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Afrika

Nach Ebola: Überlebende kämpfen mit Folgeerkrankungen

In Guinea wurde die letzte Ebola-Patientin - ein drei Wochen altes Mädchen - zweimal negativ auf den Virus getestet. Damit könnte die Epidemie bald überwunden sein. Doch für viele Überlebende geht der Kampf weiter.

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Ein Ebola-Überlebender nimmt an einer Studie des JFK Krankenhauses in Monrovia, Liberia, teil. Die Ärzte wollen in einer fünfjährigen Studie die langfristigen Folgen von Ebola untersuchen

"Ich sehe immer verschwommen, als wäre Tau auf meinem Gesicht. Wenn ich etwas sehr lange fokussiere, fangen meine Augen an zu tränen." So beschreibt Morris Kallon aus Liberia seine Beschwerden, nachdem er sich von seiner Ebola-Erkrankung erholt hat. Augenentzündungen, Sehschwäche, in manchen Fällen sogar Erblindung, Gelenkschmerzen, teilweise so stark, dass sie arbeitsunfähig machen: Wer Ebola überlebt hat, ist nicht automatisch vollständig geheilt.

Morris Kallon macht für seine Augenprobleme das Chlor verantwortlich, das zur Desinfektion versprüht wurde. Siana Jackson ist Ärztin am JFK Krankenhaus in Liberias Hauptstadt Monrovia. Sie sagt, das Chlor sei nicht die Ursache: "Die Augenprobleme werden vom Ebola-Virus selbst verursacht, denn der Virus führt zu Entzündungen in jeder Zelle, in jedem Gewebe und jedem Organ des menschlichen Körpers - von Kopf bis Fuß." Jackson untersucht mit einer Gruppe von Wissenschaftlern, wie sich Ebola auch nach der Heilung auswirkt.

Ebola in Sierra Leone überwunden

Freude in den Straßen der Hauptstadt Freetown: Anfang November erklärte die WHO Sierra Leone als frei von Ebola

Ebola-Viren können im Körper überleben

Auch wenn Patienten die Krankheit offiziell überstanden haben, können sich Viren in Körperflüssigkeiten in entlegene Körperteile zurückziehen. "Das Immunsystem braucht länger, um diese Orte zu erreichen und das Virus auszuschalten", erklärt Daniel Bausch, Virologe bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Bekannte Rückzugsorte seien die männlichen Hoden, das zentrale Nervensystem im Gehirn und Rückenmark und möglicherweise Gelenke und Augen. Vor einem Monat haben Forscher nachgewiesen, dass sich auch neun Monate nach der Genesung noch

Teile des Ebola-Virus im Sperma

befinden können. Was allerdings nicht heiße, dass auch infektiöse Viren vorhanden seien, betonen die Forscher.

Nach Angaben der WHO sind allein in Liberia in den vergangenen zwei Jahren 4.800 Menschen an Ebola gestorben, mehr als 10.600 haben überlebt. Die Ärztin Siana Jackson aus Monrovia schätzt, dass in ihrem Land die Hälfte der Überlebenden an einer Hirnhautentzündung erkrankt. Die WHO nennt die Folgeerkrankungen sogar einen "Notfall innerhalb des Notfalls".

Keine Behandlung aus Angst vor Stigmatisierung

So auch im Nachbarland Guinea: Dort seien weniger als 30 Prozent betroffen, schätzt Mamoudou Arouna Dingarey von der WHO in Guinea. Für ihn aber "eine verschwindend kleine Zahl". Und: "Keine der geheilten Personen wird momentan in Nachsorge betreut. Alle geheilten Personen gelten nachweislich als geheilt."

Ebola-Überlebende müssen nicht nur mit den körperlichen Folgen klar kommen, auch psychisch haben viele zu kämpfen: Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen und soziale Ausgrenzung. Menschen, die Ebola überlebt haben, werden oft

von der Gemeinschaft gemieden

- auch wenn sie nicht mehr ansteckend sind.

Wandbild zu Ebola-Überlebenden in Liberia

Eine Aufklärungs-Kampagne gegen die Stigmatisierung von Menschen, die die Krankheit überwunden haben: "Wir sind von Ebola geheilt. Wir sind nicht mehr ansteckend" steht auf einer Mauer in der liberischen Hauptstadt Monrovia

Mohamaed Koné arbeitet bei der staatlichen Stelle zur Ebola-Bekämpfung in Guinea. Für ihn ist die Stigmatisierung einer der Gründe, warum in dem Land niemand, der als geheilt entlassen wurde, zurückkommt und zugibt noch Symptome zu haben. "Es ist ihre Angst, sich nicht wieder in die Gesellschaft integrieren zu können."

Wie schon bei der

Impfstoffentwicklung gegen den Ebola-Virus

hinken die Wissenschaftler auch diesmal hinterher: Die Folgeerkrankungen sind bisher kaum erforscht. Bei früheren Ausbrüchen mit weniger Opfern hatten Wissenschaftler nicht genug Überlebende mit auffälligen Symptomen finden können, um eine ausreichend große Kontrollgruppe aufzustellen. Das ist diesmal anders. Doch die Wissenschaft steht wieder ziemlich am Anfang.

Mitarbeit: Moustapha Keita

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