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Aktuell Welt

Nach Schmäh-Video droht Flächenbrand

Die Proteste in der arabischen Welt gegen einen islamfeindlichen Film breiten sich weiter aus. In zahlreichen Ländern gibt es Übergriffe auf US-Vertretungen. Hinter den Gewaltexessen in Libyen könnte Al-Kaida stehen.

Gewaltsame Proteste vor der US Botschaft in Sanaa im Jemen (Foto: AP/dapd)

Jemen Proteste vor der US Botschaft in Sanaa

Die Gewalt gegen US-Diplomaten droht, sich zu einem Flächenbrand in der arabischen Welt auszuweiten. Aus Empörung über ein Video aus den USA, das im Internet kursiert und das den Propheten Mohammed verunglimpft, haben Demonstranten wieder US-Vertretungen in mehreren Ländern angegriffen. Inzwischen werden Ausschreitungen auch aus dem Iran, Jemen und dem Gaza-Streifen gemeldet.

Demonstranten setzen Fahrzeuge vor der US-Vertretung in Kairo in Brand (Foto: Reuters)

Die Proteste gegen den US-Film haben in Ägypten begonnen

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wurden nach Polizeiangaben zwei gewaltätige Demonstranten durch Schüsse der Sicherheitskräfte getötet. Mehrere Personen seien verletzt worden. Zuvor hatte eine wütende Menge das Gelände der US-Botschaft gestürmt und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Ähnliche Szenen spielten sich auch an anderen US-Vertretungen an. Begonnen hatten die Proteste in Ägypten. Sie griffen dann auf Libyen und Tunesien über.

Spekulationen über terroristischen Hintergrund in Libyen

US-Sicherheitskreise vermuten, dass die tödliche Attacke gegen den US-Botschafter in Libyen und drei seiner Mitarbeiter vom Dienstag nicht nur die Folge einer spontanen Demonstration, sondern ein von langer Hand geplanter Anschlag des Terrornetzwerks Al-Kaida gewesen sein könnte. Als Reaktion schickten die USA nach Medienberichten bereits eine Einheit von Elitesoldaten und zwei Kriegsschiffe Richtung Libyen. Das US-Botschaftspersonal wurde auf eine Notbesetzung reduziert.

Video ansehen 01:49

Proteste gegen USA weiten sich aus

US-Präsident Barack Obama verlangte in einem Telefonat mit dem Präsidenten der libyschen Nationalversammlung, Mohammed al-Megarjef, die Drahtzieher müssten vor Gericht gebracht werden. Libyens Regierung setzte eine Untersuchungskommission ein. Die Behörden nahmen inzwischen mehrere Verdächtige fest.

Mursi veruteilt Gewalt, aber auch Beleidigung des Propheten

Der Aufruhr in der arabischen Welt wird aber mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen kaum zu beschwichtigen sein. Und so forderte der ägyptische Präsident Mohammed Mursi bei einem Besuch in Brüssel Respekt gegenüber dem Islam ein - gemeinsam mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. "Die Meinungsfreiheit sollte nicht verwechselt werden mit der Verbreitung von Hass, Intoleranz und Vorurteil", sagte Barroso. In jüngster Zeit habe es Angriffe auf den Islam gegeben, die nicht akzeptabel seien.

Video ansehen 02:19

Steinberg: Proteste werden instrumentalisiert

Mursi verurteilte die Gewalt, forderte die USA aber zugleich auf, Maßnahmen gegen den umstrittenen Internetfilm zu ergreifen. Darin wird der Prophet Mohammed als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt. Verantwortlich für den Film ist angeblich ein US-Bürger mit israelischen Wurzeln. Der ägyptische Präsident sagte in Brüssel, er habe in der Angelegenheit bereits mit US-Präsident Barack Obama telefoniert. Er erwarte, dass die US-Regierung "ernsthafte Schritte" gegen diese Beleidigungen unternehme, "weil das ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ein Verbrechen gegen die Muslime ist". In Ägypten und "überall in der arabischen Welt gibt es Wut über das, was geschehen ist".

Mursi betonte jedoch, dies könne keinesfalls als Rechtfertigung der Angriffe auf Konsulate oder Botschaften und für die Tötung unschuldiger Menschen dienen. "Wir sind dagegen und verurteilen das", sagte er im Namen der ägyptischen Regierung. Diese sei für den Schutz der Diplomaten verantwortlich und werde auch mit US-Stellen zusammenarbeiten, "damit sich solche Ereignisse künftig nicht wiederholen". Ägypten halte an seinem Weg zu einer wirklichen Demokratie fest - mit gleichen Rechten für alle Bürger, auch den Nicht-Muslimen, versicherte Mursi.

Clinton: Video ist abscheulich

US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die Gewalt, die das islamfeindliche Video in der arabischen Welt ausgelöst habe, sei nicht hinnehmbar. Sie verurteilte auch den in den USA hergestellten Film als "abscheulich und verwerflich".

Zugleich stellte Clinton klar, die US-Regierung habe "absolut nichts mit diesem Video zu tun". Da in den USA das Recht auf freie Meinungsäußerung herrsche, sei es für die Regierung in Washington "unmöglich", solche Filme zu verhindern.

kis/wl (dpa, afp, rtr)

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