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Politik

Nach den Anschlägen von Scharm el Scheich

Mehrere hundert Urlauber haben Ägypten nach den Attentaten verlassen, doch viele bleiben. Über 80 Menschen wurden bei den Bombenanschlägen getötet - die meisten waren Ägypter. Es gab bereits zahlreiche Festnahmen.

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Erleichterte Heimkehrer

Knapp 90 Verdächtige haben ägyptische Sicherheitskräfte bei Razzien festgenommen. Sie waren eine Reaktion auf die Bombenanschläge im Badeort Scharm el Scheich mit über 80 Toten und weit mehr als 100 Verletzten. Das verlautete am Sonntag (24.7.2005) aus Sicherheitskreisen in Kairo. Dem Auswärtigen Amt lagen keine Hinweise vor, dass sich Deutsche unter den Toten und Schwerverletzten befinden. Die Aufklärungsarbeit läuft jedoch noch.

14 Menschen werden noch vermisst

Die genaue Zahl der Toten stand auch am Montagmorgen, zwei Tage nach den Anschlägen, nicht fest. Nach Krankenhausangaben kamen etwa neunzig Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Ägypter. Unter ihnen sind auch ein Italiener, ein Tscheche und zwei Türken. Etwa 30 Tote waren am Sonntagnachmittag noch nicht identifiziert. 14 Menschen galten als vermisst.

Eine Rückreisewelle nach den Terroranschlägen von Scharm el Scheich ist ausgeblieben. Nach Angaben des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV) wollen von den rund 4800 deutschen Touristen in der ägyptischen Urlaubsregion deutlich weniger als zehn Prozent vorzeitig zurückkehren. Die Veranstalter boten für die kommenden 14 Tage kostenlose Umbuchungen für geplante Ägypten-Reisen an. Etwa 350 Deutsche, die in den Hotels in der betroffenen Naama-Bucht untergebracht waren, wurden in drei Sonderflügen in die Heimat zurückgebracht. Auch zahlreiche Schweizer, Italiener, Belgier und Israelis sind vorzeitig in die Heimat zurückgekehrt. Im Badeort Scharm el Scheich auf der Sinai-Halbinsel ist derzeit Hochsaison.

Sichtsperren am zerstörten Hotel

Terroranschlag in Scharm el Scheich, Ägypten

Reste des Hotels Gazala Gardens in Scharm el Scheich

Am Sonntag begannen Arbeiter, an den Anschlagorten Schutt und Scherben wegzuräumen. Auf dem "Alten Markt", einem Einkaufszentrum für Touristen in Scharm el Scheich, klaffte ein etwa ein Meter tiefer Bombenkrater. Das teilweise eingestürzte Hotel Ghazala Gardens schirmten die Behörden mit einer Sichtsperre aus Planen ab. Dort war in der Nacht zum Samstag (23.7.) ein Selbstmordattentäter mit einem Auto in die Eingangshalle gerast.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak kündigte an, die Verantwortlichen für das Blutbad zur Rechenschaft zu ziehen. "Das wird unsere Entschlossenheit, den Terrorismus zu bekämpfen und auszumerzen nur bekräftigen", sagte er beim Besuch in Scharm el Scheich. Bei der bislang verheerendsten Serie von Terroranschlägen in Ägypten waren am frühen Samstagmorgen kurz nach ein Uhr Ortszeit in Scharm el Scheich fast zeitgleich drei Bomben explodiert. Die erste Explosion ereignete sich auf dem belebten Basar, wo eine Autobombe eine gewaltige Explosion auslöste. Wenig später raste ein Selbstmordattentäter mit einem Wagen in die Eingangshalle des Hotels Ghazala Gardens. Der dritte Sprengsatz detonierte auf einem Parkplatz in der Nähe des Hard Rock Cafés. Im Internet wurden mehrere Bekennerschreiben veröffentlicht, die jedoch keine gesicherten Schlüsse auf eine Verbindung zu den Tätern zulassen.

Internationales Entsetzen

Die Bundesregierung wie die USA und andere Länder verurteilten die Anschläge. Papst Benedikt XVI. sagte beim Sonntagsgebet: "Rufen wir den Allmächtigen an, damit er die Hand der Mörder stoppt. Und ihre Herzen zum Geist der Versöhnung und des Friedens bekehrt."

Die Deutsche Botschaft in Kairo richtete einen Krisenstab ein und entsandte zur Betreuung deutscher Betroffener ein Krisenteam nach Scharm el Scheich. In Berlin wurde das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes personell verstärkt. Es koordiniert seine Arbeit mit den deutschen Reiseveranstaltern ( Telefon 030-5000 2000). (kap)

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