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Nahost

Nachbar in Sorge

"Wir weinen nicht um die Iraker, aber das amerikanische Vorgehen gefällt uns auch nicht." Mit diesen Worten schildert der iranische Politologe Seyed Kazem Sajjadpour eine im Iran verbreitete Sicht auf den Irak-Konflikt.

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In Teheran werfen die Menschen zurzeit besonders sorgenvolle Blicke in die Zeitung

Wie kaum ein anderer Nachbarstaat verfolgt der Iran die Entwicklungen um einen Irak-Krieg mit gemischten Gefühlen. Offiziell will Teheran sich heraushalten. Es steht dort jedoch fest, dass ein Angriff auf den Irak auch Auswirkungen auf das eigene Land haben wird. Für Teheran bedeutet es dabei keinen Grund zur Zufriedenheit, dass in diesem Fall zwei Staaten aneinander geraten – die USA und der Irak -, mit denen der Iran keine oder nur schlechte Beziehungen unterhält.

Gegen die Missionare

Der iranische Präsident Mohammad Chatami

Die Probleme seines verhassten Nachbarn könnten bald zu seinen werden: Irans Präsident Chatami (Archiv-Bild)

"Wir weinen nicht um die Iraker, denn sie sollten die UN-Resolutionen erfüllen", sagt Seyed Kazem Sajjadpour im Gespräch mit der Deutschen Welle. Er ist Generaldirektor des Teheraner "Instituts für Politische und Internationale Studien". Sajjadpour fügt freilich hinzu: "Andererseits gefällt uns das amerikanische Vorgehen aber auch nicht. Dieses Vorgehen ist eine Art missionarische Handlung, um die Region zu verändern und es ist reines Abenteurertum, die Ergebnisse sind ungewiss und vielleicht verheerend". Der Politologe betont, dass es sich dabei um seine eigene Meinung handele und er nicht für alle Iraner sprechen könne.

Der Iran hat in den vergangenen Wochen wiederholt versucht, zu vermitteln und den Krieg zu verhindern. Sajjadpour meint, dass das Scheitern dieser Bemühungen auch eine Gefährdung der Sicherheit seines Landes bedeuten könnte. "Bei Kriegen weiß man nicht, was passieren wird, welche Wendungen alles nehmen wird - nicht nur für den Irak, sondern auch für seine Nachbarn. Es gibt sehr viel Ungewissheit und das macht uns Sorge."

Trugschluss

Nach Einschätzung des iranischen Politologen gibt es bei den Amerikanern die grundlegende Annahme, dass sie in dieser Region alles mit militärischer Gewalt lösen könnten und dass sie das Militär als Werkzeug für eine soziale Umgestaltung der Region nutzen könnten. Sajjadpour hält dies für einen Trugschluss. Soziale Umgestaltungen ließen sich nur auf dem Papier gut planen, sagt er und warnt: "In Wirklichkeit - wenn man mit Problemen und Herausforderungen konfrontiert ist - dann ist das Ergebnis nicht klar und manchmal ist das sehr kontraproduktiv gegenüber dem, was man geplant hatte."

Kommandeure und Befehlsempfänger

Vor diesem Hintergrund betrachtet Sajjadpour auch den Streit, der sich über die Irak-Frage zwischen den USA und Europa abspielt. Er vertritt die Ansicht, es handele sich ohnehin nicht in erster Linie um einen Konflikt zwischen den USA und dem Irak. "Es geht um das internationale System", erklärt der Politologe. "Die Amerikaner wollen jeden - inklusive die europäischen Verbündeten - herumkommandieren. Sie wollen sie nicht als Führer des Westen 'anführen', sondern sie wollen ihnen Befehle erteilen."

Europa akzeptiere diese Befehle offensichtlich nicht. Dort achte man sehr auf das internationale Recht, auf die Haltung der Vereinten Nationen und auf die öffentliche Meinung. "Ich glaube", so Sjjadpour, "wir teilen all dies mit Europa. Und ich muss sagen: Nicht nur im Iran, in der Region, in Asien und nichtwestlichen Ländern ist die europäische Position willkommen, man folgt ihr und hofft, dass sie Erfolg hat."

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