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Aktuell Asien

Nach Drama am Mount Everest: Sherpas wollen alle Expeditionen absagen

Trauer und Verzweiflung nach dem schweren Lawinenunglück am Mount Everest: Viele nepalesische Bergführer wollen in dieser Saison keine Expeditionen mehr begleiten. Die Regierung kündigt einen Hilfsfonds für Sherpas an.

"Wir haben nach einer langen Sitzung an diesem Nachmittag beschlossen, zu Ehren unserer gestorbenen Brüder unsere Bergtouren einzustellen", sagte der nepalesische Bergführer Tulsi Gurung der Nachrichtenagentur AFP im Basislager am Mount Everest. Während einige Sherpas bereits das Basislager verließen, überlegten andere noch, ob sie sich dem Boykott anschließen. Ein Streik würde viele Bergführer vor existentielle Probleme stellen. Die allermeisten bestreiten mit den Expeditionen ihren Lebensunterhalt. Pro Saison verdienen die Sherpas zwischen 2200 und 4400 Euro. Stößt ihnen jedoch etwas zu, zahlen die Versicherungen in den meisten Fällen nur wenig.

Beim bislang schlimmsten Unglück am Everest waren am Freitag insgesamt 16 nepalesische Bergführer von einer Lawine verschüttet worden und ums Leben gekommen. Sie waren am Morgen auf 5800 Metern Höhe im sogenannten Popcorn-Feld, das auf der Route zum tückischen Khumbu-Eisfall liegt. Die Sherpas hatten Zelte, Seile und Lebensmittel dabei, um eine Route zum Gipfel vorzubereiten - denn Ende April beginnt üblicherweise die Bergsteiger-Saison im Himalaya.

Neun der Bergführer konnten lebend aus den Eis- und Schneemassen gerettet werden, 13 weitere wurden tot geborgen. Am Sonntag wurde die Suche nach drei zuletzt noch vermissten Bergführern endgültig eingestellt.

Hilfsfond für verunglückte Bergführer

Die Regierung in Kathmandu kündigte am Dienstag an, einen Hilfsfond für verunglückte Sherpas und ihre Familien einzusetzen. Künftig sind Sherpas mit mehr als 11.000 Euro versichert, dreimal so viel wie zuvor. Für ihre medizinische Behandlung werden bis zu 3000 Euro bezahlt. Damit reagierte man auf Forderungen der Bergführer. Diese hatten mit Streik gedroht, sollte die Regierung ihre Unfall- und Lebensversicherungen nicht erhöhen und keinen Hilfsfonds einrichten. Sie stellten ein Ultimatum bis nächsten Montag, um auf ihre Forderungen einzugehen. Für die Bergführer, die in diesem Jahr keine Expeditionen mehr begleiten wollen, scheinen die Verhandlungen jedoch nun hinfällig.

Die Familien in Nepal hatten lange gehofft, dass vermisste Sherpas noch gefunden werden (foto: reuters)

Die Familien hatten lange gehofft, dass vermisste Sherpas noch gefunden werden

Ein ursprüngliches Angebot der nepalesischen Regierung, den Familien der Lawinenopfer umgerechnet rund 300 Euro zu zahlen, kritisierten diese als unzureichend.

Ohne die Unterstützung der Sherpas ist der Aufstieg auf den Everest kaum möglich. Sie begleiten Expeditionen oder gehen diesen voraus, um den Aufstieg vorzubereiten. Sie richten Pfade her, tragen Gepäck, bauen Camps auf und kochen. Für Nepal bedeutet der Streik der Bergführer einen großen finanziellen Verlust. Das Land machte allein im vergangenen Jahr rund 3,9 Millionen Dollar Gewinn mit den Gebühren der Bergtouristen.

Jährlich versuchen hunderte Bergsteiger aus aller Welt den strapaziösen Aufstieg zum 8848 Meter hohen "Dach der Welt". Seit der Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und seinen einheimischen Bergführer Tenzing Norgay 1953 kamen bereits mehr als 300 Menschen bei Aufstiegsversuchen ums Leben, die meisten von ihnen waren Sherpas.

cr/SC (afp, APE, rtr, dpa)