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Welt

Nach Wolga-Unglück über 100 Tote befürchtet

Nach dem Untergang eines Ausflugsschiffs auf der Wolga werden immer mehr Leichen geborgen. Für die mehr als 100 Vermissten bestehe kaum noch Hoffnung, teilten die Behörden in Russland mit.

Rettungskräfte auf Schlauchbooten (Foto: AP)

An der Unglücksstelle ist die Wolga am breitesten

Einen Tag nach dem schweren Schiffsunglück in Russland schwindet die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Rettungskräfte bergen immer mehr Tote, darunter auch viele Kinder. Etwa 110 Menschen gelten an diesem Montag (11.07.2011) als tot oder vermisst, darunter mindestens 30 Kinder. Die Chancen noch Lebende zu retten, seien minimal, teilte das örtliche Zivilschutzministerium nach einer Krisensitzung mit.

Noch in der Nacht hatten Taucher mit ihrer Suche in dem Wrack auf dem Grund des Flusses begonnen. Etwa 80 Menschen waren zuvor gerettet worden. Sie sprachen von vielen, vielen Toten.

Während des Unglücks herrschte ein Unwetter

Das mehr als 50 Jahre alte Kreuzfahrtschiff "Bulgaria" war am Sonntagnachmittag mit fast 200 Menschen an Bord gesunken. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschten schwerer Wind und Regen.

Sanitäter, Angehörige und Freunde der Passagiere am Ufer der Wolga; im Hintergund die Arabella (Foto: AP)

Waren zu viele Menschen an Bord des Unglücksschiffs?

Das nachfolgende Kreuzfahrtschiff "Arabella" habe zahlreiche Menschen von der sinkenden "Bulgaria" gerettet, teilten die Behörden mit. Zwei Männern soll es gelungen sein, ans Ufer zu schwimmen.

Innerhalb weniger Minuten gesunken

Laut Zeugen sank das Schiff mit zwei Decks innerhalb weniger Minuten rund drei Kilometer vom Ufer entfernt. Die Unglücksstelle befindet sich in der Nähe von Sjukejewo etwa 80 Kilometer von Kasan - der Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan – entfernt. An dieser Stelle ist die Wolga am breitesten und etwa 20 Meter tief.

Präsident Dmitri Medwedew ordnete einen Großeinsatz von Rettungskräften an. Das Zivilschutzministerium schickte ein Rettungsflugzeug mit Sondereinsatzkräften in die Region. Die Generalstaatsanwaltschaft entsandte Sonderermittler.

Technische Mängel?

Karte Wolga-Unglück bei Kasan (Grafik: DW)

In der Teilrepublik Tatarstan herrscht Trauer

Laut ersten Ermittlungen soll die "Bulgaria" schon beim Ablegen zur rechten Seite geneigt gewesen sein und zu tief im Fluss gelegen haben. Zudem sei der Hauptmotor auf der linken Seite technisch mangelhaft gewesen. Überlebende berichteten, dass es kaum Rettungswesten gab.

Der tatarische Präsident Rustam Minnichanow sagte, dass 196 Menschen auf dem Schiff gewesen seien. Demnach gab es Reisende, die nicht auf der Passagierliste standen.

Nach Darstellung Minnichanows waren zunächst zwei Schiffe an dem Unglücksort vorbeigefahren, ohne zu helfen. Erst das nachfolgende Ausflugsschiff "Arabella", habe Überlebende an Bord genommen.

Für Dienstag wurde in Tatarstan ein Tag der Trauer angeordnet. Zivilschutzminister Sergej Schoigu verlangte, das Wrack für weitere Untersuchungen zu bergen.

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa, rtr)
Redaktion: Martin Schrader