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Aktuell Amerika

Nach dem Sturm ist vor der Wahl

"Sandy" ist abgezogen, aber die Folgen des Wirbelsturms werden die Menschen an der US-Ostküste noch lange beschäftigen. Das wissen auch Präsident Obama und sein Herausforderer Romney. Trotzdem wird nächste Woche gewählt.

In New York hat Bürgermeister Michael Bloomberg neue Einschränkungen für den Verkehr und das öffentliche Leben der Stadt verkündet. So dürfen zum Beispiel Autos mit weniger als drei Insassen zwischen 6.00 Uhr morgens und Mitternacht (Ortszeit) ab sofort nicht mehr nach Manhattan fahren. Es soll nur wenige Ausnahmen geben, wie Bloomberg auf einer Pressekonferenz ankündigte. Alle Autos mit weniger als drei Insassen würden gestoppt. Die Maßnahme soll Pendlern das Leben erleichtern. Denn am Mittwoch - dem ersten Tag, an dem viele Menschen nach dem Sturm wieder zur Arbeit mussten - waren die Straßen in Manhattan pausenlos verstopft. Kein Wunder angesichts überfluteter U-Bahn-Schächte. Die öffentlichen Verkehrsmittel, die schon wieder fahren, dürfen die Bürger der Stadt einer Ankündigung von Gouverneur Andrew Cuomo zufolge bis Freitag kostenlos benutzen.

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Sandys grausame Bilanz

Die meisten Flughäfen an der amerikanischen Ostküste nahmen inzwischen ihren Flugbetrieb wieder auf. Der New Yorker Flughafen La Guardia kündigte an, am Donnerstag um 7.00 Uhr Ortszeit wieder zu öffnen. Bereits am Mittwoch hatte der größte Flughafen in der Region, der John F. Kennedy Airport, den Flugbetrieb mit Einschränkungen wieder aufgenommen; genauso wie der Newark International Airport in New Jersey. Weiterhin geschlossen bleiben die Flughäfen Bridgeport im US-Bundesstaat Connecticut sowie Teterboro in New Jersey.

Hingegen bleiben die Schulen in der Millionenmetropole New York auch noch den Rest der Woche geschlossen. Bürgermeister Bloomberg sagte: "Mir ist klar, dass das für Eltern große Unannehmlichkeiten bedeutet." Aus Sicherheitsgründen und weil große Teile der Stadt immer noch ohne Strom und öffentliche Verkehrsmittel sind, habe er diese Entscheidung aber trotzdem fällen müssen.

Barack Obamaund der Governeur von New Jersey, Christie. Foto: dapd

Präsident Obama mit dem republikanischen Governeur Chris Christie

Nach dem Sturm dürften sich die Sachschäden an der US-Ostküste nach ersten vorsichtigen Schätzungen auf bis zu 20 Milliarden Dollar (rund 15,5 Milliarden Euro) belaufen. Mindestens 65 Menschen kamen ums Leben, etliche werden noch vermisst. Allein in der Millionenmetropole New York starben 22 Menschen. In der Nähe des East Rivers musste ein weiteres Krankenhaus evakuiert werden, nachdem die Notstrom-Generatoren ausgefallen waren. Auch das Mahnmal für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September wurde durch die Überschwemmungen beschädigt.

"Keine Bürokratie"

US-Präsident Barack Obama sagte den Opfern des Hurrikans langfristige und schnelle Hilfe zu. Der Präsident machte sich in dem besonders betroffenen Bundesstaat New Jersey ein Bild der Lage und kündigte an, es werde bei den Hilfsleistungen "keinerlei Bürokratie" geben.

"Meine zentrale Botschaft ist, dass das ganze Land gesehen hat, was nun geschehen ist", sagte Obama. New Jersey sei "schwer getroffen". Zusammen mit dem republikanischen Gouverneur Chris Christie, der Obama zur Verwunderung einiger Parteifreunde für dessen Krisenmanagement gelobt hatte, war der Präsident zuvor in einem Helikopter an der Küste des Bundesstaats entlanggeflogen, um die Schäden zu begutachten. Nach einem Bericht des Fernsehsenders CNN hat der Wirbelsturm einen Tank der Raffinerie im kleinen Städtchen Sewaren aufgerissen. Mehr als eine Million Liter Diesel sei in den Atlantik geflossen.

Sturmschäden in New York. Foto: dpa

Aufräumarbeiten in New York

Begleitet wurde Obama auch vom Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Craig Fugate. Und hier wird ein Problem für Obamas Herausforderer Mitt Romney deutlich. Nicht nur, dass er sich nicht wie der Amtsinhaber als Krisenmanager "in chief" bewähren kann. Romney hatte bei der Vorbereitung seiner Kampagne auch deutlich gemacht, was er von Behörden wie der FEMA hält: nichts. Ein solches Bekenntnis hilft Romney in diesen Tagen nicht weiter - auch wenn die ultrakonservative Tea-Party-Bewegung staatliche Hilfsprogramme der FEMA von jeher verteufelt.

Vor diesem Hintergrund machte sich Romney in ziemlicher Entfernung von den Krisengebieten, in Florida, wieder daran, Stimmen zu sammeln. Auf scharfe Attacken gegen Präsident Obama verzichtete der republikanische Spitzenmann aber. Am Dienstag hatte Romney seine Wahlkampftermine wegen "Sandy" abgesagt.

Präsident Obama will an diesem Donnerstag offiziell wieder in den Kampf um die Wähler einsteigen. Die diesjährige Halloween-Party vor dem Weißen Haus wurde noch abgesagt. Die Folgen des Sturms dürfte die Präsidentschaftskampagne bis zur Wahl am kommenden Dienstag noch bestimmen.

In New York wird es aber in einem Punkt am kommenden Wochenende wieder Normalität geben: Der New York Marathon, zu dem Jahr für Jahr Sportler aus aller Welt anreisen, soll nach dem Willen von Bürgermeister Bloomberg wie geplant stattfinden. Mit einer guten Nachricht wollte auch Medienmogul Rupert Murdoch aufwarten: Sein Unternehmen spendete den Opfern der Sturmkatastrophe eine Million Dollar.

ml/jh (rtr, dapd, dpa, afp)

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