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Wirtschaft

Nach Transrapid-Aus: Streit um Verantwortung

Zwischen Politik und Wirtschaft ist ein Streit über die Schuld am Scheitern des Milliardenprojekts entbrannt. ThyssenKrupp dementierte, die Technologie an China verkaufen zu wollen.

Transrapid in München, Quelle: dpa

Der Transrapid wird nicht durch München fahren

Nach dem Aus für die Münchener Transrapid-Strecke streiten Regierung und Industrie über die Gründe für das Scheitern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich am Freitag (28.03.2008) enttäuscht über das Ende der Magnetschwebestrecke. Die Wirtschaft dagegen beklagte fehlenden Willen der Politik zur Realisierung des Projekts.

Es sei bedauerlich, dass es nicht möglich sei, eine Zukunftstechnologie wie den Transrapid durch gemeinsame Anstrengungen zu realisieren, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Offenbar seien innerhalb des Projektkonsortiums die Verantwortlichkeiten nicht klar gewesen. Ungeachtet aller Erklärungen habe die Kostensteigerung von ursprünglich 1,85 Milliarden auf gut 3,4 Milliarden Euro ausgereicht, um seitens des Staates die Reißleine zu ziehen. Mit Blick auf die Kostenexplosion sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums, er gebe "Erklärungsbedarf." CSU-Chef Erwin Huber hatte zuvor schon kritisiert, die Wirtschaft habe Festpreis-Zusagen nicht eingehalten.

ThyssenKrupp dementiert Verkauf

Grafik von der geplanten Transrapid-Strecke in München, Quelle: dpa

So hätte sie ausgesehen, die geplanten Strecke vor dem Flughafen München

Unterdessen hat ThyssenKrupp Spekulationen über einen Verkauf der Transrapid-Technologie ins Ausland zurückgewiesen. "Wir glauben weiter an die Technologie und konzentrieren uns jetzt auf China", sagte eine Sprecherin. In China geht es derzeit um eine Verlängerung der weltweit einzigen kommerziell betriebenen Transrapid-Strecke in Shanghai. Laut einem Medienbericht will ThyssenKrupp in den nächsten Wochen Verhandlungen mit der chinesischen Regierung beginnen. Im Gespräch sei eine Lizenzvergabe oder der vollständige Verkauf.

Dem Bericht zufolge sind der Hauptgrund für die Preissteigerungen beim jetzt gescheiterten Transrapid-Bau nicht gestiegene Technologiekosten sondern die nun höhere veranschlagten Ausgaben des Baukonsortiums unter der Führerschaft von Hochtief. Statt der ursprünglich angesetzten 820 Millionen Euro sollten nun 2,2 Milliarden für Trasse und Tunnel ausgegeben werden. Auch die Bahn habe ihren Anteil von 300 Millionen Euro auf 600 Millionen Euro hochgesetzt.

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief wies eine Verantwortung für das Scheitern des Magnetschwebebahn- Projekts umgehend zurück. An der Kostenschätzung aus dem Jahr 2004 sei Hochtief nicht beteiligt gewesen, diese habe man lediglich "zur Kenntnis genommen", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir haben jetzt erstmals einen Überblick über die Kostensituation, das ist alles sehr spitz gerechnet." Dabei habe man festgestellt, dass das Projekt für die zuletzt auf 1,85 Milliarden Euro veranschlagten Kosten nicht zu realisieren gewesen wäre.

Streit zwischen Bund und Bayern

Der Transrapid in Shanghai, Quelle: dpa

In Shanghai existiert die einzige kommerzielle Transrapid-Strecke

CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer wies jede Verantwortung ihrer Partei für das Scheitern des bayerischen Prestigeprojekts von sich. Letztlich sei der Transrapid ganz klar ein Projekt des Bundes gewesen, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Man könne der CSU keinen Vorwurf machen. Der Bund wies Begehrlichkeiten Bayerns zurück, die bisher von seiner Seite für die Transrapid-Referenzstrecke eingeplanten 925 Millionen Euro für andere Zukunftsprojekte im Freistaat einzusetzen. (fmg)

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