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Aktuell Deutschland

Nachdenken über Deutschland

Ausrufung der Republik, Reichspogromnacht, Mauerfall: Die Deutschen gedenken am 9. November der Höhen und Tiefen in ihrer jüngeren Geschichte. Bundespräsident Gauck besuchte dazu ein jüdisches Gymnasium in Berlin.

Bei einem Gespräch mit Schülern des jüdischen Moses-Mendelssohn-Gymnasiums in Berlin sagte Bundespräsident Joachim Gauck, die Ereignisse der Pogromnacht vom 9. November 1938 und der Fall der Mauer vor 23 Jahren sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Es sei zwar richtig, niemals zu vergessen, "was die Nazi-Barbarei gemacht habe. Ebenso wichtig ist es nach Ansicht Gaucks jedoch, "die glückhafte Geschichte des Mauerfalls" darzustellen. Wenn Jugendliche ausschließlich die Geschehnisse im Dritten Reich betrachteten, "dann würden sie die Wirklichkeit Deutschlands verfehlen", fügte der Bundespräsident hinzu. Er rief zugleich zur Zivilcourage auf. Der Staat könne zwar nicht fordern, dass sich einzelne Bürger "Schlägertypen" in den Weg stellten. Jedoch "können wir Zeuge sein".

"Für unsere Gesellschaft beschämend"

In der Pogromnacht 1938 gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Minderheit im Reich über. Es brannten Synagogen, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass mehr als 1300 Menschen getötet und mindestens 1400 Synagogen in Deutschland und Österreich stark beschädigt oder zerstört wurden. Das öffentliche Leben der Juden in Deutschland kam nach den Pogromen völlig zum Erliegen.

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Vor 23 Jahren: die Berliner Mauer fällt

In Berlin-Spandau wurde das bestehende Mahnmal für die zerstörte Synagoge erweitert. "Mit dem Gedenken kommen diese Menschen uns wieder nah", sagte der evangelische Bischof Markus Dröge bei der Einweihung einer Mauer mit den Namen von Holocaust-Opfern des Bezirks. Der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, hatte bereits am Donnerstagabend bei einer Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde erklärt, Juden müssten in Deutschland ihre Religion und ihre Identität unbehelligt leben können. "Antisemitische Angriffe wie unlängst auf einen Rabbiner sind für unsere Gesellschaft beschämend", sagte der SPD-Politiker.

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters rief zum Engagement gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus auf. Die Gesellschaft müsse sich dem Rechtsextremismus und der rechtsextremen Gewalt stellen, die in Deutschland "eine Realität geworden" seien, sagte Roters in einer Gedenkveranstaltung in der Kölner Synagoge.

Amadeu-Antonio-Stiftung startet Aktionswochen

"Wer den aktuellen Antisemitismus aus den Augen verliert, kann sich das Gedenken an die Novemberpogrome sparen", erklärte die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane. Die Organisation startete ihre bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus. Daran beteiligen sich in diesem Jahr 110 Organisationen und Initiativen in 90 Städten. Die Stiftung ist nach einem angolanischen Arbeiter benannt, der 1990 von rechtsradikalen Jugendlichen in Brandenburg getötet wurde. Er war das erste Todesopfer rassistischer Gewalt nach dem Fall der Mauer.

Auf einen 9. November fielen aber nicht nur Pogromnacht und Mauerfall, sondern auch die Ausrufung einer deutschen Republik - vom Berliner Reichstag aus - durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann im Jahr 1918. Fünf Jahre später wurde in München der Putschversuch von Adolf Hitler und anderen Gegnern der Weimarer Republik mit Polizeigewalt niedergeschlagen. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte deshalb, um kein anderes Datum gruppierten sich Glanz und Elend in der deutschen Geschichte in einer auch nur vergleichbaren Art und Weise. Der CDU-Politiker erklärte zum Auftakt einer Plenarsitzung: "Es ist der prominenteste Tag in der deutschen Geschichte."

sti/hp (dapd, dpa, epd)

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