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Welt

Nach Ohio: Gegenwind für Trump wächst

Republikaner-Kandidat Kasich hat sich bei den US-Vorwahlen in Ohio gegen Trump durchgesetzt. Der Widerstand gemäßigter Parteikollegen gegen den Spitzenkandidaten wächst. DW-Korrespondent Spencer Kimball aus Ohio.

Donald Trump, der Spitzenkandidat der Republikaner, musste bei den US-Vorwahlen in Ohio eine schwere Schlappe hinnehmen: John Kasich, der gemäßigte Gouverneur von Ohio setzte sich im Kopf-an-Kopf-Rennen am Dienstag durch.

Republikaner John Kasich bei den US-Vorwahlen in Ohio (Foto: Reuters/A. Josefczyk)

Kasich setzte sich gegen Trump durch

Kasich sicherte sich die Stimmen aller 66 Delegierten.

Das Scheitern in Ohio bremst den milliardenschweren Reality-TV-Star Trump zwar - aber es stoppt ihn nicht auf seinem Weg zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner.

"Ohio zu verlieren, heißt, dass er mit Kasich ein bisschen länger rechnen muss - aber es bedeutet nicht das Aus", sagt David Niven, US-Politik-Experte an der Universität von Cincinnati. Im Gegenteil: Aufgrund des US-Wahlsystems werde es für Trump immer einfacher, eine große Zahl an Delegiertenstimmen zusammen zu bekommen.

"Trump würde uns in den Krieg schicken"

Republikaner-Wähler Frank Beierle aus Ohio findet Trumps Stil zu schroff für einen Präsidenten. Der 69-jährige ehemalige Kfz-Mechaniker gab stattdessen Ted Cruz, dem Senator von Texas, seine Stimme.

Sheri und Frank Beierle (Foto: DW/S. Kimball)

Wählerpaaar Sheri und Frank Beierle

"Ich fürchte, dass Trump uns in den Krieg schickt", sagt Beierle, der in St. Bernard lebt. "Er gibt sich zu sehr als Hardliner. Wir brauchen aber einen Präsidenten, der etwas diskreter ist."

Seine Frau Sheri gab bei den Vorwahlen in Ohio den Demokraten ihre Stimme. Verstört von Trumps rassistisch aufgeladener Rhetorik wählte sie Hillary Clinton.

"Wir haben zwei Enkelkinder, die einen schwarzen Elternteil haben", erzählt Sheri: "Ich will, dass sie ein besseres Leben haben als ich und meine Kinder."

Clinton steigert ihren Vorsprung vor Sanders

Jarrell Booker, ein 23-jähriger Musiker, macht sich auch Sorgen über die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in den USA. Deshalb entschied er sich für Bernie Sanders. Der Senator von Vermont ist Hillary Clintons größter Gegner bei den Demokraten.

Porträt von Wähler Jarrell Booker (Foto: DW/S. Kimball)

Sanders-Unterstützer Jarrell Booker

"Ich habe den Eindruck, Sanders tut am meisten für uns Schwarze", so Booker. Angesicht des brutalen Vorgehens der Polizei sei er es, der sich für Schwarze einsetze.

In Ohio und Florida setzte sich jedoch Clinton gegen Sanders durch. Trotzdem dürfte der Senator von Vermont noch weiter im Rennen bleiben, gestärkt vom Enthusiasmus der demokratischen Basis.

"Es ist wahrscheinlich, dass Sanders im Rennen bleibt, weil er so viele glühende Anhänger hat", so die Einschätzung von Niven. Diese Unterstützer finanzierten seine Kampagne. Sanders sei weniger abhängig davon, Vorwahlen zu gewinnen als alle anderen Kandidaten, so der Politikwissenschaftler.

"Contested convention" - Kampfabstimmung wird wahrscheinlicher

Trumps Niederlage in Ohio schwächt seinen Sieg in Florida etwas ab. Dort gewann er gegen Senator Marco Rubio, der nach der großen Pleite in seinem eigenen Heimatstaat seine Kandidatur aufgab.

Trumps Weg zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat ist nun aber komplizierter geworden: Er war nicht imstande, sich gegen Kasich durchzusetzen und ist weiterhin auch mit dem starken Konkurrenten Cruz konfrontiert.

Obwohl der Immobilienmogul der Spitzenkandidat der Republikaner bleibt, scharen seine Gegner immer mehr Delegierte um sich. Bei der Kampfabstimmung am Parteitag der Republikaner, der "Contested Convention" im Juli, könnten sie sich zusammenschließen und Trump letztlich blockieren. Durch eine solche Entscheidung könnte sich aber ein Teil der Wähler vor den Kopf gestoßen fühlen.

Porträt des Wählers Chris Beckham (Foto: DW/S. Kimball)

Will Trump als Präsident: Wähler Chris Beckham

Chris Beckham ist solch ein Trump-Unterstützer. Der 19-jährige Marketingstudent ist überzeugt davon, dass die Konservativen mit einem Kandidaten Trump die besten Chancen haben, die Wahlen am Ende zu gewinnen.

"Er ist der Einzige, der die Republikaner zusammenhalten kann und der Hillary Clinton schlagen kann", so Beckham.

Trump bekäme viel Unterstützung von unabhängigen Wählern und Demokraten, die zu den Republikanern überwechselten.

Ohio ist repräsentativ für Amerika

Bei den offenen Vorwahlen in Ohio hatten Demokraten die Möglichkeit, bei den Republikanern zu wählen und umgekehrt.

Obwohl er ein Unterstützer des Demokraten Sanders ist, hätte Roger Fecher am Dienstag fast nach einem Stimmzettel der Republikaner gefragt.

Ohio-Wähler Roger und Gina Fecher (Foto: DW/S. Kimball)

Ohio-Wähler Roger und Gina Fecher

"Ich habe darüber nachgedacht, eine Gegenstimme (Anm. d. Red.: gegen Trump) abzugeben", so Fecher. "Aber da Sanders immer noch eine reale Chance hat, war es letztlich doch wichtig, ihn zu unterstützen."

Trumps Verlust bei den Vorwahlen in Ohio werten manche Beobachter als ein schlechtes Vorzeichen für seine Chancen bei den Präsidentschaftswahlen.

"Ohio wählt so wie ganz Amerika", sagt Politik-Experte David Niven: "Der Staat hat unterschiedliche Altersgruppen und unterschiedliche Einkommensklassen. Wenn Sie hier gewinnen, sagt das viel über Ihre Fähigkeit aus, auch woanders zu gewinnen."

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