Nach ″Super Tuesday″: Noch ist alles möglich | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 02.03.2016
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Amerika

Nach "Super Tuesday": Noch ist alles möglich

Auch wenn Trump und Clinton Erfolge verbuchten: Im US-Vorwahlkampf stehen weder bei den Republikanern noch bei den Demokraten die Präsidentschaftskandidaten fest, meint USA-Experte Boris Vormann von der FU Berlin.

DW: Herr Prof. Dr. Vormann, Trump hat jetzt die meisten Delegiertenstimmen klar auf seiner Seite. Ist das Rennen schon gelaufen?

Vormann: Ich glaube, es ist genau das Problem für die Republikaner, dass es nicht gelaufen ist. Jeder rechnet sich noch Chancen aus. Marco Rubio, der zumindest den Prognosen nach eigentlich hätte stärker abschneiden müssen, hat relativ schwach abgeschnitten, erhofft sich aber in den nächsten Vorwahlen gute Resultate.

Ted Cruz hat zwei Staaten gewonnen und denkt, er wäre jetzt der führende Republikaner. Selbst Ben Carson, der ganz miserabel abgeschnitten hat, rechnet sich noch Chancen aus. Und John Kasich hat in Vermont und in Massachusetts sogar Cruz und Rubio überholt. Es scheint also, als würde nach wie vor das Rennen sehr offen bleiben. Und je länger das Rennen offen bleibt, desto mehr spielt das in die Karten von Donald Trump.

Blicken wir auf die Demokraten. Hat Bernie Sanders noch eine Chance?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke, es gab bisher eine ziemlich voreingenommene Berichterstattung, gerade, wenn man in den letzten Wochen die New York Times gelesen hat. Da wird immer ein bisschen betont, wie gut doch Hillary Clinton abgeschnitten habe. Aber wenn man beispielsweise an die Umfrage von CNN denkt, die gestern veröffentlicht wurde, dann ist ganz klar, dass Hillary Clintons Beliebtheitswerte in den letzten Wochen ständig gefallen sind. Seit 1992 waren sie nicht mehr so niedrig.

Porträt Boris Vormann (Foto: DW)

Boris Vormann (FU Berlin) im DW-Interview

Die Chancen von Bernie Sanders, Donald Trump zu schlagen, sind deutlich höher als die von Hillary Clinton. Und Clinton würde sogar gegen Cruz und Rubio verlieren. Das sind Dinge, die man nicht oft hört, aber man muss sich einmal die Umfragen genauer anschauen. Und Sanders hat tatsächlich auch Oklahoma gewonnen. Das hätte man eigentlich nicht erwartet.

Das ist ein Vorwahlkampf, der schwer überschaubar ist. Aber gehen wir trotzdem einmal von Clinton und Trump am Ende aus. Welche beiden politischen Ideologien stehen sich da gegenüber?

Ich weiß nicht, ob man bei Trump von einer Ideologie sprechen kann. Das ist so inkohärent und hat sich über die Jahre so verändert. Ende der 1990er Jahre war er eher liberal. Progressiv würde ich noch nicht sagen. Aber man hätte ihn dem demokratischen Lager zurechnen können. Bei Hillary Clinton ist es schon eindeutiger. Sie hat gesagt, sie wolle einen politischen Status quo fortführen, eigentlich das Erbe von Obama weitertragen.

Da scheint ein wenig die politische Vision zu fehlen. Es ist ein demokratischer Kurs. Es ist ein Kurs, der bisher gut angekommen ist. Es ist ein Kurs, der an die Wähler von Obama appelliert, um damit zu mobilisieren. Aber man muss auch sagen, dass Hillary Clinton damit einen sehr engen Kurs fährt. Obama war ja nur deshalb erfolgreich, weil er am Anfang sehr klar Positionen bezogen hat.

Prof. Dr. Boris Vormann ist Politikwissenschaftler am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerika-Studien der Freien Universität Berlin.

Das Gespräch führte Kerstin Dausend.

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