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Wirtschaft

Nach Hongkong für 160 Euro

Asiatische Billig-Airlines wollen Interkontinental-Flüge zum Schnäppchenpreis anbieten. Deutsche Flughäfen freuen sich. Umweltschützern macht der neue Trend Sorgen.

Flugzeug der asiatischen Airline Oasis

Mit Oasis kann man jetzt schon von Hongkong nach London jetten - für 160 Euro

Passagiere steigen aus Ryan-Air Flugzeug

Guten Service und Möglichkeiten der Platz-Reservierung dürfen Gäste bei Billigfliegern meist nicht erwarten

1,99 Euro für einen Auslandsflug, plus Steuern und Gebühren - in Europa ist das nichts Ungewöhnliches mehr. Die so genannten "Billigflieger" wie Easyjet, Ryanair oder Germanwings haben inzwischen einen Marktanteil von 30 Prozent. Ein Großteil des Verkehrswachstums geht auf ihre Kosten.

Verbesserte Chancen für Asiens-Billigflieger

In Asien spielen die Billigflieger bisher mit gerade mal zehn Prozent Marktanteil noch keine große Rolle. Obwohl der Luftverkehr dort genauso wie der Rest der Wirtschaft boomt. Für Pakistan, China oder Indien sagt der internationale Luftfahrtverband IATA ein durchschnittliches Passagierwachstum von acht Prozent jährlich voraus. Billig-Airlines ließen etliche Regierungen bislang kaum Möglichkeiten. Das ändert sich jetzt langsam in Ländern wie Singapur, Indonesien, Indien oder Malaysia. Richard Pinkham, Unternehmensberater beim "Centre for Asia Pacific Aviation" in Singapur, beschreibt den langsamen Wandel vom Protektionismus zur Marktöffnung für neue Airlines am Beispiel Malaysias: Die dortigen Politiker "reden sogar darüber, mit Singapur Gespräche über eine Öffnung der Strecke Singapur-Kuala Lumpur zu führen; die war jahrelang das Paradebeispiel für Protektionismus. Und sie haben 'Air Asia' jetzt erlaubt, Langstrecke aus Kuala Lumpur zu fliegen."

Der malaysische Billigflieger Air Asia hat Anfang Januar angekündigt, einen Langstrecken-Ableger mit Namen "Air Asia X" zu gründen, der nach Europa, Amerika, China und Indien fliegen soll. Das ist schon die dritte asiatische Fluggesellschaft, die interkontinentale Billigflüge plant.

Flughafen Köln-Bonn wirbt um asiatische Discount-Flieger

Der Konrad-Adenauer-Fluhafen in Köln-Bonn

Der Konrad-Adenauer-Fluhafen in Köln-Bonn begrüßt die asiatische Discount-Offensive

Michael Garvens, Geschäftsführer des Köln-Bonner Flughafens, setzt ausdrücklich auf die billigen Asiaten: "Wir wollen uns natürlich als größter kontinentaleuropäischer 'Low-Cost'-Airport als die Drehscheibe für diese neuen 'Low-Cost'-Langstrecken-Carrier für Europa anbieten."

Der Billigflieger "Oasis", der bereits von London nach Hongkong ab 160 Euro fliegt, wird möglicherweise schon ab diesem Jahr die Strecke Köln-Hongkong zu einem ähnlichen Preis im Angebot haben, sagt Garvens. "Wir sind mit Oasis schon seit zwei Jahren in intensiven Gesprächen. Wir sind auch fest 'gesetzt'. Das hängt jetzt nur noch davon ab, wie schnell Oasis jetzt zusätzliche Flugzeuge beschaffen kann."

Sind billige Langstreckenflüge rentabel?

Viele Experten sind bisher skeptisch gewesen, ob das Geschäftsmodell der Billigflieger auch auf Langstrecken funktioniert. Denn es basiert zum Beispiel darauf, dass die Maschinen nach der Landung möglichst schnell wieder in der Luft sind und dadurch pro Tag öfter fliegen können. Bei Zehn-Stunden-Flügen ist dieser Effekt logischerweise viel geringer. Michael Garvens ist dennoch von der Zukunft der Billig-Langstrecke überzeugt, auch dort gebe es ein großes Einspar-Potenzial, wie "die teuren Kosten für die großen weltweiten Reservierungsprogramme, aber auch für Lounges und Mileage-Programme." Das alles entfalle bei einem "Low-Cost"-Langstrecken-Carrier. Zudem machten die großen Netz-Carrier auf der Langstrecke sehr hohe Gewinne und suventionierten damit ihre kontinentalen Streckennetze. Billigflieger hätten das nicht nötig. Und selbst wenn die Passagiere zwischendurch ihren Koffer ein Stück selber tragen müssten, in Köln/Bonn könnten sie bald von einem Billigflug aus Hongkong in den nächsten nach Madrid umsteigen.

Gut für die Geldbörse, schlecht für die Umwelt

Simuliertes Szenario des Klimawandels

Erhöhter Flugverkehr begünstigt Klimawandel

Für Umweltschützer eine Horrorvision. Sie sehen den weltweit zunehmenden Luftverkehr seit langem mit Skepsis, denn er trägt zum Treibhauseffekt bei. Sven Harmeling, Klimaexperte bei Germanwatch, hält es zwar nach wie vor für schwer, die genaue Klimawirkung des Flugverkehrs einzuschätzen. Aber man müsse heute davon ausgehen, dass er bereits vier bis neun Prozent am menschlichen Anteil am Klimawandel ausmache - mit stark steigenden Wachstumsraten, sagt der Klimaexperte. Harmeling hält vor allem das psychologische Signal für fatal, das von Discount-Angeboten ausgeht: Gerade dieser niedrige Preis suggeriere den Menschen, Fliegen müsse billig sein, und jeder dürfe überall hinfliegen können, zu jedem Zweck. "Wenn man jetzt Tendenzen sieht, auch auf längeren Strecken Billigflüge einzuführen, muss man noch mit weiter steigendem Flugverkehr rechnen - was klimapolitisch ein extrem großes Problem werden wird."

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