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Aktuell Asien

Nach Megataifun "Haiyan": Die UN rechnen mit dem Schlimmsten

Die internationale Hilfe kommt, aber sie kommt zu langsam in die Katastrophengebiete auf den Philippinen: Unter den Überlebenden des Wirbelsturms "Haiyan" macht sich Verzweiflung breit. Anarchie und Seuchen drohen.

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Philippinen: Überleben nach dem Taifun

Die Retter und Helfer aus dem In- und Ausland dringen nach dem verheerenden Taifun "Haiyan" nur langsam zu den Hunderttausenden Opfern in den verwüsteten Regionen auf den Philippinen vor. An Angeboten aus aller Welt fehlt es nicht, dennoch kommt die Versorgung mit dem Nötigsten nach dem Sturm apokalyptischen Ausmaßes kaum voran. Überall liegen Leichen, die Seuchengefahr steigt rapide. Auf vielen Straßen türmt sich der Schutt meterhoch.

Die Rettungsarbeiten werden zusätzlich durch ein neues Unwetter behindert. Die ersten Ausläufer von Tropensturm "Zoraida" erreichten die betroffenen Gebiete auf der Insel Leyte bereits mit heftigen Regenschauern. Bleibt der Sturm auf seinem berechneten Kurs, zöge er am Mittwoch und Donnerstag südlich am Katastrophengebiet vorbei.

Eine Familie in Tacloban schützt sich mit Tüchern vor dem ätzenden Verwesungsgeruch (foto: AP)

Eine Familie in Tacloban schützt sich mit Tüchern vor dem ätzenden Verwesungsgeruch

UN-Kampagne wie für Haiti

Nach Einschätzung eines UN-Experten muss nach dem Taifun auf den Philippinen "mit dem Schlimmsten" gerechnet werden. Es sei zu befürchten, dass mehr als 10.000 Menschen umgekommen seien, mehr als 660.000 seien obdachlos geworden, sagte John Ging vom Büro für die Koordinierung der Hilfseinsätze (OCHA) in New York. Er kündigte einen Spendenappell der Vereinten Nationen in großem Umfang an. Vorbild ist die Hilfskampagne für Haiti nach dem Erdbeben vor vier Jahren.

Mehr Hilfsgelder aus Deutschland

Die Bundesregierung hat die deutsche Hilfe um eine auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt. Das Geld geht an deutsche Hilfsorganisationen, die auf den Philippinen im Einsatz sind. Dies teilte Außenminister Guido Westerwelle am Rande seines Besuchs in Indien mit. Die USA setzten einen Flugzeugträger und mehrere Militärschiffe Richtugn Philippinen in Marsch. Die "USS George Washington" soll von dem Taifun zerstörte Flughäfen teilweise ersetzen und hat außerdem eine große Anlage zur Gewinnung von Trinkwasser an Bord.

Nach Angaben der philippinischen Katastrophenbehörden sollen die meisten Opfer in den tsunamiartigen Flutwellen ertrunken sein. Regierung in Manila und die UN schätzen, dass mehr als neun Millionen Menschen in dem Viel-Insel-Staat von dem Supersturm betroffen sind.

Ganze Dörfer wurden ausgelöscht, wie hier in der Provinz Samar (foto: AP)

Ganze Dörfer wurden ausgelöscht, wie hier in der Provinz Samar

Vor allem in den Provinzen Leyte und Samar im Osten sind ganze Landstriche verwüstet. In den Trümmern suchen die Menschen verzweifelt nach ihren Habseligkeiten oder auch nur nach Essbarem. Vielerorts wurden Geschäfte geplündert. Es kommt zu Gewalttätigkeiten.

Not und Chaos

Gestohlen werden Nahrungsmittel aller Art, aber auch Elektrogeräte und Treibstoff, in der Hoffnung, sie gegen das Notwendigste eintauschen zu können. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurde auch ein Hilfskonvoi ausgeraubt. "Die Sicherheitslage wird eine immer größere Herausforderung", schrieb der Sprecher des UN-Ernährungsprogramms, Greg Barrow, via Twitter. "Die Bevölkerung bewegt sich vom Land in die Stadt auf der Suche nach Wasser, Essen, Hilfsmitteln".

In der besonders schwer getroffenen Stadt Tacloban riefen hungernde Einwohner nach Lebensmitteln, nach Medikamenten, aber auch nach Schutz vor Überfällen und Diebstahl. Polizeisprecher Reuben Sindac sagte im Fernsehen: "Die Leute sagen, die Situation zwingt die Menschen zu Verzweiflungstaten. Wir haben Verständnis, aber wir können keine Anarchie akzeptieren".

Tausende Überlebende versuchten, die Region mit Hilfsflugzeugen zu verlassen. Mehr als 3000 Flüchtlinge, die am Airportgebäude der weitgehend zerstörten Stadt Tacloban ausgeharrt hatten, stürmten nach Angaben eines AP-Reporters gleichzeitig aufs Rollfeld, um zu den Flugzeugen zu gelangen. Soldaten versuchten, sie zurückzudrängen. Einigen Hundert soll es gelungen sein, an Bord zu kommen.

Massengräber

Präsident Benigno Aquino beschwor seine Landsleute: "Ich versichere allen: Die Hilfe kommt in den nächsten Tagen schneller an. Ich appelliere an alle: bleibt ruhig, betet und helft einander. Nur so können wir diese Tragödie meistern."

Nach drei Tagen in der schwülen Hitze überdecke der Verwesungsgeruch alles, berichteten Augenzeugen im Radio: "Der Gestank ist entsetzlich, die Kinder halten es nicht mehr aus". Die Lokalbehörden bereiteten Massengräber vor, aber angesichts des Elends der Überlebenden fehlen Helfer für alle Aufgaben...

SC/wl/kis (dpa, afp, APE)

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