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Asien

Nach fünf Jahren meistert China Kugelschreiber-Technologie

China ist stolz auf seinen jüngsten technologischen Erfolg: Die Herstellung von Kugelschreiberspitzen. Nach fünf Jahren Entwicklung war es soweit. Fraglich ist, ob es auch ein wirtschaftlicher Erfolg wird.

In China werden derzeit 40 Milliarden Kugelschreiber pro Jahr produziert. Doch das entscheidende Bauteil, die Schreibspitze mit der Schreibkugel, mussten Chinas Hersteller bisher importieren, beispielsweise aus Deutschland. Ein kleiner, aber doch peinlicher technologischer Rückstand der aufsteigenden Industrienation, die andererseits Astronauten ins All schickt und Schnellzüge in die ganze Welt exportiert.

"Damit ist es unwiderruflich vorbei", meldeten Chinas Staatsmedien Anfang der Woche. Denn dem staatlichen Stahlkonzern Tisco aus der zentralchinesischen Kohleprovinz Shanxi war es gelungen, die Bauteile aus Edelstahl (Artikelbild) in Eigenleistung herzustellen. Auf dem Weltmarkt gab es bisher nur in Deutschland, Frankreich, Japan und der Schweiz eine Handvoll von Minenproduzenten. 

China Herstellung von Kugelschreiberspitzen (picture-alliance/Photoshot/C. Yang)

Staatlicher Stahlkonzern TISCO

China ist zwar der größte Stahlproduzent der Welt, aber viele Edelstahlprodukte muss das Land importieren. Ministerpräsident Li Keqiang will die einheimischen Stahlkocher dazu bewegen, die Überkapazitäten beim Billigstahl abzubauen und gleichzeitig auf die Produktion von hochwertigerem Werkzeugstahl umzusteigen. Die Herausforderung in Form der Kugelschreiberspitze nutzte Li gegenüber der Stahlbranche als Beispiel, um diese zu verstärkter Anstrengung für hochwertigere Produkte anzuspornen.

"Wir mussten bei Null anfangen"

"Wir mussten bei Null anfangen, da wir keinerlei Erfahrungen mit den Anforderungen hatten", gestand Wang Huimian, Chefingenieur von Tisco. "Wir mussten die richtige Zusammensetzung des Stahls in vielen Experimenten herausfinden." 

Eine in Deutschland hergestellte Großraummine hat eine Schreibleistung von bis zu zehn Kilometern, eine normale bringt es auf die Hälfte. Um diese Qualität zu gewährleisten, muss die Schreibkugel, die einen Durchmesser von 0,2 bis 1,4 Millimeter hat, fest in der Schreibspitze sitzen. Die Toleranz der Wanddicke an der Einfassung darf nur zwei Mikrometer betragen. Zum Vergleich: ein menschliches Haar ist 70 Mikrometer dick.

"Um diese Qualität zu produzieren, werden hochpräzise Dreh- und Fräsmaschinen benötigt", sagt ein Brancheninsider, der für einen deutschen Schreibminenhersteller im Schwarzwald arbeitet. "Man könnte diese Präzision auch durch Handarbeit erreichen. Aber dieser Aufwand wäre nicht gerechtfertigt."

Hand mit Kugelschreiber (Colourbox)

Kugelschreiber: High-Tech-Produkt

Geringer Profit erwartet

Nach Aussagen von Chinas Forschungsminister Wan Gang, der in Deutschland promoviert wurde, beträgt der Gewinn pro Kuli bei einem Ladenpreis von zwei US-Dollar in den USA umgerechnet nur 1,5 Cent für den chinesischen Hersteller. Sein Ministerium bezuschusste seit 2011 die Entwicklung der  Schreibspitze mit umgerechnet neun Millionen Euro.

Derzeit testet der Kugelschreiberhersteller Beifa in der Küstenprovinz Zhejiang die Schreibspitze "Made in China". "Das Schriftbild ist nach 800 Metern Schreibleistung gut und hat keine Unterbrechung", sagt Hu Shengyang, Leiter der Qualitätssicherung von Beifa. Der Konzern soll nach chinesischen Medienberichten schon die ersten Schreibspitzen bei Tisco bestellt haben.

Doch der Stahlriese gibt sich zurückhaltend. "Einen offiziellen Starttermin für den Verkauf gibt es noch nicht", sagt ein Konzernsprecher, "wir sind zwar in der Lage, in die Massenproduktion zu gehen. Aber unklar ist es, ob die neuen Produkte zur positiven Entwicklung unserer Bilanz beitragen können." Für die Serienproduktion wären noch hohe Anlageinvestitionen notwendig.

Die Branche geht nämlich nicht davon aus, dass die chinesischen Konsumenten nur wegen der Schreibmine "Made in China" mehr für einen Kuli bezahlen wollen.