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Asien

Nachbeben erschüttert Katastrophenregion

Ein besonders starkes Nachbeben der Stärke 6,2 hat viele Japaner erneut in Panik versetzt. Die Warnung vor einem neuen Tsunami konnte aber schon bald aufgehoben werden. Die Lage an der Ostküste ist katastrophal.

A ship washed away by tsunami sits amid debris in Kesennuma, Miyagi Prefecture, Sunday, March 13, 2011 after Japan's biggest recorded earthquake hit its eastern coast Friday. (AP Photo/Itsuo Inouye)

Unfassbare Gewalten: Die Präfektur Miyagi nach dem Tsunami

Das Nachbeben am Montagvormittag Ortszeit (14.03.2011) war das bislang stärkste nach den verheerenden Erdstößen vom Freitag. Das Epizentrum lag vor der Küste, rund 150 Kilometer nordöstlich von Tokio entfernt. Vorsorglich gaben die örtlichen Behörden eine Tsunami-Warnung heraus, hoben sie wenig später aber wieder auf. Inzwischen dokumentieren immer neue Bilder das apokalyptische Ausmaß der Zerstörung durch das Beben der Stärke 9,0 und den darauffolgenden Tsunami. Offiziell sind bei der Katastrophe vom Freitag mindestens 5000 Menschen ums Leben gekommen, doch bei dieser Zahl wird es kaum bleiben: Allein an der Küste der Präfektur Miyagi wurden etwa 2000 Leichen gefunden - und zu viele Menschen werden noch vermisst. Die Suche nach ihnen geht fieberhaft weiter.

70 Nationen wollen helfen

Zerstörte Autos und mehr nach dem Tsunami (Foto:dpa)

Die Aufräumarbeiten werden enorm sein.

100.000 Soldaten hat die japanische Regierung zu Rettungseinsätzen beordert, auch zahlreiche ausländische Helfer haben die Arbeit aufgenommen. Mehr als 70 Länder wollen Japan beistehen und haben ihre Unterstützung angeboten. Aus Deutschland sind bereits Spezialisten des Technischen Hilfswerkes im Einsatz, China schickte ebenso ein Rettungsteam wie Südkorea. Die Rettungs- und Aufräumarbeiten werden durch die zerstörte Infrastruktur enorm erschwert. An der Ostküste sind viele Landstriche noch immer unzugänglich, zahlreiche Straßen unbefahrbar. Hunderttausende Menschen sind obdachlos. Ihre Versorgung – vor allem mit frischem Wasser – ist ein ungeheures logistisches Problem.

Auch in den umliegenden Gebieten wächst die Not. Während die Welt die grausigen Bilder aus den nur Dutzende Kilometer entfernten Katastrophengebieten verfolgt, leiden auch die Menschen in den weniger beschädigten Vorgebieten unter Versorgungsmängeln, Erschöpfung und Ungewissheit. Es gibt kein Benzin und immer weniger Lebensmittel, ohne Treibstoff ist an Nachschub aber nicht zu denken. Etliche Unternehmen haben ihre Produktion gestoppt. Viele Fabriken sind entweder zerstört oder von der Stromversorgung abgeschnitten. Weltkonzerne wie Toyota, Sony und Toshiba werden die Bänder tagelang anhalten müssen, weil keine Teile von den Zulieferbetrieben kommen.

Japanese refugees rest inside a school gymnasium where hundreds took shelter in Sendai, northeastern Japan, on Monday, March 14, 2011 following Friday's massive earthquake and the ensuing tsunami. (AP Photo/David Guttenfelder)

Zehntausende Menschen müssen in Notunterkünften leben - und versorgt werden

Mehrere Häfen an der Ostküste sind schwer beschädigt. In Hachinohe, Sendai, Ishinomaki und Onahama ist nach Angaben von Hafenbetreibern und Reedereien für Monate, wenn nicht sogar Jahre kein Betrieb möglich. Japans neuntgrößter Container-Hafen Kashima und der kleinere Hafen Hitachinaka seien weniger stark beschädigt, würden aber voraussichtlich erst in einigen Wochen wieder in Betrieb gehen. Dutzende Container-Schiffe seien außerdem zerstört worden. Die Hafenausfälle werden nicht nur die internationalen Warenströme erheblich stören, sie machen auch die Hilfs- und Aufräumarbeiten in dem Katastrophengebiet noch einmal schwerer.

High-Tech-Land vor dem Blackout

Wegen der Schäden an den Atomanlagen drohen dem High-Tech-Land Japan zudem massive Engpässe in der Stromversorgung. Um große Blackouts zu vermeiden, sehen sich die Stromkonzerne gezwungen, Energie zu rationieren. An der Börse in Tokio kam es am Montag zu einem Kurssturz. Schon kurz nach Öffnung der Aktienmärkte brach der Nikkei-Index um mehr als sechs Prozent ein und rutschte unter die wichtige Marke von 10.000 Punkten. Die japanische Zentralbank pumpte die Rekordsumme von sieben Billionen Yen (rund 62 Milliarden Euro) in das Finanzsystem, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Mehrere europäische Staaten empfehlen ihren Staatsbürgern, Japan zu verlassen. Die Deutschen in der von Erdbeben und Tsunami betroffenen Region sowie im Großraum Tokio/Yokohama wurden aufgefordert zu prüfen, "ob ihre Anwesenheit in Japan derzeit erforderlich ist, und, wenn dies nicht der Fall sein sollte, ihre Ausreise aus dem Land in Erwägung zu ziehen". Dies gelte insbesondere für Familien mit kleinen Kindern, heißt es auf der Internetseite der deutschen Botschaft in Tokio.

Autor: Rolf Breuch, Christian Walz (afp, dapd, dpa, rtr,)
Redaktion: Sabine Faber

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