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Aktuell Welt

Nach Erdogan-Kritik: Schüler wieder frei

In der Türkei ist ein 16-Jähriger nach einer Kundgebung in der Stadt Konya wegen Präsidentenbeleidigung festgenommen worden. Zwar ist der Minderjährige inzwischen wieder frei, es wird aber weiter gegen ihn ermittelt.

Türkei Junge nach Festnahme wegen Präsidentenbeleidigung wieder frei 26.12.2014

Mehmet Emin Altunses (Mitte) mit seiner Familie nach seiner Freilassung

Auf der Kundgebung hatte Mehmet Emin Altunses Präsident Recep Tayyip Erdogan und dessen Partei AKP Korruption vorgeworfen und war daraufhin am Mittwoch in seiner Schule festgenommen worden. Nach zwei Tagen im Gefängnis und einer Beschwerde seines Anwalts wurde er nun wieder auf freien Fuß gesetzt. Kommt es doch noch zum Prozess, drohen dem Schüler bis zu vier Jahren Haft. Es war das erste Mal, dass ein Minderjähriger in der Türkei wegen Präsidentenbeleidigung inhaftiert wurde.

Politische Motive für Festnahme?

Die Verhaftung nährt die wachsende Sorge der Opposition, Präsident Erdogan regiere sein Land zunehmend autoritär und schränke die Meinungsfreiheit immer weiter ein. So warfen Oppositionelle Erdogan nach der Verhaftung des Schülers vor, in faschistische Methoden abzugleiten. Auch in sozialen Netzwerken machte sich Empörung breit. Als der Anwalt des Schülers seine Beschwerde gegen die Haft einreichte, wurde er von hundert Kollegen aus Istanbul begleitet, die damit gegen die Maßnahme protestierten.

Verhaftungen von Journalisten

Die Festnahme des Teenagers folgt auf eine Verhaftungswelle von Journalisten, die für Medien des Erdogan-Rivalen Fethullah Gülen arbeiten. Erdogan beschuldigt den 73-jährigen Prediger, der in den USA lebt, und seine Anhänger in Justiz und Polizei, einen "Parallelstaat" in der Türkei zu führen.

Vor rund einem Jahr hatte die türkische Staatsanwaltschaft umfassende Ermittlungen zu einem Korruptionsskandal im Umfeld Erdogans - damals noch Ministerpräsident - eingeleitet. Tausende Polizisten und Staatsanwälte wurden seitdem versetzt oder entlassen.

chr/qu (rtr, afp)