veto-Recht.

Hausgemachte Probleme

Jose Ramos-Horta

Jose Ramos-Horta

Die Wahl eines Asiaten zum nächsten UNO-Generalsekretär können - so scheint es derzeit - wohl nur die asiatischen Regierungen selbst durchkreuzen. Bereits vor fünf Jahren wäre dem Rotationsprinzip zufolge ein Abgesandter dieses Kontinents an der Reihe gewesen. Damals kam es nicht dazu, weil man sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. "Es ist denkbar, dass das wieder passiert", sag Hilpert. Es gebe eine ganze Reihe von Konfliktlinien in Asien: eine Linie zwischen denjenigen Ländern, die Demokratie, Menschenrechte und Selbstbestimmung forcieren, und solchen, die eher die autoritäre Linie fahren. Dann verlaufe eine Front zwischen Japan und China. Zudem gebe es Länder, die eng mit den USA zusammenarbeiten, und solche, die dies ablehnen. Hinzu kämen verschiedene regionale Konflikte. "Das ist ein Potpourri an möglichen Konfliktlinien und Differenzen", sagt Hilpert, "das die Suche nach einem möglichen Konsenskandidaten in Asien sehr schwer macht."

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