Nach Festnahme in Köln: Haftbefehl gegen Tunesier wegen gefährlichem Bio-Gift | Aktuell Deutschland | DW | 13.06.2018
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Terrorverdacht

Nach Festnahme in Köln: Haftbefehl gegen Tunesier wegen gefährlichem Bio-Gift

Es waren Szenen wie in einem Katastrophenfilm: Sicherheitskräfte mit Atemschutz stürmten eine Kölner Wohnung und stellten dort das hochgiftige Rizin sicher. Der Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen einen Tunesier erlassen.

Dem 29-jährigen Wohnungsinhaber wird vorgeworfen, mit der Rizin-haltigen Substanz eine staatsgefährdende Straftat geplant zu haben. Zudem bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes. Wegen des Anfangsverdachts der schweren Gewalttat bestehe aber kein dringender Tatverdacht, so die Bundesanwaltschaft.

In der Wohnung des Tunesiers war die Substanz am Dienstagabend sichergestellt worden. Rizin ist eine extrem toxische Substanz, die bereits in kleinsten Mengen tödlich ist. Das angesehene Robert-Koch-Institut stuft das leicht erhältliche Mittel, das aus dem Samen des Wunderbaums gewonnen wird, als "potenziellen biologischen Kampfstoff" ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt.

"Spiegel": Islamist, der an Biowaffe arbeitete

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" hat das Bundesamt für Verfassungsschutz den Mann seit einiger Zeit im Blick gehabt, bis es am Dienstagabend zu seiner Festnahme kam. Seine Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken soll Rückschlüsse auf eine ideologische Nähe zur Terrormiliz "Islamischer Staat" zulassen. Laut den Zeitungen "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein.

Verdacht auf giftige Stoffe in Kölner Wohnung (picture-alliance/dpa/D. Young)

Beamte mit Schutzanzügen in einem Krankenwagen ...

SEK-Beamte hatten die Wohnung der Familie im Kölner Stadtteil Chorweiler gestürmt und durchsucht. Auch in einer benachbarten Wohnung wurde nach Giftstoffen gesucht. 

Die Ehefrau des 29-Jährigen wurde ebenfalls in Gewahrsam genommen. Für Berichte, wonach sie wieder auf freiem Fuß ist, gibt es bislang ebenfalls keine Bestätigung. Die gemeinsamen Kinder des Paares seien in der Obhut der Stadt Köln, teilte die Polizei mit.

sam/gri/rb (afp, dpa, spiegel)