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Donald Trumps Präsidentschaft

Nach Charlottesville: Für Trump schwindet der Rückhalt

Nach seinen kontroversen Äußerungen zu der Gewalt in Charlottesville wenden sich immer mehr führende Wirtschaftsvertreter von US-Präsident Donald Trump ab. Auch aus den eigenen Reihen hagelt es scharfe Kritik.

US-Präsident Donald Trump (Archivbild) hat seine Pläne zur Gründung eines Infrastruktur-Rats mit Konzernchefs aus der Privatwirtschaft einem Medienbericht zufolge beerdigt. Der Finanzdienst Bloomberg berief sich in seinem Bericht auf eine eingeweihte Quelle. Bereits am Mittwoch waren zwei bestehende Beratergremien abgeschafft worden, in denen Spitzenmanager sich mit Trump zu Wirtschaftsfragen ausgetauscht hatten.

Grund für die Auflösung war die heftig kritisierte Reaktion des US-Präsidenten auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen bei einem Aufmarsch von Rechtsextremen in der US-Stadt Charlottesville, wo eine Gegendemonstrantin von einem Auto erfasst und getötet worden war. Trump hatte sich danach in den Augen vieler Kritiker nicht klar genug von Rechtsextremen und Rassisten distanziert. Aus Protest verabschiedeten sich etliche Unternehmenschefs aus seinen Beratergremien.

Der US-Präsident hatte im Infrastruktur-Rat eigentlich Größen etwa aus der Immobilien-, Bau- und Transportbranche versammeln wollen. Er hatte angekündigt, eine Milliardensumme in den Bau, die Modernisierung oder die Reparatur etwa von Straßen, Brücken und Flughäfen zu stecken. Allerdings war ohnehin offen, ob er dafür im Kongress grünes Licht bekommen würde.

Republikaner kritisiert Trumps Regierungskompetenz

Auch in der eigenen Partei wurde Trump heftig für sein Verhalten kritisiert - allerdings von ungewohnter Seite:  "Er hat nicht angemessen reagiert", sagte der prominente republikanische Senator Bob Corker. Der Politiker sprach ihm entscheidende Charaktermerkmale ab. "Der Präsident war bisher nicht fähig, die Stabilität oder etwas von der Kompetenz an den Tag zu legen, die er braucht, um erfolgreich zu sein", sagte der Republikaner in der bislang schärfsten Kritik eines Parteimitglieds.

Der Senator aus Tennessee sprach Trump zudem das Verständnis für das Wesen der USA ab. "Er hat zuletzt nicht zu erkennen gegeben, dass er verstanden hätte, was dieses Land gestern und heute groß gemacht hat", sagte Corker. "Ich würde mir wünschen, dass ihm klar ist, als wer er spricht, dass er der Präsident aller Amerikaner ist." Trump müsse aufhören, sich selbst so wichtig zu nehmen, sagte Corker.

Tillerson: Rassismus und Fanatismus sind unamerikanisch 

Der außenpolitische Experte wurde 2016 als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten unter Trump gehandelt. Er gilt als vergleichsweise besonnen und differenziert in seinen Wortmeldungen. Die von Corker mehrfach benutzten Begriffe "Stabilität" und "Kompetenz" wurden dementsprechend von US-Medien aufmerksam registriert: Der Sender CNN und andere interpretierten sie als mögliche Vorboten einer so tiefgehenden Entfremdung zwischen Partei und Präsident, dass sie Trump unter Verweis auf den 25. Verfassungszusatz für grundsätzlich ungeeignet halten könnten, das Amt auszuüben.

USA Rex Tillerson in Malaysia (Getty Images/AFP/M. Vatsyayana)

Tillerson (Archivbild): Hass ist kein amerikanischer Wert

Und auch von US-Außenminister Rex Tillerson kam eine Erklärung, die durchaus als indirekte Kritik am Präsidenten, auf jeden Fall aber als Distanzierung von der Gewalt Rechtsradikaler in Charlottesville gedeutet werden kann. In einer Rede vor Auszubildenden und Praktikanten seines Ministeriums wandte sich sich der US-Außenminister gegen Rassismus und Fanatismus. "Wir verurteilen das in jeder Form aufs Schärfste", so Tillerson. Hass sei kein amerikanischer Wert und die Antithese zur Idee Amerikas. Die Zusammensetzung des US-Außenministeriums spiegele die US-Gesellschaft nicht angemessen, auf allen Ebenen arbeiteten derzeit zu wenige Angehörige von Minderheiten.

Trump twittert Lüge nach Barcelona-Anschlag

In seinen letzten Urlaubstagen in Bedminster, New Jersey, reagierte Trump auch auf den Terroranschlag in Barcelona. Man werde alles tun, was nötig sei, um zu helfen, twitterte Trump. Wenig später legte er auf Twitter nahe, im Kampf gegen Terrorismus die Methoden von General John Pershing zu studieren. Dieser soll - einer bereits mehrfach widerlegten Legende nach - auf den Philippinen 50 muslimische Gefangene mit Projektilen exekutiert haben, die er zuvor in Schweineblut getaucht hatte. Mit dem Blut der für gläubige Muslime unreinen Tiere sei ihnen der Weg ins Paradies versperrt gewesen.

Laut Historikern gibt es nicht den geringsten Anlass, die Geschichte um Pershing für wahr zu halten, die sich angeblich in den Jahren der Moro-Rebellion zu Beginn des 20. Jahrhunderts zugetragen haben soll. Auch für diesen Tweet erntete Trump harsche Kritik in US-Medien: Während die Welt noch um die Toten von Barcelona trauere, verweise der Präsident der Vereinigten Staaten auf eine Lüge, in der die Exekution Gefangener glorifiziert werde.

myk/nin (dpa, afp, rtrd)