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Nachbesserung

Das Folgende wird allmählich zur Folklore: Kaum hat ein Gesetz die parlamentarischen Hürden genommen – was verlangen da unisono Parteien, Verbände und interessierte Laien? Richtig: Nachbesserungen.

Burkhard Spinnen (Foto privat)

Burkhard Spinnen

Ob das nun in der Sache gerechtfertigt ist oder nicht, sollen andere entscheiden. Ich frage mich eher, was man aus der Karriere des Wortes Nachbesserung lernen kann.

Nachbesserung ist eines der vielen Wörter, die sich der Fähigkeit des Deutschen verdanken, Sprachmaterial miteinander zu verkuppeln. So hat das Verb bessern neben nachbessern auch verbessern und ausbessern und die entsprechenden Nomina gezeugt. Allerdings wurde nachbessern lange Zeit kaum verwendet, während seine Geschwister glänzen durften.

Im Glanz: das Verbessern

Vor allem natürlich verbessern! Denn da bessern meist als sich bessern gebraucht wird und damit jenen heiklen Vorgang bezeichnet, der sich früher in Besserungsanstalten abspielte, steht verbessern eindeutig positiv da. Verbessern ist wunderbar, und nichts gibt es, das nicht durchs Verbessern besser würde.

Schwieriger schon: ausbessern. Man bessert aus, was vorher beschädigt wurde. Eine Ausbesserung verbessert also nicht eigentlich, sondern stellt den Zustand vor der Beschädigung wieder her. Ausbesserungen bedeuten eine Wertminderung.

Die unscheinbare Dritte

Ein Gleitschirmflieger segelt mit Kurs auf zwei Windraeder (Foto: AP)

Muss der Kurs nachgebessert werden?

Wie aber steht es um die unscheinbare Dritte, die Nachbesserung? Ich denke, sie rangiert weit entfernt von der Verbesserung und noch unter der Ausbesserung. Das Ausgebesserte war vor seiner Beschädigung einmal heil. Aber das Nachzubessernde kommt bereits beschädigt oder gar unbrauchbar aus der Produktion! Das Nachbessern ist also eine peinliche Angelegenheit und sollte eigentlich nicht nötig sein.

Doch ausgerechnet die Nachbesserung hat eine so steile Karriere im öffentlichen Sprachgebrauch gemacht, dass ihre Geschwister dagegen verblassen. Offenbar sind also zuletzt etliche Spitzenprodukte Made in Germany mit derart vielen Macken durch die Qualitätskontrolle gerutscht, dass ihnen schon auf dem Weg zum Kunden die Monteure nachlaufen mussten – womit das Nachbessern in alle Munde kam.

Oft werden wenig verwendete Worte gebraucht, um Sachverhalte zu verschleiern. Aber manchmal ist es auch ganz anders. Dann erscheint aus den abgelegenen Sprachregionen ein Wort, das die Sache sehr genau trifft. In diesen Fällen haben wir es nicht mit einem flüchtigen Modewort zu tun. Nein, dann ist, wie so oft, die Sprache klüger als die, die glauben, sie hätten sie Griff. Mit der Nachbesserung haben wir einen solchen Fall. Leider.

Burkhard Spinnen, geboren 1956, schreibt Romane, Kurzgeschichten, Glossen und Jugendbücher. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Spinnen ist Vorsitzender der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises. Zuletzt ist sein Kinderbuch "Müller hoch Drei" erschienen (Schöffling).

Redaktion: Gabriela Schaaf

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