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Kultur

Nachbeben in China sorgen für Panik

Ein neues Beben der Stärke 6 im Südwesten Chinas hat die Menschen in Panik versetzt. Sechs Tage nach dem verheerenden Erdbeben in China schwinden die Hoffnungen auf die Rettung verschütteter Menschen.

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Soldaten tragen einen Verletzten. Immer seltener werden Überlebende geborgen

Starke Nachbeben und Regenfälle haben das Schicksal der Überlebenden im Erdbebengebiet der südwestchinesischen Provinz Sichuan zusätzlich erschwert. In der Provinzhauptstadt Chengdu flüchteten viele Menschen auf die Straßen. Die Regenfälle lösten Erdrutsche aus. Viele notdürftig mit Planen errichtete Unterkünfte konnten dem Regen nicht trotzen.

Präsident Hu Jintao im Gespräch mit Soldaten (Quelle: AP)

Präsident Hu Jintao informiert sich über die Rettungsarbeiten

Wegen einer dreitägigen Staatstrauer wird der olympische Fackellauf ausgesetzt. In drei Schweigeminuten soll das Volk am Montag um 14.28 Uhr Ortszeit - exakt zum Zeitpunkt des Erdbebens vor einer Woche - der Todesopfer gedenken. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao bedankte sich beim Ausland für die Unterstützung. Mehr als 200 Katastrophenhelfer aus Japan, Russland, Taiwan, Südkorea und Singapur im Einsatz, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

Am Samstagabend hätten russische Helfer eine 61 Jahre alte Frau noch rund 127 Stunden nach dem Beben lebend aus den Trümmern geborgen. Zahlreiche Staaten haben Hilfslieferungen und Rettungsteams angeboten. Mehr als 100.000 chinesische Soldaten sind im Erdbebengebiet im Einsatz und organisieren die Hilfe. Die Bergungsmannschaften retteten am Samstag, fünf Tage nach dem Erdbeben, noch mindestens 63 Menschen lebend aus den Trümmern.

50.000 Tote befürchtet

Allerdings schwinden zunehmend die Hoffnungen auf die Rettung verschütteter Menschen: Die Aufräummannschaften konzentrierten sich ab Sonntag zunehmend auf die Bergung von Toten, um dem Ausbruch von Seuchen vorzubeugen. Nach amtlichen Angaben stieg die Zahl der Toten auf 32.477, insgesamt wurden 50.000 Tote befürchtet. Mehr als 220.000 Menschen seien bei dem Beben der Stärke 7,9 am vergangenen Montag verletzt worden

Helfer aus Taiwan suchen nach Überlebenden (Quelle: Ap)

Helfer aus Taiwan suchen nach Überlebenden

Nach dem Erdbeben drohen Dammbrüche. Am Oberlauf des Jian-Flusses bei Pengzhou brach ein natürlicher Damm, der sich durch einen Erdrutsch gebildet hatte. Bei der folgenden Flutwelle habe es wegen vorheriger Evakuierungen allerdings keine Opfer gegeben. Mehrere Flüsse im Erdbebengebiet sind durch Erdrutsche gestaut. Auch sind viele Staudämme von Wasserkraftwerken beschädigt. Die Stadt Beichuan musste am Samstag eiligst evakuiert werden, weil ein natürlicher Damm zu brechen drohte. Alle Rettungsmannschaften und tausende Menschen mussten die schwer zerstörte Stadt verlassen und sich in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit bringen. Bislang ist der Damm oberhalb der Stadt aber nicht gebrochen, berichteten die Behörden.

Deutscher Überlebender: "Es war wie eine Atombombe"

Der Deutsche, der nach dem Erdbeben in Südwestchina fünf Tage lang in einem Dorf abgeschnitten war, hat die Erdstöße im Epizentrum wie einen Weltuntergang beschrieben. Nach seiner Rettung am Samstag sagte der 62-Jährige der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua: "Als Bergsteiger bin ich schon in viele gefährliche Situationen geraten, aber niemals in ein solches Erdbeben." Mit seinem Übersetzer und Fahrer fuhr der Mann gerade über eine Brücke im Landkreis Wenchuan, als Erdstöße der Stärke 7,9 den Boden erbeben ließen. Steine seien herabgefallen, dann folgte viel Staub. "Alles begann sich zu bewegen", sagte der Mann. "Es war die Hölle, wie eine Atombombe, wie im Film, wie der Weltuntergang."

Zehn Minuten später sei es ruhiger geworden. Sie seien aus dem Auto gestiegen und über Geröll von einem Erdrutsch geklettert. Weiter vorn hätten sie das Dorf Taoguan gefunden. Einige Gebäude auf einem Industriegelände seien stark zerstört gewesen. In den fünf Tagen hätten die Dorfbewohner ihn und seine Begleiter mit Nahrung und Wasser versorgt. Nachts hätten sie im Auto geschlafen. "Diese Menschen sind sehr, sehr hilfreich gewesen", zitierte ihn Xinhua aus einem Telefoninterview. Er habe sich angesichts der Trauer der Dorfbewohner über die Getöteten sehr hilflos gefühlt.

Erst am Samstag konnten der Deutsche und seine Begleiter in ein Notaufnahmelager am Sitz der Kreisregierung von Wenchuan gebracht werden. "Mir geht es gut, mit mir ist alles in Ordnung", sagte der 62-Jährige. Als erstes habe er seine Frau in Deutschland angerufen. "Als sie meine Stimme hörte, weinte sie." (stl)

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